Fabrik für Mini-Dieselmotoren geplant
BMW will trotz Marktschwäche wachsen

Vorstands-Chef Joachim Milberg bleibt trotz schwacher Autokonjunktur sehr optimistisch. Erstmals wird am Donnerstag ein Quartalsbericht veröffentlicht, der den positiven Trend bestätigen soll.

MÜNCHEN. Der BMW-Konzern glaubt an den Erfolg des Diesel. "Der Trend hält unvermindert an", sagte der Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg im Gespräch mit dem Handelsblatt. In Deutschland seien bereits 40% aller von BMW verkauften Modelle mit einem Dieselmotor ausgestattet. Doch beim neuen Mini, den das Münchener Unternehmen in den kommenden Wochen in Europa auf den Markt bringen wird, ist beim Diesel zunächst Fehlanzeige. Konzernchef Milberg kündigt zwar an, "dass wir so schnell wie möglich mit dem Mini-Diesel kommen werden." Einen Zeitpunkt dafür nennt er jedoch nicht.

Der Hintergrund: Für BMW lohnt es sich nicht, eigens eine neue Fabrik für Mini-Dieselmotoren zu bauen. "Wir führen Gespräche mit Toyota über den Zukauf eines Dieselmotors für den Mini", bestätigt Milberg. Auch mit anderen Herstellern rede BMW über den möglichen Bezug. Allerdings sei es durchaus auch möglich, dass BMW die Dieselaggregate für den Mini in einem seiner Werke produzieren werde.

Milberg sieht in dem späten Start für den Mini mit Dieselmotorisierung kein Problem. Das neue kleine Auto aus England werde für den Münchener Konzern ein Erfolg. "Wir sind davon überzeugt, dass wir das mit dem Mini schaffen", betont der Vorstandschef. In seinem britischen Werk Oxford will BMW künftig pro Jahr etwa 70000 Stück des neuen Mini produzieren, die maximale Kapazität liegt bei 100000 Fahrzeugen. Der Chef des Münchener Automobilherstellers vertraut auf das Know-how im Konzern. Beim Aufbau der Marke BMW habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es das Marken-Management beherrsche. Daran werde BMW jetzt auch beim Mini anknüpfen.

Wie die gesamte BMW-Produktpalette versteht Milberg auch den neuen Mini als ein "Premiummodell", das sich deutlich von den potenziell vergleichbaren Kleinwagen unterscheide. "Premium muss nicht immer automatisch mit einem großen Auto gleichgesetzt werden", sagt er über den kleinen Wagen von der Insel.

Milberg setzt "Premiummodelle" mit dem Unternehmenserfolg von BMW gleich. Der Autobauer blicke zuversichtlich in die kommenden Jahre. Weltweit werde das Premiumsegment überproportional wachsen - und damit BMW Raum für zusätzliche Verkäufe lassen. Klassische Großserienmodelle würden zwar künftig auch bei den Absatzzahlen zulegen, doch längst nicht so stark wie die Produkte aus dem Hause BMW. Der Konzernchef sieht auf dem Markt insgesamt einen gewissen "Verlust der Mitte".

Bei der Kernmarke BMW "geht die Produktoffensive weiter", kündigt Milberg zudem an. Mit den neuen Coupés der 6er-Baureihe, dem kleinen X3-Geländemodell und vom Jahr 2003 an mit der 1er-Baureihe als künftigem BWM-Einstiegsmodell wolle das Unternehmen seine Position als Premiumanbieter untermauern. Auch einen BMW-Minivan schließt Milberg nicht grundsätzlich aus. Das Unternehmen müsse jedoch eine Konzeption finden, die "typisch für BMW" sei, was bisher noch nicht gegeben sei.

"Die Ernte werden wir in den nächsten Jahren einfahren", gibt sich Milberg optimistisch über die Aussichten der neuen Modelle. Der BMW-Chef wollte sich allerdings nicht festlegen, ob das Unternehmen bereits in diesem Jahr erstmals mehr als 900000 Autos produzieren wird. Im Jahr 2000 waren es 822000 Fahrzeuge. Neue Rekordwerte bei Absatz, Umsatz und Ertrag hatte Milberg bereits angekündigt. Im ersten Quartal hatte der Autokonzern gegen den allgemein schwachen Trend in der Automobilkonjunktur bereits den Absatz um 9,7% gesteigert. "Das Momentum war auch im April unverändert", sagt Milberg.

Aktionäre werden sich nicht nur über höhere Erträge freuen. Unter der Ägide Milbergs gibt sich BMW auch gegenüber seinen Anteilseignern informationsfreudiger. Am Donnerstag dieser Woche werden erstmals Quartalsergebnisse veröffentlicht. "Das wird ein ordentlicher Bericht", verspricht der BMW-Chef. Das Unternehmen werde detailliert über die Ertragslage und die einzelnen Konzernsegmente informieren.

Offen bleibt, wo BMW sein neues Werk baut, das durch den Produktionsstart der neuen 1er-Reihe nötig wird. Nach Angaben Milbergs steht noch etwa ein Dutzend möglicher Standorte zur Auswahl.

Bis zu der Sommerpause will das Münchener Unternehmen entscheiden. Auf der Liste befindet sich nur noch ein bayerischer Standort. Thüringen macht sich inzwischen keine Hoffnungen mehr. Im Gespräch ist zudem noch eine ungarische Lösung.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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