Fachleute setzen auf Trendwende im zweiten Halbjahr
Comeback der Aktienfonds erwartet

"Die Anleger sollten stärker Aktienfonds kaufen", meint Matthias Jörss. Der Aktienstratege der Privatbank Sal. Oppenheim ist guten Mutes, dass seine Empfehlung Gehör findet. Auch Joachim Meyer, Geschäftsführer der Münchner Fondsresearch- und Vermögensverwaltungsfirma Fonds Consult, rechnet im zweiten Halbjahr mit steigendem Aktienfondsinteresse.

FRANKFURT/M. Einigkeit herrscht ebenfalls darüber, dass sich die Investoren in Zukunft - nach den ernüchternden Erfahrungen der Vergangenheit - auf Angebote mit begrenztem Risiko konzentrieren werden: Sparpläne, Dachfonds und Fonds-Vermögensverwaltungen.

Uneinigkeit besteht allerdings in der Bewertung des aktuellen Verhaltens. Im zweiten Quartal wurden nur noch Aktienfonds im Gegenwert von netto 2,7 Mrd. gekauft - weit weniger als die 21,6 Mrd. zum Höhepunkt der Börseneuphorie im ersten Quartal des vergangenen Jahres.

Anleger legen die Hände in den Schoß

Seitdem sinken die Nettokäufe von Quartal zu Quartal. Mit der anhaltenden Börsentalfahrt schwindet die Kauflust der Anleger - ein Ende zeichnet sich nicht ab. Die Anfang vergangenen Jahres noch beliebten Branchenfonds, beispielsweise jene für Technologiewerte, spielen heute praktisch keine Rolle mehr.

Die Anleger kaufen nach den stark gesunkenen Aktienkursen trotz optisch günstigerer Einstiegschancen nicht stärker nach. Gleichzeitig meiden sie Produkte, mit denen relativ stabile Wertentwicklungen zu erzielen waren. Das gilt insbesondere für Rentenfonds, die seit langem unter anhaltenden Nettoverkäufen leiden. Lediglich bei den Geldmarktfonds griffen die Anleger im ersten und zweiten Quartal für netto 4,1 bzw. 2,0 Mrd. zu.

Jörss sieht in den Zahlen "ein gewisses prozyklisches Verhalten der Anleger", die fallende Aktienkurse nicht zum günstigeren und verstärkten Nachkauf nutzten, "sondern nur noch in homöopathischen Dosen ordern". Meyer dagegen "ist überrascht, dass es nach den teilweise massiven Börsenverlusten überhaupt noch Nettokäufe bei den Aktienfonds gibt". Beide sind sich jedoch in ihren Erwartungen für das zweite Halbjahr einig: Die Nettokäufe werden jene des ersten Halbjahres übersteigen. Jörss beispielsweise rechnet mit bis zu 10 Mrd. : "Bei Stabilisierung der Börse, womit ich rechne."

Adig wittert ihre Chance am Geldmarkt

Die Experten begründen ihren Optimismus mit dem ungebrochenen Trend zur Aktienanlage. Auch die ernüchternden Erfahrungen mit risikoreichen Investments wie Technologiewerten oder Neue-Markt-Fonds wirkten sich aus. Jörss: "Das Überlegenheitsgefühl vieler Anleger, die glaubten, es besser zu können als die Profis, ist abhanden gekommen." Der Trend gehe eindeutig zu regelmäßigen Sparplänen in breit investierende Fonds sowie zu Dachfonds, die ihrerseits in Einzelfonds investierten. Meyer konstatiert einen weiteren Trend: den zur Vermögensverwaltung auf Fondsbasis. Diese drei Effekte sollten das Kaufverhalten verstetigen, so die Vermutung.

Während Jörss eine Erhöhung der Aktienfondsquote im Depot empfiehlt, gibt die Commerzbank-Fondsgesellschaft Adig eine andere Losung aus. "Bei Vielen könnte die Aktienfondsquote noch zu hoch sein, dann wären verstärkte Anlagen in Rentenfonds sinnvoll", erklärt Adig-Geschäftsführer Hans-Jürgen Löckener. Wie aus den Zahlen des BVI Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften hervorgeht, verkaufen die Anleger sukzessive Rentenfonds, in den beiden letzten Quartalen für jeweils 0,9 Mrd. .Löckener mutmaßt allerdings: "Wenn diese Abflüsse den Geldmarktfonds zugute kommen, wäre das vielversprechend." In Amerika verdichteten sich die Zeichen einer Konjunkturbelebung. Geldmarktfonds würden davon eher profitieren als auf längere Laufzeiten ausgerichtete Rentenfonds.

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