Fahrenhorst vor Debüt
Jammern gilt nicht

Einen Tag nach der Entmachtung von Oliver Kahn hat der neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann weitere alte DFB-Zöpfe abgeschnitten. Für das Spiel gegen Österreich forderte er zugleich eine WM-Initialzündung von seinem Team. Dabei sind die Voraussetzungen für einen siegreichen Neuanfang alles andere als optimal.

HB WIEN. Vor seinem Länderspiel-Einstand als Bundestrainer am Mittwoch (20.45 Uhr) beim Erzrivalen Österreich vermittelte der 40-Jährige in Wien einen unerschütterlich scheinenden Optimismus. Und das, obwohl er im Jubiläumsspiel des 100 Jahre alten österreichischen Fußball-Verbandes muss eine Verlegenheitself ins voll besetzte Ernst-Happel-Stadion schicken muss, in der Schlüsselspieler verletzt fehlen oder auf Formsuche sind.

Doch über die Personalnöte verlor der neue Hoffnungsträger des deutschen Fußballs 24 Stunden vor dem Anpfiff nicht ein Wort. Stattdessen appellierte er an die seit vier Spielen sieglose Mannschaft, unter dem neuen Kapitän Michael Ballack das leblose EM-Gesicht abzulegen und das "Projekt 2006" mit viel Leidenschaft anzuschieben: "Ich erwarte ein sehr hohes Engagement. Es muss der Wille da sein, ein hohes Tempo zu gehen", formulierte Klinsmann. Wohlwissend, dass derlei Attribute deutschen Nationalspielern bislang in Freundschaftsspielen eher fremd waren. Doch in Wien will er vor allem eines sehen: "Ein hohes Aggressivitätslevel."

Welche Elf die Vorgaben umsetzen darf und das Austria-Team in Grund und Boden rennen soll, ließ Klinsmann unbeantwortet. "Ich werde in den nächsten zwei Jahren nie eine Aufstellung am Tag vor dem Spiel rausgeben", kündigte er an. Viele Alternativen hat der 40-jährige dieses Mal nicht. Vor allem die Abwehr stellt sich nach den Ausfällen von Arne Friedrich, Jens Nowotny und Christian Wörns fast von allein auf. Dort winkt dem Neu-Bremer Frank Fahrenhorst in der Innenverteidigung sein Länderspiel-Debüt an der Seite von Thomas Linke, den Klinsmann aus dem Nationalmannschafts-Ruhestand aktiviert hat. Für die Außenpositionen gelten die Stuttgarter Andreas Hinkel und Philipp Lahm als erste Wahl, im Tor soll der abgelöste Kapitän Oliver Kahn beginnen.

Im Mittelfeld ist das gescheiterte EM-Trio Ballack, Torsten Frings und Bernd Schneider weiterhin das Herzstück, im Angriff zählen Kevin Kuranyi und der leicht angeschlagene Thomas Brdaric zur ersten Wahl. "Wir werden versuchen, unser Spiel ein bisschen so aufzubauen, dass es nach vorn gerichtet ist", beschrieb Klinsmann noch recht vage seine Vorstellungen, wie die zuletzt unter Rudi Völler sicherheitsorientierte DFB-Auswahl künftig vorspielen wird. Zunächst einmal solle die Mannschaft in kämpferischer Hinsicht deutliche Zeichen setzen, die Wahl-Amerikaner Klinsmann als "Key-Messages" bezeichnete.

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