Fahrholz rechtfertigte den Zusammenschluss
Dresdner Bank verdient weniger als erwartet

Die Dresdner Bank hat im ersten Quartal 2001 vor allem wegen der Schwäche an den Kapitalmärkten weniger verdient als von Analysten erwartet.

Reuters FRANKFURT. Der Gewinn vor Steuern sei in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 2,4 % auf 253 Mill. Euro gestiegen, teilte das Institut am Freitag mit. Analysten hatten im Schnitt beim Vorsteuerergebnis 335 Mill. Euro erwartet und kritisierten den erneut deutlichen Anstieg der Verwaltungskosten. Bei der Hauptversammlung kündigte Bankchef Bernd Fahrholz ein neues Kostensenkungsprogramm zur Steigerung der Profitabilität an. Für einen Ausblick auf die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal sei es noch zu früh. Die Aktie der Dresdner Bank sank am Vormittag rund 0,5 %.

Auch beim Gewinn nach Steuern blieb die Bank mit einem Anstieg um knapp 20 % auf 159 Mill. Euro hinter den Expertenerwartungen von 232 Mill. Euro zurück. Das Handelsergebnis fiel den Angaben zufolge im Jahresvergleich um 15,7 % auf 451 Mill. Euro. Im operativen Bereich verzeichnete die Bank nur beim Zinsüberschuss einen Zuwachs, und zwar um 5,5 % auf 1,010 Mrd. Euro. Der Provisionsüberschuss sank den Angaben zufolge um 15,2 % auf 1,070 Mrd. Euro.

Der Verwaltungsaufwand sei um 16,2 % gestiegen auf 2,157 Mrd. Euro. "Der Vorstand ist entschlossen, dem Thema seine Aufmerksamkeit zu widmen", sagte Fahrholz am Freitag bei der Hauptversammlung der Bank in Frankfurt. Ziel des neuen Kostensenkungsprogramms sei es, über ein stringentes Kostenmanagement die Profitabilität zu steigern. Nachdem 2000 Jahr unter anderem von der Integration der Investmentbank Wasserstein Perella geprägt gewesen sei, biete die Divisionalisierung der Bank nun die strukturelle Voraussetzung für ein Kostenmanagementprogramm. Die Kosten-Ertrags-Relation der einzelnen Unternehmensbereiche könne ebenso wie die der Corporate Center optimiert werden, sagte Fahrholz.

Das Programm solle neben den erwarteten Synergien stehen, die aus dem Zusammengehen mit der Allianz erwartet würden. Details sollen Fahrholz zufolge in den kommenden Wochen festgelegt werden.

Analysten kritisierten die Kostensteigerungen im Zusammenhang mit der Vorlage der Quartalszahlen: "Die Zahlen liegen im unteren Bereich unserer nicht sehr optimistischen Erwartungen", sagte Martin Peter von der WestLB. Während der Kostenanstieg höher ausgefallen sei, schienen die operativen Erträge trotz der Rückgänge zum Vorjahr solide. Die verringerte Risikovorsorge habe das Ergebnis auch etwas besser aussehen lassen. Mit 155 Mill. Euro lag die Risikovorsorge um knapp zwanzig Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartal.

Es sei noch zu früh, eine Prognose für das zweite Quartal abzugeben, sagte Fahrholz. "Als mehr kapitalmarktabhängige Bank sind wir von den Märkten abhängig." Vor dem Hintergrund leichter Zuversicht an den Weltmärkten, sehe er aber gute Chancen, "dass sich unser Geschäft im Rahmen einer weiteren Stabilisierung der Finanzmärkte günstig entwickelt." Günstig werde sich dabei auch die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte vom Donnerstag auswirken.

Zum geplanten Zusammengehen seiner Bank mit der Allianz sagte Fahrholz, die Stimmung bei den Gesprächen sei "konstruktiv und partnerschaftlich". Über inhaltliche Fragen würde diskutiert, in einigen Punkten müsse man sich "zusammenraufen". Dennoch sei man zuversichtlich, dass der Zusammenschluss eine "Erfolgsstory" werde.

Die Allianz hatte Ende März angekündigt, die Dresdner Bank übernehmen zu wollen und so den viertgrößten Finanzkonzern der Welt zu schaffen. Bei der geplanten Schaffung eines Allfinanzkonzerns aus Bank und Versicherung spiele aus strategischer Sicht unter anderem die geplante Rentenreform eine Rolle, sagte Fahrholz. Dresdner und Allianz wollten die Führerschaft im Markt für Altersvorsorge übernehmen. Dresdner-Aktionäre sollen für zehn eigene Aktien einen Anteilsschein der Allianz sowie 200 Euro erhalten.

Fahrholz rechtfertigte den Zusammenschluss, der unter Analysten bereits als sicher gilt, auch damit, dass der Wettbewerb an den internationalen Märkten zunehme. Um bestehen zu können, seien große Einheiten notwendig. "Die heile Welt, in der sich Banken und Versicherungen im Wettbewerb um den Kunden bei Produkten und Vertriebswegen nicht weiter ins Gehege kamen, existiert nicht mehr", sagte Fahrholz. Die geplante Einführung der kapitalgedeckten Rente verstärke diesen Trend.

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