Fachkräfte-Bedarf vorerst nicht gedeckt
Experte sieht kein Boom-Ende im IT-Arbeitsmarkt

Reuters HAMBURG. In der deutschen Informationstechnologie-Branche werden nach Einschätzung der Bundesanstalt für Arbeit auch künftig Tausende Fachkräfte gesucht. "Ein Ende des Booms auf dem IT-Arbeitsmarkt ist nicht abzusehen", sagte Werner Dostal, Internet-Experte der Nürnberger Behörde, am Dienstag in einem Interview. "Auch Leute, die mit einem Start-Up-Unternehmen in die Pleite geschlittert sind, finden sofort eine andere Stelle." Selbst bei einer leichten Konjunktur-Abschwächung werde der Fachkräfte-Bedarf im IT-Bereich vorerst nicht gedeckt werden können. In Deutschland arbeiteten derzeit rund 500.000 Computer-Experten.

Rund 80.000 davon sind Dostal zufolge Diplom-Informatiker. Da ein Studium allerdings vier bis fünf Jahre dauere, werde diese Zahl nur langsam steigen: So hätten im Jahr 2000 rund 6000 Informatiker ihr Studium beendet. Es brauche zudem einige Zeit, bis sich die Greencard-Initiative zur Anwerbung ausländischer Experten bei den deutschen Unternehmen durchsetze. Bisher seien rund 4500 Greencards vergeben worden.

Ausweitung im Bereich Multimedia

Deshalb könnten Informatiker in den kommenden zehn Jahren immer damit rechnen, in Deutschland einen Arbeitsplatz in der Informationstechnologie (IT) zu finden. "In Zukunft könnten hier auch zwei Millionen Informatiker Arbeit finden", sagte Dostal, der sich beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit den Auswirkungen des Internets auf den Arbeitsmarkt beschäftigt. Das IAB gehört zur Bundesanstalt für Arbeit.

Das Internet habe auch zu einer Ausweitung des Arbeitsmarktes im Bereich Multimedia geführt, sagte Dostal. So gebe es neben den unbesetzten Stellen für Informatikern auch mehr Arbeitsplätze für jene Berufsgruppen, die mit der Informationsvermittlung und-präsentation im Internet beschäftigt sind, etwa Journalisten und Designer. Mit Zahlen belegen lasse sich dieser Zuwachs allerdings nicht. Insgesamt seien in der deutschen Multimedia-Branche, die auch die Informatik umfasst, rund zwei Millionen Menschen beschäftigt. Das entspreche etwa fünf Prozent aller Erwerbstätigen.

Folgen des Internets noch nicht absehbar

Auf weitere rund 40 Prozent aller Beschäftigten könnten Dostal zufolge durch das Internet gravierende Veränderungen zukommen, die noch nicht genau absehbar seien. Gemeint seien damit Mitarbeiter in Branchen, deren Geschäftsmodelle sich durch das Internet verändern - beispielsweise Einzelhändler, Banken und Versicherungen. Möglicherweise gebe es jedoch nur eine Verschiebung von Arbeitsplätzen, da viele Unternehmen neue Aufgaben an externe Firmen weitergeben würden.

"Die Bedeutung der unternehmensnahen Dienstleistungen steigt", sagte Dostal und verwies als Beispiel auf die wachsende Zahl von Call-Centern, in denen Anrufe an den Kunden-Service gebündelt werden. Wegen dieses Trends zum "Outsourcing" steige die Zahl der kleinen Firmen, während die Zahl der Mitarbeiter bei großen Unternehmen sinke. Neue Arbeitsplätze würden dadurch aber nicht unbedingt geschaffen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%