Fahnenträger
Olympias größter Fan

Dirk Nowitzki ist das einzige Teammitglied, wegen dem sich auch internationale Journalisten in deutsche Pressekonferenzen verirren. Morgen wird er die deutsche Fahne ins Stadion von Peking tragen. Seine Mission: Nowitzki soll die Jungen für die Spiele gewinnen.

PEKING. Diese Olympischen Spiele, "und das wissen wir alle", sagte Michael Vesper, "finden im politischen Raum statt". Deutschlands Chef der Mission in Peking war selbst einmal Politiker, dennoch hat er sich auf dieser Fläche nicht immer glücklich bewegt in den letzten Tagen. Vorgestern etwa überraschte er durch den Vergleich der chinesischen Internetzensur mit dem Verbot von rechtsradikalen Webseiten in der Heimat. Vesper dürfte also ganz froh gewesen sein, dass es gestern einmal um Sport gehen sollte - nach seinen einleitenden Worten über die Raumordnung dieser Spiele oblag es ihm, das Geheimnis um den deutschen Fahnenträger bei der morgigen Eröffnungsfeier zu lüften. Doch dem ehemaligen NRW-Bauminister will momentan einfach nichts so recht gelingen. Auf das Podium im Deutschen Haus bat er einen gewissen "Gerd Nowitzki".

Hervor trat dann doch Dirk Nowitzki, daran herrschte kein Zweifel, auch wenn sich der Basketballer ein wenig verändert hat seit seiner Ankunft in Peking am Sonntagmorgen. In sein wieder kurzes Haar hat er sich fünf Kreise rasieren lassen, die man mit einigem guten Willen als olympische Ringe erkennen konnte. "Sieht jetzt nicht unbedingt toll aus, aber für die Olympischen Spiele macht man alles", befand er selbst. Dirk Nowitzki ist endlich da, wo er Zeit seiner Karriere einmal hinwollte, und es ist ihm völlig egal, ob die Spiele in China stattfinden oder auf dem Mars, ob die Menschen über Zensur reden, über Luftverschmutzung oder worüber auch immer.

Dirk Nowitzkis Spiele nämlich finden in einem ganz anderen Raum statt: der Mensa des Olympischen Dorfs. "Einfach da zu hocken und 1 000 Leuten beim Essen zuzusehen - traumhaft. " Mit kindlicher Freude berichtete er außerdem von einer Begegnung mit Rafael Nadal und einem offenbar hart umkämpften Air-Hockey-Match gegen einen Pakistani.

Nowitzki sprach von der Mensa, noch bevor er zur Ehre überging und später zur Verantwortung. Er wurde gefragt, ob es gerecht sei, dass er bei seinen ersten Spielen die deutsche Equipe anführt, ob er damit den Vertretern der Randsportarten das Rampenlicht nehme, ob er enttäuschte Kollegen verstehen könne. Da saß er, der Superstar aus Amerika, Jahresverdienst rund 17 Millionen Euro, und musste sich erst mal rechtfertigen. So ist das halt in seiner alten Heimat.

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