"Fahrende Musikbox"
Born to be mild

Werber Holger Jung liebt puristische Rennmotorräder. Nach seiner Fahrt auf dem BMW-Cruiser R 1200 CL gibt er zu: Wild geht auch bequem.

Der lange Mann beugt sich staunend übers Motorrad: Im rechten Koffer steckt doch tatsächlich ein CD-Laufwerk. Holger Jung drückt probeweise den Schalter am geheizten Lenker, und aus den Stereo-Lautsprechern könnte jetzt Steppenwolfs "Born to be wild" tönen, in digitaler Qualität und windgeschützt hinter einer geschwungenen Vollverkleidung. Also eher "born to be mild"? Holger Jung geht das zu weit: "Da wird man ja zur fahrenden Musicbox", feixt der Chef der Werbeagentur Jung von Matt und dreht die Kiste wieder aus. "Zu einem Motorrad passt das nicht. Die Musik muss im Kopf stattfinden."

Deutschlands Kreativen-Häuptling testete für das Weekend Journal in Hamburg den Luxus-Cruiser R 1200 CL der Bayerischen Motorenwerke. Der ist so etwas wie die Krone der Schöpfung für die Motorrad-Sparte von BMW, mit beheizbaren Doppelsitzen, einer Windverkleidung, bei der kein Luftzug das Fahrvergnügen trübt, und der Musikanlage, passend "zur entspannten Gangart des Cruisers".

Doch die R 1200 CL soll nicht nur ein ledergepolstertes, verchromtes Schlachtschiff sein, bei dem zum Coupé bloß noch Dach und Klimaanlage fehlen. Die Idee war vor allem, "Elemente von Tourenmotorrädern auf einen Cruiser zu übertragen." Sagt die BMW-Werbung. Also verspricht das eine halbe Tonne schwere Gerät nicht nur luxuriös, sondern auch leichtfüßig zu sein. Prüfend schreitet Holger Jung die Maschine ab: "Wirkt unbeweglich".

Dann schwingt er sich drauf, lässt den Motor an, startet. Und merkt gleich: So schwerfällig, wie sie ausschaut, ist die R 1200 beileibe nicht. "Man fühlt sich richtig agil", sagt Jung begeistert. "Und spurtstark: Man schwenkt kurz mit dem Hintern und ist gleich weg."

Wobei Jung das früher schon erlebt hat - aber nur von weitem: "Ich bin mit meiner GS mal von so einer dicken BMW überholt worden", erzählt der 49-Jährige. "Das hat mich damals schon misstrauisch gemacht." Jetzt, im weichen Komfortsitz des schweren Luxus-Cruisers, versteht er besser, wie das möglich war: Gewichtsverteilung und Federung sind perfekt abgestimmt, der 61-PS-Motor zieht den Koloss in 6,4 Sekunden von null auf hundert. Und das ohne Stress. "Bis 130 ist das völlig entspannt", sagt Jung verblüfft. "Kein Anpressdruck, keine Windbelästigung. Das kannte ich so noch nicht."

Wenn Jung mit seiner eigenen Maschine, einer Enduro, nur die 150 Kilometer von Hamburg in sein Landhaus an der Flensburger Förde fährt, hat er anschließend taube Finger. "Die sind dann echt bewegungsunfähig", sagt Jung. "Wegen der Vibrationen." Ähnliches gilt für alte Harley-Davidson-Maschinen mit Stahlrahmen. "Da ist das Reisen eine Qual."

Seite 1:

Born to be mild

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%