Archiv
F.A.Z. benennt Nachrichtenchef zum Mitherausgeber

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (F.A.Z.) hat ihren Nachrichtenchef Dieter Eckart zum Nachfolger des beurlaubten Mitherausgebers Hugo Müller-Vogg benannt.

Reuters FRANKFURT. Der 63 Jahre alte Eckart werde von Donnerstag an für den Rhein-Main-Regionalteil und die "Sonntagszeitung" zuständig sein, teilte das Herausgebergremium am Mittwoch mit. Die F.A.Z. hatte Müller-Vogg in der vergangenen Woche mit der Begründung beurlaubt, es gebe keine Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr. An Stelle eines Chefredakteurs bestimmen bei der F.A.Z. die fünf Herausgeber die Linie der Zeitung.

Eckart arbeitet seit 1966 bei der F.A.Z. und leitet seit 1973 die politische Nachrichtenredaktion. Diese Aufgabe wird der F.A.Z. zufolge der Leiter des Innenpolitischen Ressorts, Stefan Dietrich, interimistisch übernehmen.

Auf die Frage, ob sich die Linie der "Rhein-Main-Zeitung" unter seiner Führung verändern werde, sagte Eckart: "Ich bin ein sehr liberaler Konservativer, ich bin kein Eiferer." Bei der Berichterstattung und Kommentierung sei es ihm egal, welcher Partei jemand angehöre. "Mein dringendster Wunsch ist, dass wir im Rhein-Main-Teil ein harmonisches, effektives, liberales Team darstellen", sagte Eckart weiter.

Die Herausgeber hatten bei der Beurlaubung Müller-Voggs keine näheren Gründe genannt, warum die Vertrauensbasis gestört sei. Der Schritt habe aber nichts mit Müller-Voggs angeblich zu konservativer Linie zu tun, hieß es. Redakteure hatten Müller-Vogg oft einseitige und überzogen scharfe Kritik an SPD und Grünen vorgeworfen. Zudem galt er vielen als autoritär.

Die F.A.Z.-Herausgeber können nach Vollendung des 65. Lebensjahrs ihre Dienstzeit noch zweimal für je ein Jahr bis zum Alter von maximal 67 Jahren verlängern. Auf die Frage, wie lange er Herausgeber bleiben wolle, sagte Eckart: "Das ist eine Frage der Gesundheit und des Durchhaltevermögens. Aber ich will das so lange machen, wie ich gebraucht werde und den Posten effektiv machen kann." Herausgeber der F.A.Z. sind außer dem Vorsitzenden Günther Nonnenmacher und nun Eckart Jürgen Jeske, Berthold Kohler und Frank Schirrmacher.

In der F.A.Z. war in letzter Zeit von Unruhe aus verschiedenen Gründen gesprochen worden. Das Politik-Ressort etwa sei zu Beginn der Spendenaffäre von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) bei der Berichterstattung und Kommentierung gespalten gewesen. Innenpolitik-Chef Eckhard Fuhr wurde als Korrespondent nach Berlin entsandt, was in Redaktionskreisen als Degradierung gewertet wurde. Kurz darauf ging er zur Tageszeitung "Die Welt". Zwischen Herausgebern und Verlagsführung gab es den Kreisen zufolge wegen des Starts eines umfassenden Internet-Auftritts im Januar Streit. Und im Feuilleton wurden Anfang Februar die Wechsel von Ressortchef Ulrich Raulff und Literatur-Chef Thomas Steinfeld sowie der Berlin-Korrespondentin Franziska Augstein zur "Süddeutschen Zeitung" bekannt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%