Fässer mit radioaktivem Material gefunden
Illegal eingelagerter Atommüll in Geesthacht gefunden

ddp KIEL/GEESTHACHT. In der schleswig-holsteinischen Landessammelstelle für schwach radioaktive Abfälle in Geesthacht(Herzogtum Laurenburg) ist illegal eingelagerter Atommüll aufgetaucht. In 16 von bisher 28 geöffneten Fässern wurde zum Teil radioaktives Material gefunden, das auf Grund der Strahlungswerte nicht für die Zwischenlagerung geeignet gewesen wäre. In einem vor 1980 eingelagerten Fass wurden Flüssigkeiten gefunden, die den zulässigen Strahlenwert um das 3 000fache überschritten. Das illegal eingelagerte Material war innerhalb der Fässer in einem Bleimantel versteckt, damit es bei Messungen von außen nicht entdeckt werden konnte.

28 Fässer falsch deklariert

Der Betrug flog auf, als das Material für weitere 30 Jahre Einlagerungszeit gesichert und in Edelstahlbehälter umgefüllt werden sollte, sagte der Leiter des Geesthachter GKSS-Forschungszentrums, Günter Sengbusch, am Donnerstag. Dabei seien Flüssigkeiten entdeckt worden, die nicht für die Zwischenlagerung geeignet seien und anders hätten entsorgt werden müssen. Als Motiv für die illegale Einlagerung sei eine erhebliche Kostenersparnis anzunehmen.

Um den Strahlenwert der mit Cäsium 137 verstrahlten Flüssigkeiten zu verdeutlichen, sagte Sengbusch, die normale Dosisleistung in der Atmosphäre betrage 0,1 Mikrosievert pro Stunde. Zur Zwischenlagerung zugelassen seien Materialien mit der 100 000fachen Dosisleistung in Höhe von 10 000 Mikrosievert pro Stunde. Die am Mittwoch gefundenen am stärksten belasteten Flüssigkeiten strahlten Sengbusch zufolge mit einer Dosisleistung von 30 Sievert pro Stunde, 3 000 Mal mehr, als für die Zwischenlagerung zugelassen. Aufgrund der Halbwertzeit von Cäsium 137 sei davon auszugehen, dass das Material bei Einlagerung doppelt so stark gestrahlt habe.

Fässer waren mit Blei ausgekleidet worden

Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Heide Moser (SPD) sprach von einem Skandal und einer Täuschung. Das Material sei bewusst falsch deklariert worden. Die Fässer mit dem höher radioaktiven Material seien von innen mit einer Bleihülle ausgekleidet worden, um die höhere Radioaktivität des enthaltenen Materials zu verbergen, sagte Moser. Dabei seien die anschließend mit Beton vergossenen Fässer vom Gewicht her den üblichen zur Zwischenablagerung abgelieferten Gebinden angeglichen worden. Das setze "kriminelle Energie" voraus.

Braunschweiger Firma verwahrt sich gegen Vorwurf krimineller Absicht

Nach bisherigen Informationen hatte die damalige Braunschweiger Firma "Amersham & Buchler" Ende der 70er oder Anfang der 80er Jahre die Fässer in Geesthacht abgeliefert. Die Landessammelstelle wurde damals von mehreren Ländern genutzt, um schwach radioaktive Abfälle bis zum Transport in ein Endlager unterzubringen. 155 Fässer mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern werden derzeit in Geesthacht gelagert.

Das Unternehmen Nycomed Amersham Buchler wies am Donnerstagabend den Vorwurf der unkorrekten Entsorgung zurück. In einer Stellungnahme hieß es, die Firma verwahre sich "aufs schärfste gegen den Vorwurf der Manipulation mit radioaktiven Abfällen" so wie gegen die Behauptung, Abfallbestimmungen bewusst verletzt zu haben. Das Unternehmen werde die Aufklärung des Sachverhalts unterstützen.

Laut Nycomed Amersham Buchler war damals davon ausgegangen worden, dass die Fässer nach kurzer Zeit in ein Endlager kämen. Der Geschäftsbereich Entsorgung sei 1998 von dem Braunschweiger Unternehmen an die AEA Technology QSA GmbH verkauft worden. In der nächsten Woche würde die GKSS eine Liste der Fassnummern an die AEA übergeben, damit diese Unterlagen zur Verfügung stellen könne.

Zugelassen zur Zwischenlagerung in der Landessammelstelle sind radioaktive Abfälle aus Kliniken, Forschung, Schulen, der Farb- und Uhrenindustrie. Insgesamt lagern in der Landesammelstelle Geesthacht 155 Fässer mit einem Fassungsvermögen von jeweils 200 Litern. Sie stammen überwiegend aus den Jahren vor 1980.



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