Fahnder beklagen Mangel an Fachleuten
Anstieg der Wirtschaftskriminalität

Im Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität mit ihren enormen Schäden fehlen den Polizeibehörden nach Auffassung des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) gut ausgebildete Fahnder.

"Ein Anstieg der Straftaten liegt auf der Hand", sagte der stellvertretende BDK-Bundesvorsitzende Holger Bernsee am Montag. "In diesem Kriminalitätsfeld kann man durch Streife laufen nichts aufklären." Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge ist die Wirtschaftskriminalität im vergangenen Jahr drastisch gestiegen.

"In vielen Bundesländern werden immer noch keine Experten ausgebildet", kritisierte Bernsee. Eine Möglichkeit, um schneller und effektiver bei Wirtschaftsdelikten gegen die Ganoven vorzugehen, sieht er in der Einstellung von Fachleuten vom freien Arbeitsmarkt. Unter Berufung auf die noch unveröffentlichte polizeiliche Kriminalstatistik berichtet "Der Spiegel" von einem drastischen Anstieg bei der Wirtschaftskriminalität. Nach rund 91 000 Fällen im Jahr 2000 habe es 2001 einen Anstieg um 23 Prozent gegeben.

Anlagebetrug, Betrügereien mit Kreditkarten oder kriminelle Machenschaften mit Geldanlagen: Die Schäden sind enorm. Schätzungen zufolge handele es sich allein bei der illegalen Beschäftigung jährlich um einen dreistelligen Milliarden-Betrag, sagte Bernsee. Dabei machen die Wirtschaftsdelikte nur einen kleinen Anteil aller ermittelten Straftaten aus. Dem im Dezember vorgestellten "Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität" zufolge machten diese Delikte im Jahr 2000 nur 1,5 Prozent aller Straftaten aus, verursachten jedoch mit 10,5 Milliarden Mark (5,36 Milliarden Euro) fast 60 Prozent des ermittelten Gesamtschadens.

Bei Durchsuchungen werden nicht selten halbe Lastwagenladungen voll Material sichergestellt, sagte Bernsee. Die Auswertung der Akten, Bücher oder Datenträger könnten auf Grund fehlender Spezialisten häufig erst viel später beginnen. Auch der Kriminologe vom Max-Planck für ausländisches und internationales Strafrecht, -Institut Jörg Kinzig, sieht in der Ausbildung der Ermittler einen Schlüssel im Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität. Zudem könnten Polizei und Staatsanwaltschaften sich um Bereiche wie zum Beispiel Aktienrecht nicht neben den alltäglichen Ermittlungen kümmern.

Insgesamt ist die Zahl der registrierten Straftaten dem "Spiegel"- Bericht zufolge bundesweit um 1,6 Prozent auf 6,36 Millionen in die Höhe gegangen. Neben der Wirtschaftskriminalität ist demnach die Jugendkriminalität gestiegen. Normalerweise präsentiert Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) die Kriminalitätsstatistik des Bundes im Mai oder Juni. Der Wiesbadener Kriminologe Rudolf Egg warnte jedoch davor, die polizeiliche Kriminalstatistik zu hoch zu bewerten. "Sie bildet lediglich ab, was die Polizei ermittelt und die Bürger angezeigt haben. Sie ist kein genaues Abbild des kriminellen Geschehens."

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