Fahndung läuft auf Hochtouren
Eine Spur führt nach Hamburg

Die weltweite Fahndung nach Tätern und Hintermännern der Terroranschläge in den USA läuft jetzt auch in Deutschland auf Hochtouren.

dpa KARLSRUHE/HAMBURG. Generalbundesanwalt Kay Nehm hat am Donnerstag wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gegen mehrere mutmaßliche arabische Terroristen, die zeitweise in Hamburg lebten, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ein Verdächtiger, der auf einem Flughafen gearbeitet haben soll, wurde in Hamburg festgenommen, teilte Innensenator Olaf Scholz (SPD) mit.

Zwei Mitglieder dieser terroristischen Vereinigung sollen an Bord jenes US-Verkehrsflugzeuges gewesen sein, das zuerst einen der Türme des World-Trade-Centers rammte. Ein weiteres Mitglied soll an Bord der in Pennsylvania abgestürzten Linienmaschine gewesen sein. Nach Ermittlungen des LKA Hamburg hätten diese drei Personen längere Zeit in Hamburg gewohnt, erklärte der Generalbundesanwalt.

Nach seinen Angaben besteht der Verdacht, dass sich seit Jahresbeginn in der Hansestadt aus dort lebenden Personen mit arabischem Hintergrund und "islamisch-fundamentalistischer Grundhaltung" eine Vereinigung gebildet hat. Ihr Ziel sei es gewesen, zusammen mit anderen islamischen Gruppierungen im Ausland auf "spektakuläre Weise durch Zerstörung von symbolträchtigen Gebäuden" die USA anzugreifen.

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand sollen zwei der bei den Terroranschlägen ums Leben gekommenen Tatverdächtigen und ein weiterer Beschuldigter an der Technischen Universität Hamburg - Harburg Elektrotechnik und Schiffbau studiert haben. Zu den Ergebnissen von nächtlichen Wohnungsdurchsuchungen in der Hansestadt und etwaigen vorübergehenden Festnahmen machte der Generalbundesanwalt keine näheren Angaben.

Die Hamburger Behörden waren am Mittwochabend über das Bundeskriminalamt vom amerikanischen FBI alarmiert worden. Danach waren der 33-jährige Mohammed Atta sowie der 23-jährige Marwan el Schehi vor einigen Monaten aus Deutschland in die USA eingereist. Nach den Meldeunterlagen stammen die beiden Verdächtigen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Beide hätten sich legal in Hamburg aufgehalten und "normal und unauffällig" im Stadtteil Harburg gelebt, ohne jemals der Polizei aufzufallen. Sie waren an der Technischen Universität Harburg (TUHH) eingeschrieben und sollen Elektrotechnik und Schiffbau studiert haben. "Offenbar hat niemand versucht, seine Identität zu verbergen", meinte Scholz.

Nach US-Medienberichten waren beide als Piloten ausgebildet. Die Ermittler seien ihnen über ein Mietauto auf die Spur gekommen, das am Flughafen von Boston (Massachusetts) geparkt war. Von Boston aus waren zwei der vier später gekaperten Flugzeuge gestartet. Die beiden Männer waren Flugschüler in der Huffman Aviation International in Florida, berichtete CNN. Die Wohnung des einen Mannes war am Mittwoch in Coral Springs (Florida) durchsucht worden. In dem Mietwagen hatte die Polizei unter anderem Fluganleitungen in arabischer Sprache gefunden.

Bei dem jetzt in Hamburg festgenommenen Mann handelt es sich nach Angaben des Leiters des Hamburger Landeskriminalamts, Gerhard Müller, um einen Flughafenmitarbeiter. Er war in einer Wohnung, die auch von einem Marokkaner benutzt wurde, der Kontakt zu den US-Attentätern gehabt haben soll. Insgesamt wurden in Hamburg acht Wohnungen überprüft, vier davon durchsucht. Eine Frau sei als Zeugin mit aufs Polizeipräsidium genommen worden. Zu den Untersuchungen in Hamburg habe das Bundeskriminalamt (BKA) zahlreiche Spezialisten abgestellt, erklärte der Abteilungspräsident Staatsschutz, Klaus Neidhardt.

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