EZB-Zinssenkung erwartet
Irak-Krise belastet Konjunktur

Die Irak-Krise wird zur einer Dauerbelastung für die Weltwirtschaft. Der Ölpreis blieb auch zum Wochenende auf dem hohen Niveau der Vortage. Reiseveranstalter berichteten von zurückhaltenden Buchungen für die Monate März und April, in denen das Ausbrechen eines Irak-Krieges erwartet werde.

HB/dpa HAMBURG. Bundesbank-Präsident Ernst Welteke betonte, das Wirtschaftswachstum in der Eurozone werde 2003 leicht über einem Prozent liegen und gab neue Signale für eine baldige Zinssenkung. Angesichts der schwachen Konjunktur erwarten Volkswirte einen Zinsschnitt im Euro-Raum bereits am kommenden Donnerstag.

Der Preis von Rohöl zur Auslieferung im April ging in New York am Freitag zwar wieder von dem Höchststand von knapp 40 Dollar je Barrel (159 Liter) zurück, war mit 36,60 Dollar aber immer noch extrem hoch. Auch September-Öl wurde noch mit gut 30 Dollar gehandelt. Die hohen Rohölpreise gelten als gefährliche Belastung für die ohnehin seit Monaten schwache Konjunktur. Öl ist derzeit so teuer wie seit Oktober 1990 nicht mehr, als die Besetzung von Kuwait durch den Irak den Preis auf das Rekordhoch von 41,15 Dollar katapultiert hatte.

Bundesbank-Präsident sagte bei einem deutsch-indischen Wirtschaftstreffen in Bombay der "Financial Times" zufolge, Grund für das niedrige Wirtschaftswachstum seien die Einbrüche an den Finanzmärkten und die Unsicherheit angesichts der Irak-Krise. Zugleich gab er den Erwartungen einer baldigen EZB-Zinssenkung frische Nahrung. Die Inflation in der Euro-Zone werde in diesem Jahr unter der Warnschwelle von zwei Prozent liegen und damit Freiraum für geldpolitische Schritte schaffen, sagte Welteke.

Angesichts der schwachen Konjunktur erwarten Volkswirte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bereits am kommenden Donnerstag den Leitzins von derzeit 2,75 % um 0,25 oder sogar 0,5 Prozentpunkte senken könnte. Zuletzt war der wichtigste Leitzins der EZB im Dezember von 3,25 auf 2,75 % zurückgenommen worden.

EZB-Chef Wim Duisenberg und seine Kollegen hätten die Märkte so heiß gemacht auf eine Zinssenkung, "dass es erstaunlich wäre, wenn die EZB sie nicht liefern würde", sagte der Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank, Thomas Mayer, der "Welt am Sonntag". Allerdings hätte die EZB dann kaum noch Spielraum, die Zinsen im Falle eines Irak- Krieges weiter zu drücken, kritisierte er. Der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, bezeichnete eine Zinssenkung als "überfällig".

Reiseveranstalter berichten unterdessen von schleppenden Buchungen für die bevorstehenden Monate. "Wir erkennen eine deutliche Zurückhaltung bei Reisen im April und März, also rund um den möglichen Kriegsbeginn", sagte Sibylle Zeuch vom Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter Verband der "Welt am Sonntag". Nach Darstellung von Alltours Flugreisen mache sich die andauernde Irak-Diskussion seit Ende Januar bemerkbar. Die Tageseingänge für Buchungen seien "enorm rückläufig". Dies werde auch bei der REWE Pauschaltouristik (ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg) registriert. "Seit etwa drei Wochen wird flächendeckend deutlich weniger gebucht", sagte eine Sprecherin.

Viele Unternehmen wie zum Beispiel die Tui bieten für die bis Ende März gebuchten Sommerreisen eine kostenlose Umbuchungsgarantie bis acht Wochen vor Reisebeginn an. Urlauber können dann auch ohne Angabe von Gründen ihr Reiseziel ändern. Für die Asien-Strecken hätten sich die Reiseveranstalter bereits um alternative Flugrouten gekümmert, schrieb die Zeitung weiter. Statt über die an den Irak angrenzenden Staaten zu fliegen, solle im Kriegsfall auf China, die GUS-Staaten oder sogar Afrika ausgewichen werden.

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