EZB-Zinssenkung und feste US-Börsen
Deutscher Aktienindex beflügelt

Die überraschende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) und die feste Tendenz an den US-Börsen haben nach Händlerangaben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag beflügelt.

Reuters FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss mit einem Plus von 1,67 Prozent auf 6 165,18 Punkten. Kurzzeitig war der Index sogar bis auf 6 222 Zähler in die Höhe gesprungen. Im Mittelpunkt des Börsengeschehens standen erneut die Aktien der Lufthansa, deren Piloten am Donnerstag in den ersten 24-stündigen Streik der Firmengeschichte getreten waren.

Händler zeigten sich von der Leitzinssenkung in der Eurozone um 25 Basispunkte sehr überrascht. Nun müsse jedoch erst einmal abgewartet werden, ob die Tendenz anhalte, hieß es. Sollte der Dax die Marke von 6 200 Zählern nachhaltig überwinden, könnte das Börsenbarometer bis auf 6 400 Punkte klettern.

Die US-Börsen notierten zu Börsenschluss in Deutschland freundlich. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,7 Prozent auf 10 943 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index wies noch einen Aufschlag von 0,2 Prozent auf 2 160 Punkte aus, nachdem er im frühen Geschäft über zwei Prozent geklettert war.

Lufthansa-Aktien auf Achterbahnfahrt

Auf Achterbahnfahrt begaben sich die Aktien der Deutschen Lufthansa. Zum Schluss wies die Aktie nach volatilem Verlauf ein moderates Minus von 0,28 Prozent aus. Die Fluggesellschaft hatte nach Angaben der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) einen neuen Termin zur Wiederaufnahme der festgefahrenen Tarifverhandlungen vorgeschlagen. Ein Lufthansa-Sprecher wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. Nach dem vorläufigen Abbruch der Tarifverhandlungen in der Nacht zum Mittwoch hatten die von der VC vertretenen Lufthansa-Piloten in der Nacht zum Donnerstag einen 24-stündigen Streik begonnen.

Der Kurs der Aktien von Indexschwergewicht Deutsche Telekom sprang um 1,45 Prozent auf 26,58 Euro in die Höhe. Nach der Ankündigung des britischen Telekom-Konzerns British Telecom, sich aufzuspalten, hätten einige Investoren ihre BT-Aktien in T-Aktien umgeschichtet, sagten Händler. Dies habe dem Schwergewicht Auftrieb verliehen.

Automobilwerte und High-Tech-Papiere gefragt

Ebenfalls auf den Einkaufslisten der Börsianer standen Hochtechnologiepapiere. Nach den jüngsten Abschlägen seien die High-Tech-Werte wieder kursgünstig, hieß es. Die Aktien von SAP kletterten um 3,7 Prozent, die Papiere von Epcos gewannen drei Prozent und die von Infineon 2,1 Prozent. Der Wert der Siemens-Aktien erhöhte sich um 2,4 Prozent. Der Konzern will in seiner Netzwerksparte ICN rund 2000 Arbeitsplätze mehr abbauen als bisher angekündigt. Bisher hatte Siemens bei ICN die Streichung von 3 500 Arbeitsplätzen angekündigt. Ein Händler sagte, es sehe so aus, als ob Siemens einen höheren Shareholder-Value schaffen wolle.

Auch die Automobilwerte waren gesucht. Die Aktien des Autokonzerns BMW verbuchten kräftige Kursgewinne, nachdem die am Morgen präsentierten Quartalszahlen besser als erwartet ausgefallen waren. Der Kurs verbesserte sich um 4,9 Prozent auf 41,42 Euro, womit die BMW-Aktie größter Gewinner im Dax war. Im Verlauf hatte der Wert mit 41,88 Euro sogar ein neues Jahreshoch markiert. VW und DaimlerChrysler legten im Sog von BMW ebenfalls zu.

Commerzbank-Aktien leiden unter Quartalszahlen

Die Aktienkurse der anderen Unternehmen, die ebenfalls am Donnerstagmorgen Quartalsergebnisse veröffentlicht hatten, reagierten weniger positiv auf die jeweiligen Zahlen. Die Papiere der Commerzbank schlossen kaum verändert auf 32,33 Euro, nachdem der Gewinn des Finanzinstituts im ersten Quartal vor allem wegen eines schwachen Handelsergebnisses und steigender Kosten deutlich gesunken war. Die anderen Bankenwerte und Dividendentitel der Versicherer konnten im Zuge der Zinssenkung dagegen deutliche Gewinne verbuchen.

Der Rückgang des Degussa-Ergebnisses im ersten Quartal 2001 war zwar geringer ausgefallen als von Analysten erwartet, der Aktienkurs des Chemieunternehmens fiel dennoch um 1,9 Prozent auf 34,04 Euro.

Der MDax sank um 0,15 Prozent auf 4587 Zähler. Am Neuen Markt gewann der Nemax-All-Share-Index dagegen moderate 0,05 Prozent auf 1880,55 Punkte.

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