Fachmesse IAA Nutzfahrzeuge beginnt am Donnerstag
Nutzfahrzeug-Branche zieht Bilanz

Die Nutzfahrzeug-Branche steuert mit gemischten Gefühlen ins Jahr 2003. Kurz vor dem Start der weltgrößten Fachmesse IAA Nutzfahrzeuge am Donnerstag in Hannover sehen Hersteller und Zulieferer zwar Licht am Ende des Tunnels. Sie gehen aber nicht von einer durchgreifenden Verbesserung der Märkte aus. Nicht ohne Sorgen blickt die Industrie dabei nach Nord- und Südamerika, dagegen rechnet sie mit weiterem Wachstum in Asien.

HB HANNOVER. Der weltgrößte Nutzfahrzeugproduzent Daimler-Chrysler bekräftigte die zurückhaltende Einschätzung. "Wir erwarten keinen Rückenwind der Märkte, gehen aber trotzdem mit Zuversicht in das Jahr 2003", sagte Vorstandsmitglied Eckhard Cordes am Dienstag beim IAA-Pressetag in Hannover. Er verwies auf die angelaufenen Restrukturierungsmaßnahmen. So liege die Sanierung der angeschlagenen US-Lkw-Tochter Freightliner deutlich über Plan. Es seien bereits Einsparungen von 500 Mill. Dollar statt der vorgesehenen 450 Mill. Dollar erreicht worden. Freightliner habe bereits im zweiten Quartal die Gewinnschwelle erreicht statt wie geplant im vierten.

Cordes nannte als strategischen Schwerpunkt die Präsenzsteigerung in Asien, das in zehn Jahren mehr als die Hälfte des weltweiten Nutzfahrzeugmarktes ausmachen werde. Zur geplanten Ausgliederung der Mitsubishi-Nutzfahrzeugsparte Fuso kündigte er eine Entscheidung in wenigen Wochen an. Daimler-Chrysler will die Zusammenarbeit seiner Nutzfahrzeugmarken in Deutschland, USA und Asien intensivieren, um Kosten zu sparen. Einen "Welt-Truck" werde es aber nicht geben.

Daimler setzt Zusammenarbeit mit VW fort

Der Daimler-Chrysler-Manager kündigte die Fortsetzung der seit 1996 bestehenden Zusammenarbeit mit Volkswagen beim Bau der Transporter VW LT und Mercedes-Benz Sprinter an. Diese würden auch in der nach 2005 zu erwartenden neuen Modellgeneration auf gemeinsamer Plattform gefertigt. DaimlerChrysler produziert jährlich etwa 120 000 dieser 3,5-Tonner in Düsseldorf, VW im Werk Hannover rund 40 000. Laut Cordes werde die neue Sprinter-Generation auch in den USA gebaut. Dort werde der Sprinter künftig unter der Marke Dodge angeboten.

Verhalten zur Entwicklung der weltweiten Nutzfahrzeugmärkte äußerte sich der Chef des schwedischen Lkw-Konzerns Scania, Leif Östling. Er erwarte eine Stagnation des Absatzes in Westeuropa. Insgesamt werde der Konzern das Niveau des laufenden Jahres auch 2003 halten können, sagte Östling. Wesentliche Wachstumsimpulse seien vor allem von den baltischen Staaten und Russland sowie in Asien zu erwarten. Ein Engagement in den USA ist laut Östling weiterhin nicht geplant.

MAN ist "vorsichtig optimistisch"

Der Lkw- und Bushersteller MAN ist für das gesamte Geschäftsjahr 2003 "vorsichtig optimistisch". 2002 werde unverändert eine "schwarze Null" vor Steuern angestrebt. Der Vorstandsvorsitzende Håkan Samuelsson erteilte einem Einstieg in den US-Markt eine Absage. "Amerika ist für uns heute kein Thema." In den kommenden drei Jahren solle zunächst die Position in Europa ausgebaut und gefestigt werden.

Anders als das Gros der Hersteller rechnet der Kölner Autobauer Ford im kommenden Jahr mit einer Wende zum Positiven auf dem bislang flauen Nutzfahrzeugmarkt. Vor allem für Transporter zum Einsatz im Nahbereich werde die Nachfrage anziehen, sagte Rainer Landwehr, Verkaufsdirektor der Ford-Werke 2003 werde Ford als nach eigenen Angaben erster Hersteller seinen Kunden ein Telematik-System für Fahrzeug-Flotten anbieten.

Neoplan kündigt weitere Entlassungen an

Unterdessen kündigte der zu MAN gehörende Bushersteller Neoplan weitere 105 Entlassungen an. Die Zahl der Mitarbeiter war bereits per Ende August von 2007 auf 1735 verringert worden. Neoplan-Chef Ernö Bartha zeigte sich trotz eines Marktrückgangs von 24 Prozent in Deutschland zuversichtlich, den Umsatzrückgang in Grenzen zu halten.

Opel will seine Position am deutschen Nutzfahrzeugmarkt mit einem auf den Mittelstand gezielten neuen Dienstleistungskonzept stärken. "Wir setzen auf erheblichen Zuspruch gerade kleiner und mittlerer Unternehmen mit bis zu 15 oder 20 Fahrzeugen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG, Carl-Peter Forster. Der "Opel Business Service" soll mit Flottenmanagement inklusive Finanzierung, Leasing, Versicherungen und Wartung neue Kunden locken.

Nach Informationen des Verbandes der Automobilindustrie lag der inländische Auftragseingang bei Transportern mit minus einem Prozent fast auf Vorjahresniveau. Bei den schweren Nutzfahrzeugen gab es aber zwischen Januar und August ein Minus von 16 Prozent. Die ausländischen Bestellungen von Transportern gingen im August binnen Jahresfrist um 14 Prozent zurück. Bei schweren Lkw gab es ein Plus von sechs Prozent. Für die ersten acht Monate ergibt sich für leichte Nutzfahrzeuge ein Orderrückgang von elf Prozent, bei schweren Lkw von einem Prozent.

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