Fachleute empfehlen Untergewichtung von Bonds in US-Währung
Schwacher Dollar ein Kaufargument für Euro-Anleihen

Haushaltsloch und außenwirtschaftliches Defizit verbilligen den Dollar für Europäer. Doch der Abwertungsstrudel hat seine Tücken. Anleger sollten bei der Wahl ihres Rentenportfolios genau auf die Währung achten, sonst droht der schnelle Renditegewinn beim Auslandsgeschäft ins Minus zu drehen.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Greenback hat es schwer im Frühling 2003. Nach den Abwertungsturbulenzen der vergangenen Monate schlägt sich die Schwäche des Dollars jetzt sogar auf das Anleihegeschäft durch. Professionelle Bonds-Anleger und Währungsexperten raten deshalb zum Rückzug aus Rententiteln, die in US-Dollar lauten.

"Raus aus den USA - Das Stimmungsfahrwasser strömt gegen eine Aufwertung des Dollars", sagt Hans-Jörg Naumer, Leiter Investor Information beim Research des DIT. Bis zum Herbst sieht er keine Anzeichen für einen Stimmungsumschwung beim Dollar. Anleihen sollten deshalb auf europäische Staaten oder Unternehmen lauten, zumal auch die Renditedifferenzen zwischen den Währungsräumen eher für diese Seite des Atlantiks sprächen. "Die Wachstumsrisiken der US-Wirtschaft sind hoch. Das spricht gegen einen stärkeren Dollar, zumal die niedrigen Europäischen Konjunkturerwartungen im Euroland bereits eingepreist sind", sagt Naumer. Zu viele Risiken sprechen daher gegen ein Engagement in der Fremdwährung. Eine mittlere Laufzeit und einige kurzfristige Anleihen als Kasse - so würde Naumer ein Rentenportfolio derzeit aufbauen, um rechtzeitig wechseln zu können, wenn der US-Dollar im nächsten Jahr wieder anzieht. Anzeichen dafür seien das Ende des Irakkriegs und somit ein tendenziell geringeres Haushaltsloch als zunächst in den Vereinigten Staaten erwartet und die nach wie vor expansive Geldpolitik der USA.

Genau diese Strategie der amerikanischen Notenbank bereitet Eberhardt Unger Sorge. Fast schon japanische Verhältnisse befürchtet der SEB-Finanzmarktanalyst für die USA angesichts des historisch niedrigen Zinsniveaus. "Wer soll bei einer Verzinsung von mageren 3,8 % noch Staatsanleihen kaufen", fragt Unger mit Blick auf die Zehn-Jahres-Rendite. Das riesige Zwillingsdefizit von Leistungsbilanz und Haushalt belaste die Märkte und berge ein gewaltiges Risiko: "Die Marktteilnehmer sind misstrauisch geworden, denn mit jeder Zinssenkung, die wirkungslos verpufft, schwindet weiteres Vertrauen in die amerikanische Notenbank." Ungers Schlussfolgerung: "Finger weg von US-amerikanischen Staats- und Unternehmensanleihen."

Zwar sei die Verzinsung von privaten Bonds höher als von staatlichen. "Sie deckt aber nicht im geringsten Risiken, die Käufer mit einer Investition eingehen. Der Ratingunterschied wird nicht ansatzweise widergespiegelt", urteilt Unger mit Blick auf die Bilanzskandale und den Sanierungsdruck amerikanischer Unternehmen. Der Währungsexperte rät Anlegern deshalb zu Investitionen in den Euromarkt. "Dort ist das Geld zur Zeit am besten aufgehoben."

Auch das britische Pfund im Abwärtsruck



Angesichts einer drohenden Immobilienblase in Großbritannien sieht er auch das britische Pfund in weiterem Abwärtsdruck. "Es läuft dem Dollar stets hinterher, deshalb sind Währungsanleihen auch in Großbritannien nicht zu empfehlen."

Um auf Währungsschwankungen zu reagieren, empfiehlt Unger Anleihen mit kürzerer bis mittlerer Laufzeit. Der Zinsspread zwischen den Laufzeiten ist zurzeit so gering, dass sich eine lange Bindung nicht lohnt. Während für eine einjährige Staatsanleihe im Euro-Währungsgebiet rund 2,5 % Zinsen gezahlt werden, erhalten Anleger für eine zehnjährige Staatsanleihe 4 %.

"Wir haben unsere Dollarbestände in den Portfolios fast komplett abgebaut", sagt Star-Capital- Vorstandsmitglied Horst-Detlev Vogel. Sämtliche Währungsrisiken seien, wie im professionellen, grenzüberschreitenden Handel üblich, über Terminkontrakte mit sechs bis zwölfmonatiger Laufzeit abgesichert. "Ein solches Investment lohnt sich für Fondsmanager immer", sagt Vogel. Seine Firma bietet unter anderem den StarCap Argos Rentenfonds an, der mit einem Wertgewinn von 13,66 % binnen zwölf Monaten per Ende März alle Konkurrenten hinter sich gelassen hat (Tabelle). "Auch wenn die gesunkenen Energiepreise nach dem Golfkrieg tendenziell zur Verbesserung des US-Leistungsbilanzdefizits beitragen, sehe ich keinen Grund für eine kurzfristige Aufwertung des US-Dollar", begründet Vogel seine derzeitige Strategie. Das Leistungsbilanzdefizit betrug im vierten Quartal 2002 rund 136,9 Mrd. $, das entspricht rund 5,2 % des US-Bruttoinlandproduktes (BIP). Zum Vergleich: Das Euro-Währungsgebiet erwirtschaftete in dieser Zeit einen Leistungsbilanzüberschuss von 22,1 Mrd. $ (1,3 % des BIP im Euroraum). Dennoch sei die Schwäche der amerikanischen Währung nicht mehr als eine Momentaufnahme, vermutet Vogel: "Der Turnaround hat zwar noch Zeit, aber sobald Notenbanken dem Dollar wieder Vertrauen schenken, dreht sich der Kurs wieder in Richtung Parität."

Rentenfondsmanager Stephan Hirschbrich von Union Investment rät ebenfalls dazu, den US-Dollar im Anlageportfolio unterzugewichten. Sein Wechselkursziel für die nächsten Monate lautet auf 1,15 $, "ein kurzfristiges Überschießen schließe ich nicht aus." Er vermutet allerdings, dass der Euro-Aufschwung schon bald an Dynamik verlieren könnte: "Der Druck auf den Dollar ist zwar noch immer enorm aber sobald die US-Konjunktur anzieht, könnte damit Schluss sein." Mittelfristig bleibe der Euro aber gut gestützt.

Langfristig sieht Hirschbrich den Dollar wieder im leichten Aufwind, jedoch unter einer Parität zum Euro. An seinem vor allem in Euro-Werten investierten Portfolio hält er in den nächsten Monaten fest. Darin sind US-Dollar-Anleihen untergewichtet. Bestärkt wird der Entschluss im historisch niedrigen Zinsniveau, den zehnjährige US-Staatsanleihen bieten. Sie betragen derzeit 3,83 %. "Das heißt, wenn der Dollar weitere 10 % abwertet, sind die Zinsen von mehr als zweieinhalb Jahren geschluckt."

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