Fachleute bemängeln vorherrschende Auftragsabwicklung im eigenen Konzern
Vermögensverwalter dringen auf Regeln für faire Orderausführung

Deutsche und europäische Vertreter der Investmentbranche treiben das Thema bestmögliche Orderausführung (Best Execution) voran. Der europäische Vermögensverwalter-Verband (EAMA) fordert eine EU-weite aufsichtsrechtliche Regelung.

FRANKFURT/M. Eine solche Vorschrift soll Vermögensverwalter in der Europäischen Union (EU) verpflichten, "für eine best mögliche Orderausführung beim Wertpapierhandel im alleinigen Interesse des Anlegers" zu sorgen. Denn in der Investmentbranche ist bekannt, dass Aufträge häufig im eigenen Konzern abgewickelt werden, auch wenn ein fremdes Haus günstigere Abwicklungskonditionen bietet.

Der Vermögensverwalter muss nach EAMA- Vorstellungen die Konditionen der Händler, die er mit einer Orderausführung beauftragen kann, genau prüfen und vergleichen. Die Vereinigungen europäischer Asset-Management-Gesellschaften und einiger nationaler Investmentverbände veröffentlichen heute Diskussionsbeiträge verschiedener Experten ("Best Execution - Executing Transactions in Securities Markets on behalf of Investors").

Parallel dazu forciert der deutsche Fondsverband BVI in Zusammenarbeit mit der Bankenaufsicht die Diskussion über entsprechende Grundsätze. BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip: "Das ist Teil eines Gesamtpaketes von Wohlverhaltensregeln, mit denen wir die gesetzliche Vorgabe für die Kapitalanlagegesellschaften, im alleinigen Interesse der Fondsanleger zu handeln, konkretisieren wollen." Bis Herbst sollen Ergebnisse vorliegen. Die Fondsgesellschaften können sich diesem Regelwerk unterwerfen, rechtlich bindend ist es jedoch nicht.

"Ein entscheidender Punkt beim Best-Execution-Gundsatz ist das Management der Transaktionskosten, das heißt die Sicherstellung angemessener Wertpapierhandelskosten", erklärt Christian Schlenger, Geschäftsführer der Consultingfirma Alpha Portfolio Advisors, Bad Soden. "Es kann beispielsweise nicht sein, dass eine Order von der Investmentgesellschaft einfach über die eigene Bankenmutter abgewickelt wird", meint Seip.

Die Qualität der Orderausführung und damit die Höhe der Wertpapierhandelskosten bestimmt maßgeblich den Anlageerfolg des Investors. Das hatte Alpha Portfolio in einer kürzlich vorgestellten empirischen Untersuchung nachgewiesen (Handelsblatt vom 30.4.).

Hier setzt die EAMA an. "Die europäischen Asset Manager haben die Pflicht, ihren Kunden an dieser Stelle einen Mehrwert zu schaffen", sagt Michael Haag, Generalsekretär der Vereinigung in London. Das sei jedoch oft schwierig, "weil verschiedene Länder in der EU dazu unterschiedliche aufsichtsrechtliche Regeln vorgegeben haben". Ein einheitlicher Ansatz würde den Anlegern zugute kommen und die Schaffung eines einheitlichen europäischen Finanzmarktes erleichtern. Die EAMA sei sich über die Komplexität des Themas im Klaren: "Wir sind deshalb besorgt, dass zu einfache regulatorische Vorgaben für die Asset Manager dem Kundeninteresse am Ende eher schaden könnten."

In den USA ist Best-Execution ebenfalls ein Thema. Der Fachverband AIMR, eine ursprünglich amerikanische Vereinigung der Investmentanalysten und Portfoliomanager, hatte im vergangenen November Richtlinien für die Optimierung der Transaktionskosten im Handelsprozess vorgestellt. "Das dürfte in USA und Großbritannien noch in diesem Jahr zur Anwendung kommen", glaubt Schlenger.

Mit einer gewissen Zeitverzögerung seien ähnliche Entwicklungen in Deutschland und Kontinentaleuropa zu erwarten, mutmaßt der Alpha-Portfolio-Mann.

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