Fahrholz muss gute Zahlen liefern
Gegenwind für die Dresdner Bank wird schärfer

Der Rücktritt von Allianz-Chef Henning Schulte Noelle bleibt vorläufig ohne Auswirkungen auf die übrigen Vorstandsmitglieder. Doch Bernd Fahrholz gerät nun gewaltig unter Druck.

po FRANKFURT/M. Der Rücktritt von Allianz-Chef Henning Schulte Noelle bleibt vorläufig ohne Auswirkungen auf die übrigen Vorstandsmitglieder. Damit behält auch Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz seinen Posten als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Allianz. Allerdings gehen Bankkreise davon aus, dass der Druck auf Fahrholz weiter zunehmen wird. "Ich denke nicht, dass er viel länger bleiben wird als Schulte-Noelle", sagt ein Unternehmensberater.

Der Dresdner-Chef steht bereits seit längerem wegen Erfolglosigkeit unter Druck. Die 130 Jahre alte Traditionsbank befindet sich in einer gewaltigen Schieflage. Die enormen Verluste der Dresdner Bank, allein in den ersten neun Monaten waren es zwei Mrd. Euro, ziehen auch die Mutter in die roten Zahlen. "Die Allianz muss endlich mit den Problemen bei der Dresdner aufräumen", sagt ein Banker.

Der Versicherer, der die Dresdner im April 2001 für 25 Mrd. Euro übernahm, hat der Bank ein straffes Kostenmanagement verordnet. Rund 11 000 der insgesamt 51 000 Beschäftigten müssen gehen. Allein die Sparte Investmentbanking soll 30 % der bei ihr anfallenden Kosten einsparen. Insgesamt sollen die Aufwendungen bis Ende 2003 um über zwei Mrd. Euro auf 6,5 Mrd. Euro gesenkt werden.

Fahrholz muss nun die Erwartungen erfüllen

Der Dresdner Chef, der erst im Sommer einen internen Machtkampf um die künftige Aufstellung der Dresdner Bank gegen seinen Kollegen Leonhard Fischer gewonnen hatte - Fischer musste das Institut verlassen - wird nun daran gemessen, ob es ihm gelingt, die Erwartungen zu erfüllen. Hierbei zeigt sich Fahrholz zuversichtlich. Erst vor kurzem kündigte er an, im kommenden Jahr wie geplant operativ schwarze Zahlen zu erreichen. Bei der für 2003 anvisierten Kostenreduktion liege die Bank im Plan. Die Risikovorsorge für faule Kredite, per Ende September 1,8 Mrd. Euro, werde nicht mehr als zwei Mrd. Euro betragen, sagte Fahrholz.

Der Münchener Versicherungsriese scheint hingegen kein allzu großes Vertrauen in die Fähigkeiten von Fahrholz als Sanierer zu haben. Ein im Sommer eingesetztes vierköpfiges so genanntes Steering-Committee rund um den Allianz-Finanzvorstand Helmut Perlet soll die Sanierung vorantreiben. Bis Mitte 2003 soll der Turn-Around bei der Dresdner geschafft werden. Zudem positionierten die Münchener Jan Kvarnström im Dresdner-Vorstand, der als Chef der neuen Institutional Restructuring Unit (IRU) faule und nichtstrategische Kredite abwickeln soll.

Der künftige Allianz-Chef Michael Diekmann sagte am Mittwoch auf der Pressekonferenz, dass er die Integration der Dresdner Bank in den Finanzkonzern so schnell und effektiv wie möglich weiterführen werde. Ein mit der Materie vertrauter Banker sieht nur zwei Möglichkeiten: "Entweder wird die Dresdner als Ganzes wieder abgestoßen, oder sie wird wie ursprünglich geplant in zwei Teile aufgespalten." Dann werde das Privatkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltung in die Allianz integriert, das Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking dagegen verkauft.

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