EZB-Watcher warten gespannt auf den Ausblick
Experten erwarten unveränderte EZB-Leitzinsen

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird am Donnerstag seine monatliche Überprüfung der Geldpolitik im Euroraum vornehmen und nach Überzeugung der Marktmehrheit die Zinspolitik unverändert lassen.

vwd FRANKFURT. Das Ergebnis der Sitzung unter Leitung von EZB-Präsident Wim Duisenberg - und in Anwesenheit von EU-Währungskommissar Pedro Solbes - wird um 13.45 Uhr mitgeteilt und dann anschließend um 14.30 Uhr in der EZB-Pressekonferenz von Duisenberg erläutert.



Nach den veröffentlichten Analysen der EZB ist die Erwartungshaltung in den Märkten vor dieser Rat-Sitzung eindeutig auf unveränderte Leitzinsen ausgerichtet. Der zentrale Euro-Geldmarkt-Leitzins wurde im vergangenen Jahr - beginnend im Mai 2001 - auf 3,25 (4,75) Prozent beim 2-Wochen-Refisatz gesenkt. Spekulationen auf eine weitere Zinslockerung, wie sie noch zur Jahreswende sehr weit verbreitet waren, sind inzwischen weitgehend verschwunden. Hierfür spricht auch die Entwicklung im Rahmen der beiden EZB-Strategiesäulen.

Die M3-Geldmengenexpansion erscheint mit einer Jahresrate von acht Prozent weiterhin deutlich überzeichnet angesichts des Liquiditätsstaus am kurzen Ende auf Grund der volatilen Kapitalmärkte. Die Beschwichtigung der EZB, dass diese M3-Expansion nicht inflationsträchtig sei, wird zwar durch die moderate bis nachlassende Kreditexpansion belegt, aber der Abstand der aktuellen M3-Expansion zu dem von der EZB für einen stabilitätskonformen vorgegebenen Referenzwert von 4,5 Prozent erscheint doch groß. Folglich ist eine Zinssenkung schwer darstellbar, ohne die Glaubwürdigkeit dieser wichtigen Säule zu schwächen.

Aber auch die zweite Strategiesäule mit den Indikatoren zur Einschätzung der Inflationsrisiken votiert nach Ansicht von Experten nicht mehr so stark für eine weitere Lockerung, wenn man von einer vorausschauenden Geldpolitik mit einer Wirkungsverzögerung von über einem halben Jahr ausgeht. Wenn nämlich die Erwartung zutrifft, wie sie auch die EZB immer deutlicher ausspricht, dass im weiteren Jahresverlauf die wirtschaftliche Dynamik im Euroraum an Fahrt gewinnt, dann wäre jetzt eine Zinssenkung prozyklisch und damit nicht richtig, heißt es. Duisenberg geht immerhin davon aus, dass das BIP-Wachstum Ende des Jahres den Potenzialpfad von 2,0 bis 2,5 Prozent erreicht.

In diesem Sinne werden die Märkte und EZB-Watcher am Donnerstag in der EZB-Pressekonferenz genau auf die Schilderungen der aktuellen und künftigen Rahmenbedingungen achten. Die Frage, wer für den Ende Mai vertragsgemäß ausscheidenden EZB-Vizepräsidenten Christian Noyer ins EZB-Direktorium nachfolgt, ist aber nicht auf der EZB-Rat-Agenda. Hier muss sich erst der Informelle Econfin-Rat Mitte April in Oviedo einigen. Danach wird der EZB-Rat und das EP gehört, bevor schließlich die Ernennung über die EU-Staats- und-Regierungschefs erfolgt.

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