Fälle in Hessen und Berlin
Aufregung nach Milzbrandalarm in Deutschland

Zwei Briefumschläge, die angeblich lebensgefährliche Milzbrand-Erreger enthalten sollten, haben am Mittwoch in Berlin und Schwalbach in Hessen für Aufregung gesorgt.

afp BERLIN. Nach den Milzbrand-Fällen in den USA haben verdächtige Briefe mit angeblichen Krankheitserregern am Mittwoch auch in Deutschland für Unruhe gesorgt. Im Berliner Stadtteil Wedding wurde nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ein Umschlag mit einem weißen Pulver gefunden, auf dem der Spruch geschrieben stand: "Wenn Sie diesen Umschlag öffnen, wird sich Ihr Leben ändern." Das für gefährliche Krankheiten zuständige Institut wollte ein vorläufiges Untersuchungsergebnis der Substanz noch am Abend bekanntgeben. Nach Angaben des Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, gab es aber keinen Hinweis, dass das weiße Pulver tatsächlich den Milzbrand-Erreger enthält. Auch bei einer US-Firma im hessischen Schwalbach kam es zu einem Milzbrandalarm, der sich aber rasch als unbegründet erwies.

Zu dem in dem Parkhaus eines Möbelhauses in Berlin-Wedding gefundenen Umschlag sagte ein Sprecher des zuständigen Gesundheitsamtes, der Vorgang werde zwar ernst genommen. Es könne sich aber auch um einen "üblen Scherz" handeln. Der Umschlag wurde mit einem Spezialbehälter ins Robert-Koch-Institut gebracht, wo zunächst eine lichtmikroskopische Untersuchung des weißen Pulvers eingeleitet wurde. Der Finder hatte den Umschlag trotz der Warnung geöffnet, über eine gesundheitliche Schädigung wurde aber zunächst nichts bekannt. Das Parkhaus sowie ein benachbarter Parkplatz wurden von der Polizei abgeriegelt. An die Kunden des Kaufhauses wurden Informationszettel mit der Aufforderung verteilt, sich im Falle gesundheitlicher Beschwerden untersuchen zu lassen. Kurth verwies darauf, dass der Milzbrand-Erreger sehr gefährlich sei. Es sei aber "erhebliche kriminelle Energie" erforderlich, um sich die Substanz zu beschaffen.

In Schwalbach hatten Mitarbeiter des US-Unternehmens Polizei und Feuerwehr verständigt, weil sie befürchteten, dass sich die Milzbrand-Erreger in einem verdächtigen Brief befinden könnten. Nach Angaben der Polizei öffnete ein Sprengstoffexperte des Landeskriminalamtes nach einer Prüfung den Umschlag und stellte fest, dass nur Werbung darin war.

Das Bundeskabinett beschloss unterdessen, eine zentrale Informationsstelle zu Bio-Kampfstoffen einzurichten. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye nannte als Grund die "teils reißerische Berichterstattung" über zwei Milzbrand-Fälle in den USA, wodurch eine gewisse Beunruhigung der Bevölkerung entstanden sei. Die Informationsstelle solle die Gefährdung durch biologische Stoffe analysieren und einen umfassenden Überblick über Maßnahmen zur Vorsorge, Diagnose und Therapie erarbeiten. Es gehe auch darum, Informationen zu verfügbaren Impfstoffen zu sammeln und bei Chemieunternehmen nachzuforschen, in welchem Zeitraum solche Impfstoffe hergestellt werden könnten. Heye betonte, es gebe keinerlei Hinweise auf geplante Anschläge mit biologischen Kampfstoffen.

Der Bayer-Konzern kündigte in Leverkusen an, er werde die Produktion seines Antibiotikums gegen Milzbrand ankurbeln. Die Herstellung des Medikaments Ciprobay werde ab November erhöht, sagte Bayer-Sprecherin Christina Sehnert in Leverkusen. Der Konzern reagiere damit auf die gestiegene Nachfrage in den USA seit den Terroranschlägen vom 11. September. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte Ciprobay im August in die Liste empfohlener Medikamente zur Behandlung nach Kontakt mit Milzbrand-Erregern aufgenommen. Nach den beiden Milzbrand-Fällen in den USA mussten die Behörden im ganzen Land inzwischen einer Reihe weiterer gemeldeter Verdachtsfälle nachgehen.

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