Fachleute raten von Hochzinspapieren ab
Tech-Anleihen bergen noch Potenzial

Unternehmensanleihen gelten nach den Kursgewinnen der vergangenen Monate als weitgehend ausgereizt. Die Kurse sind hoch, die Renditen entsprechend niedrig. Noch Chancen auf gute Gewinne sehen Analysten bei Anleihen von Technologieunternehmen - wenn diese zumindest über eine befriedigende Bonität verfügen.

FRANKFURT/M. Wer heute Anleihen kaufen will, steht vor einer schwierigen Entscheidung: Die Renditen von Staatsanleihen sind schon seit langem niedrig. Daher suchen Investoren seit Monaten nach attraktiveren Alternativen. Fündig wurden sie unter anderem bei Anleihen von Unternehmen, die teils beträchtliche Risikoaufschläge (Spreads) im Vergleich zu Staaten zahlen müssen. Der Ansturm auf Corporate Bonds aber führte zu steigenden Kursen - und niedrigeren Renditen.

"Die Luft wird dünner", urteilen die Experten der Bayerischen Landesbank in einer Studie über den Gesamtmarkt. Sie sehen insgesamt kein Potenzial für deutliche Kurssteigerungen. Die Lösung könnten nach Ansicht der Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Anleihen von Technologieunternehmen bieten: Bonds von Hewlett-Packard (HP), IBM oder Philips, aber auch von General Electric (GE) oder Siemens gehörten zu den Titeln, die ordentliche Renditen abwürfen, deren Risikoaufschläge sich aber weiter verringern dürften

Zwar sind auch bei Tech-Anleihen die Renditeaufschläge geschrumpft, im Vergleich zu anderen Branchen aber noch attraktiv. Rolf Schäffer, Analyst der LBBW, traut Tech-Bonds als einzigen Industrieanleihen für die nächsten drei Monate eine überdurchschnittliche Performance zu. Zuversichtlich stimmen ihn die "positiveren Unternehmensberichte für 2003". Schäffer setzt auf zyklische Branchen, insbesondere den Technologiesektor, weil er mit einer "moderaten Erholung der Konjunktur" rechnet. Selbst wenn die Wirtschaft sich nicht schnell erholen sollte, ist Schäffer optimistisch: "Die Unternehmen haben auf der Kostenseite ihre Hausaufgaben gemacht. Böse Überraschungen dürften auch im Fall einer weiter schwachen Konjunktur ausbleiben."

Innerhalb des Technologiesektors halten die meisten Experten Anleihen von HP und Philips für attraktiver als Bonds von Siemens, GE oder IBM. "Bei letztgenannten Unternehmen begrenzen die guten Ratings und die dadurch niedrigen Spreads die Phantasie", erklärt Christian Frischauf, Rentenfondsmanager bei Activest. Siemens, IBM und GE böten die "beste Qualität", HP und Philips seien "wegen der höheren Spreads aber interessanter". Die Laufzeiten der Bonds sollten zwischen zwei und vier Jahren liegen, also eher im kurzen Bereich. "Mittelfristig gehen wir wieder von steigenden Renditen aus", sagt Schäffer. Die Kurse von Anleihen mit kürzeren Laufzeiten reagieren auf steigende Zinsen weniger negativ als Langläufer.

Doch es gibt auch skeptische Stimmen. Analyst Stephan Haber etwa von der Hypo-Vereinsbank (HVB) glaubt zwar, dass "IBM, Siemens und HP relativ gut mit den schwierigen Marktbedingungen umgehen können". Jedoch böten die Spreads auch im Technologiesektor nur noch wenig Spielraum. Die HVB empfiehlt für Siemens - und HP-Titel eine durchschnittliche, für IBM - und Philips-Anleihen gar eine Untergewichtung im Anlegerdepot.

Haber verweist auch auf das für Privatanleger praktische Problem, dass es nur relativ wenige großvolumige Tech-Bonds in Euro gibt - bei Anleihen in anderen Währungen kommt das Wechselkursrisiko hinzu. Der seit der Aktienbaisse schlechte Ruf der Tech- Branche habe es den Unternehmen schwer gemacht, überhaupt günstig an Kapital zu kommen.

Wer sich entscheidet, Technologieanleihen zu kaufen, sollte Renditeversprechen widerstehen, wie sie Hochzins- oder Junkbondanleihen verheißen. Dies rät Monica Fernandez, Leiterin der Analyseabteilung für Unternehmensanleihen bei der DZ Bank. Anleger sollten sich auf Titel mit guter Bonitätsbewertung (Investment-Grade) beschränken. Bei der Spitzennote "AAA" ist die Ausfallwahrscheinlichkeit sehr gering. Schlechter als ein "BBB-" von der Ratingagentur Standard & Poor?s oder "Baa3" von Moody?s sollte die Bewertung aber nicht ausfallen. Sonst steigt mit dem Zins das Risiko erheblich, zumindest einen Teil seines Einsatzes abschreiben zu müssen.

Mehr Phantasie als bei Siemens oder GE ist bei Anleihen von Unternehmen wie Alcatel oder Ericsson gegeben, die sich mit B+ und BB schlechte Bonitätsnoten eingehandelt haben. "Und Technologiewerte im Non-Investment- Grade-Bereich weisen ein noch deutlich höheres Spreadeinengungspotenzial auf", sagt Fondsmanager Frischauf. Das bedeutet: Verbessert sich die Bonitätsbewertung wieder, dürften die Anleihekurse dieser Unternehmen deutlich steigen.

"Privatanlegern ist aber nicht zu empfehlen, Non-Investment-Grade- Anleihen zu kaufen", sagt Analyst Schäffer von der LBBW. Für ein paar Prozent Kursgewinnchancen ein "deutlich erhöhtes Verlustrisiko" einzugehen, hält er für unvorsichtig. Auch DZ-Bank-Spezialistin Fernandez rät Privatanlegern von Hochzinspapieren ab. "Die Risiken sind einfach zu hoch."

Quelle: Handelsblatt

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