Fahrpläne, Preise, Zugservice und Uniformen neu
Bahn wird runderneuert

Die Deutsche Bahn steht von diesem Sonntag an vor der größten Bewährungsprobe seit ihrer Gründung. Mit einem völlig neuen Preissystem sowie erstmals europaweiten Fahrplänen will das Staatsunternehmen mehr Kunden gewinnen.

HB/dpa. BERLIN. Nach und nach schafft Europas größter Transportkonzern zudem auch die traditionellen Speisewagen ab. Neu präsentieren sich von diesem Wochenende an auch die ersten von 45 000 Zugbegleitern: Sie erhalten neue Uniformen. Bahnchef Hartmut Mehdorn, der am Sonntag drei Jahre im Amt ist, zeigte sich vor der umfangreichen Umstellung optimistisch: "Der 15. Dezember ist für die Bahn ein großer Tag". Alle Mitarbeiter hätten sich intensiv darauf vorbereitet. "Davon werden die Kunden in den nächsten Monaten profitieren", sagte er.

Der neue Fahrplan hat Auswirkungen auf etwa 80 Prozent der täglich mehr als 30 000 Reisezüge. Neben neuen Linien wird die schnellste ICE-Strecke zwischen Köln und Frankfurt/Main "eingetaktet". Größere Probleme bei der Umstellung würden nicht erwartet, hieß es bei der Bahn. Lokführer seien für neue Linien geschult worden. Es gebe aber durchaus einige Abschnitte, an denen unvorhersehbare äußere Einflüsse größere Störungen zur Folge haben könnten. In vielen Abschnitten folgten Züge in genau getakteten Drei-Minuten-Abständen aufeinander.

Der Fahrplanwechsel ist eine der größten Umstellungen des Taktsystems auf der Schiene. Drei Jahre wurde der größte Eingriff seit 1991 vorbereitet. Damals startete der ICE, auch wurden die Netze in den alten und neuen Ländern verknüpft. Durch die Einbeziehung der neuen ICE-Strecke Frankfurt-Köln verkürzt sich die Fahrtzeit auf etlichen Strecken deutlich. Im Fernverkehr setzt die Bahn künftig auf den ICE und Intercity (IC). Interregio-Verbindungen werden weitgehend aufgegeben und durch IC-Linien oder Nahverkehrszüge ersetzt.

In dem seit Wochen anhaltenden Streit um das neue Ticketsystem hat unterdessen Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) gefordert, kritische Hinweise ernst zu nehmen. "Wenn der Kunde die neuen Preise nicht akzeptiert, dann wird die Bahn neu darüber nachdenken müssen", sagte Stolpe der "Berliner Zeitung". Es gebe massive Hinweise verschiedener Organisationen auf Nachteile. Die Bundesregierung werde genau beobachten, wie das Preissystem funktioniert.

Die Bahn selbst hatte bereits angekündigt, das neue Preissystem ein Jahr lang prüfen zu wollen und dann eventuelle Nachbesserungen anzugehen. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen warb das bundeseigene Unternehmen am Freitag nochmals um die neuen Tickets und Rabatte, mit denen Frühbucher sowie Familien und Fahrgemeinschaften belohnt werden. Schon vor dem Start des neuen Preissystems wurden nach Angaben der Bahn mehr als 1,3 Millionen neue Fahrscheine verkauft.

In dem neuen ICE 3 auf der Rennstrecke Köln-Frankfurt gibt es keine Speisewagen mehr. Stattdessen werden im rauchfreien Bistro und am Platz wechselnde "leichte Gerichte" angeboten. Nach den neuen ICE 3 zwischen Köln-Frankfurt werden auch anderen Fernzügen schrittweise umgerüstet. Künftig soll es mehr Bedienung am Platz geben - sowohl in der 1. als auch in der 2. Klasse. Die Marke "Mitropa" wird damit nach mehr als 85 Jahren aus den deutschen Zügen allmählich verschwinden. Die Bahn begründet die Strategie mit veränderten Kundenwünschen.

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