Fachleute raten, Bonds aus der Eurozone stärker zu gewichten als Aktien
Rentenexperten empfehlen österreichische Staatsanleihen

In den USA deutet nach den drastischen Zinssenkungen der Notenbank bis auf ein Niveau von 1,75 % vieles auf eine Zinswende hin. Einige Experten erwarten im zweiten Halbjahr eine Erhöhung - auch in Europa, wo der Leitzins bei 3,25 % steht. Wie sollten sich Anleger darauf einstellen?

FRANKFURT/M. Das Problem: Steigende Zinsen drücken Aktien- wie auch Anleihenkurse, weil auf beiden Märkten Investoren ihre Titel verkaufen, um neue Papiere mit höheren Zinsen zu erwerben. Die BHF-Bank weist allerdings darauf hin, dass die Zinserhöhungen der Notenbanken zum Teil schon in den Kursen enthalten sind. "Für den Jahresverlauf sind teilweise recht deutliche Zinserhöhungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank eingepreist", schreibt sie in einer Studie.

"Tendenziell sollten Anleger Renten übergewichten", meint Christian Hümer, Rentenanalyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Er bezweifelt, dass es am Aktienmarkt in naher Zukunft eine dynamische Entwicklung geben wird. Richard Zellmann, Leiter für Rentenstrategie bei der Helaba, teilt diese Einschätzung: "Aktien haben kurzfristig deutlich höhere Risiken, die werden noch einen Satz nach unten machen". Er räumt ihnen erst mittel- bis langfristig wieder Chancen ein. Die Anleger sollten sich auf erstklassige Anleihen konzentrieren, etwa Staatsanleihen in der Euro-Zone. "Viele Unternehmensanleihen geben nämlich langsam den Geist auf", sagt er.

Eine gute Investition sind nach seiner Einschätzung österreichische Staatsanleihen: "Die haben keinerlei Sonderrisiken". Außerdem liege der Spread (Renditeabstand) zu zweijährigen Bundesanleihen bei 30 Basispunkten (also 0,3 Prozentpunkten), und das bei einer optimalen Bonitätseinstufung durch die internationalen Ratingagenturen. Zellmann empfiehlt auch irische Anleihen, da die Regierung die Staatsfinanzen gut in den Griff bekommen habe. Nachteilig sei dort nur die geringe Auswahl von Papieren mit mittlerer Laufzeit. Irland zählt auch zu den Favoriten von Dietmar Zantke, Rentenfondsmanager bei der Baden Bank. -Württembergischen Gemeinsam mit Portugal hätten die Iren ein hohes Wachstum erzielt, "das bedeutet gleichzeitig hohe Steuereinnahmen". Somit sei - etwa im Gegensatz zu Griechenland - die Bonität der Anleihen gesichert. Für Portugal und Spanien gelten jedoch Einschränkungen: Viele Unternehmen beider Länder haben stark in Lateinamerika investiert und werden von der dortigen Wirtschaftskrise getroffen. "Das hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die Länderanleihen, erzeugt aber einen psychologisch nachteiligen Effekt", sagt Zantke.

Einig sind sich die Experten darin, in kurz- bis mittelfristige Papiere zu investieren. Das vermindert das Risiko, weil bei einem Zinsanstieg langfristige Papiere besonders stark unter Druck geraten. "Wichtig ist, dass die Anleihe liquide ist", sagt zudem BHF-Rentenanalystin Annette Pacl-Schneeweis - man sollte also keine Papiere kaufen, die nur wenig gehandelt werden. Sie rechnet mit moderaten Renditen, die bis zum Jahresende auf fünf Prozent steigen könnten, wenn die Entwicklung weitergeht wie bisher. Aber vielleicht passiert auch das Gegenteil: "Am Markt ist bereits ein gewisses Maß an Optimismus eingepreist, bei Enttäuschungen würden die Renditen sofort fallen", setzt sie hinzu. Anders gesagt: Wenn es schlechte Nachrichten gibt, etwa über die konjunkturelle Entwicklung, werden die Kurse der Anleihen steigen.

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