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EZB-Watcher: Nächste Zinssenkung wird kommen

Die Entscheidung des EZB-Rates vom Donnerstag, die Leitzinsen im Euro-Währungsraum unverändert zu lassen, ist an den Märkten und von den EZB-Watchern erwartet worden.

vwd FRANKFURT. Diese Erwartungshaltung war eindeutig geprägt durch die Zinssenkung in der außerplanmäßigen EZB-Rat-Telefonkonferenz am 17. September 2001 auf 3,75 (4,25) % beim 2-Wo-Refi-Satz im Rahmen einer international koordinierten monetären Lockerung. Die meisten EZB-Watcher erwarten aber trotz der am Donnerstag gemeldeten steigenden M3-Expansion schon bald einen weiteren Zinssenkungsschritt.

Stephan Rieke von der BHF-Bank geht davon aus, dass die Fed schon am Dienstag die Fed Funds Rate nochmals senkt, um die Stimmung der Verbraucher und der Börse zu stützen. Der EZB-Rat werde wohl nicht schon wieder am selben Tag mit einer Telefonkonferenz folgen, aber in diesen unsicheren Zeiten auch nicht zu lange abwarten. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass der EZB-Rat noch im Oktober seine Leitzinsen nochmals um 50 Basispunkte senkt, bis Jahresende sollten weiter 25 Basispunkte hinzukommen und dann den Refi-Satz auf 3,00 % bringen.

Michael Hüther von der DGZ Bank-Deka rechnet ebenfalls für Oktober mit der nächsten EZB-Zinssenkung; auch er erwartet angesichts der gedrückten Stimmung und der vielen Unsicherheiten 50 Basispunkte. Die Geldmenge sei dabei kein Hinderungsgrund, sagten Hüther und Rieke: Die M3-Expansion mit 6,4 (5,9) % 3-Monats-Durchschnittsjahresrate sei trotz Überschreitung des M3-Referenzwertes von 4-1/2 % keine Bedrohung für die Preisstabilität, Anleger parkten bei der flachen Zinsstrukturkurve und der Börsenbaisse ihre Gelder am kurzen Ende des Kapitalmarktes; die sinkenden Kreditexpansionsraten zeigten zudem die Konjunkturschwäche.

Während Hüther meint, dass die erste EZB-Strategiesäule durch diese M3-Verzerrungen nicht in ihrer herausragenden Rolle geschwächt werde, ist Rieke vorsichtiger, er erwartet eine M3-Jahresrate im September von über sieben Prozent. Deshalb müsse der EZB-Rat bei der Begründung der nächsten Zinssenkungen - wie schon bei der Zinssenkung am 17. September angezeigt - auf die Überzeugungskraft der zweiten Säule setzen: Schwächeres Wachstum bedeute geringere Kapazitätsauslastung und geringeren Preisdruck. Zudem könne die EZB mit den aktuellen HVPI-Inflationsraten die nachlassenden Inflationsrisiken aufzeigen.

Rieke erwartet für 2001/2002 nur noch ein Euroraum-BIP-Wachstum von 1,5/1,6 %, was klar unter der von der EZB geschätzten Trendrate von zwei bis 2-1/2 % für das Wachstum liegt; für Deutschland allein schätzt der BHF-Bank-Volkswirt nur noch 0,7/1,0 % BIP-Wachstum 2001/2002. Die Stabilitätsnorm von "unter zwei Prozent" der EZB, gemessen an der jahresdurchschnittlichen HVPI-Inflationsrate auf mittlere Sicht, dürfte nach Schätzung von Rieke im ersten Quartal 2002 erreicht werden. In Deutschland könnte die HVPI-Rate in diesem Jahr schon kurz unter zwei Prozent sinken, Anfang 2002 aber wegen einiger Steuererhöhungen wieder einen kurzen Sprung über die zwei Prozent machen.

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