Fachtagung in Saarbrücken
Eine Million Kinder sind Zappelphilippe

Rund eine Million Kinder in Deutschland haben das so genannte Zappelphilipp-Syndrom. "Jungen sind dabei etwa drei Mal so häufig wie Mädchen betroffen", sagte der Psychologe Alexander Dröschel aus Saarlouis im Vorfeld einer am Dienstag beginnenden Fachtagung in Saarbrücken.

dpa SAARLOUIS. Fernsehen und Computer hätten die seit langem bekannte Problematik nur unwesentlich verschärft. Etwa fünf bis acht Prozent eines Jahrgangs seien davon betroffen, in jeder Schulklasse säßen durchschnittlich ein bis zwei Zappelphilipps.

"Ursachen für das Zappelphilipp-Syndrom sind nach heutigen Erkenntnissen der Medizin vorwiegend neurobiologische Störungen im Gehirn", sagte Dröschel. "Mit Erziehung, wie man früher angenommen hat, hat das kaum etwas zu tun." Und nicht jedes zappelige Kind habe automatisch auch ein ADHS-Syndrom (Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitäts-Syndrom). Viele Zappelphilipp-Kinder fielen jedoch durch Hyperaktivitätsstörungen sowie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite auf, die oftmals zu schlechteren Leistungen in Schule, Lehre und Beruf führen könnten. Weniger intelligent seien die betroffenen Kinder in aller Regel jedoch nicht.

Dröschel riet Eltern, bei Kindern mit Verdacht auf das Zappelphilipp-Syndrom möglichst schon im Alter zwischen drei und sechs Jahren zum Arzt oder zu einer Beratungsstelle zu gehen. Mit Gehirnstrommessungen und psychologischen Tests könne Klarheit geschaffen werden. Zur Therapie böten sich verhaltenstherapeutische Maßnahmen sowie je nach Situation die zusätzliche Verordnung spezieller Medikamente an. Damit könne die Hyperaktivität zeitweise gedämpft werden, außerdem legten die Kinder intellektuell zu und würden konzentrierter. "Eine richtige Heilung des Zappelphilipp- Syndroms gibt es aber nicht", warnte der Psychologe.

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