Fahrradhersteller Michael Schminke
Auf dem Ost-Treck

Wenn Michael Schminke die Geschichte seines Unternehmens illustrieren will, hat er keine Hochglanzbroschüre zur Hand, nur einen grauen Pappendeckel.

HB LÖHNE/WESTFALEN. Der erste Eintrag in altertümlicher Handschrift lautet "Zischen 1925", dann zieht sich ein langer Bleistiftstrich über das grobfaserige Papier, immer entlang dem guten Dutzend Stationen, die der Fahrradproduzent nahm. Immer wieder hat Schminkes Vater Richard Unternehmen verkauft und gekauft, das letzte vom Totenbett aus.

Heute schaut er ernst und in Schwarz-Weiß aus seinem Bilderrahmen von der Bürowand auf den Sohn. Er könnte ruhig freundlicher gucken. "Wir waren ein reiches Unternehmen, wir sind es noch heute", sagt Michael Schminke. Seine Marken wie "Panther", "Bauer", "Göricke" finden sich in fast jedem Fahrradgeschäft, er gehört zu den fünf größten Herstellern in Deutschland. Rund 800 Beschäftigte erwirtschaften einen Umsatz von fast 70 Millionen Euro, die Umsatzrendite liegt nach Firmenangaben bei drei Prozent, Creditreform nennt einen guten Bonitätsindex von 116.

So gesehen führt der Sohn nur die Tradition des Vaters fort - dynamisch, immer weiterziehend von Ort zu Ort, dahin, wo sich die besten Chancen bieten. Nur einen Unterschied gibt es: Der Alte investierte in Deutschland, der Junge geht ins Ausland. Im westfälischen Löhne hat er noch 100 Mitarbeiter, die Fahrräder zusammenschrauben. In Tschechien steht ein Werk und in Litauen mit gut 400 Beschäftigten das größte. Irgendwann im Juni wird Schminke sein zweites deutsches Werk im thüringischen Mühlhausen schließen, 100 Mitarbeiter entlassen und es, sobald er einen Standort in Russland gefunden hat, weiter nach Osten transportieren.

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