Fairchild Dornier wird zerschlagen
Fairchild Dornier wird zerschlagen

Beim Regionalflugzeughersteller Fairchild Dornier läuft der Notfallplan. Der Insolvenzverwalter Eberhard Braun muss die Firmenteile einzeln verwerten. Bombardier prüft die Übernahme des neuentwickelten 728Jets, dem wertvollsten Firmenteil.

 

OBERPFAFFENHOFEN. Seit Dienstag durchkämmen Bombardier-Manager das insolvente Flugzeugbauunternehmen Fairchild Dornier: Die Kanadier prüfen, ob sich die Übernahme des 728Jet-Programms mit 70 Sitzen lohnt. Dort arbeiten 1300 von insgesamt 3600 Beschäftigten. Der Rest des Unternehmens interessiert sie nicht.

"Unsere Chancen sind in den letzten Wochen gestiegen", sagt der vorläufige Insolvenzverwalter von Fairchild Dornier, Eberhard Braun, dem Handelsblatt. Nach der Einreichung des Insolvenzantrags Anfang April hoffte Fairchild noch auf einen Investor, der das ganze Unternehmen komplett übernimmt. "Diese Hoffnung hat sich schnell zerschlagen", räumt Braun ein. EADS, Bombardier und Boeing haben die Komplettübernahme abgesagt.

Wie Braun bestätigt ist Bombardier derzeit der einzige Interessent, der sich auf dem Firmengelände aufhält. Bombardier hatte Anfang der Woche sein Interesse auf der Internationalen Luftfahrtmesse in Berlin überraschend bekannt gegeben.

Die Zeit drängt. Bis zum 1. Juli muss das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Solange reicht der Kredit über 90 Mill. $ und zahlt das Arbeitsamt die Löhne. "Wir hoffen, dass wir die technische Prüfung durch Bombardier bestehen", sagt Braun. Erst danach werde über die Finanzen verhandelt. Zudem hat die Bundesregierung am Mittwoch Bereitschaft signalisiert, das Flugzeugprogramm 728Jet mit Forschungsgeldern zu unterstützen, falls ein Investor einsteigt und der Standort erhalten bleibt.

Sagt Bombardier ab, habe man Alternativ-Pläne, sagt Braun. Es gebe noch andere Interessenten. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Im schlimmsten Fall muss die Entwicklung des 728er Jets eingefroren werden. Klar ist, dass das Unternehmen zerschlagen wird. Insolvenzverwalter Braun, findet daran nichts Schlimmes. "Es kann durchaus sein, dass einzelne Firmenteile bei unterschiedlichen Eigentümern besser aufgehoben sind", sagt er. Ihm schwebt eine Art Luftfahrt-Industriepark vor.

Für die Fertigung des kleineren 328Jets mit 800 Beschäftigten sieht Braun ebenfalls Chancen. Zwei bis drei Großkunden hätten Interesse an der Weiterführung, allerdings gebe es noch Finanzierungsprobleme. Für die Teilefertigung, die vor allem Airbus beliefert, gebe es drei bis vier Interessenten aus der Zuliefererbranche. Für die Wartung ist Braun optimistisch, eine Lösung mit einem neuen Gesellschaftern zu finden. Derzeit gibt es 500 Fairchild- Flugzeuge auf dem Weltmarkt.

Hauptgrund für die Misere ist nach Ansicht von Braun das mangelnde Kostenbewusstsein im Unternehmen gewesen. Früher, bei der Produktion für das Militär, hätten Kosten keine Rolle gespielt, weil sie von den staatlichen Auftraggebern mit Gewinnaufschlag praktisch erstattet wurden. Und auch bei der Entwicklung des 728Jets habe es kein effektives Controlling gegeben. Zuletzt verbrannte das Unternehmen pro Monat 50 Mill. $. Die Kosten seien unter seiner Führung "deutlich reduziert" worden, sagte Braun.

Vor drei Jahren waren die Beteiligungsfirmen Clayton, Dubilier & Rice und die Allianz Capital Partners mit 400 Mill. $ eingestiegen und hatten weiter 800 Mill. $ Kredite bei Banken für die 728Jet-Entwicklung eingeworben. Schwierigkeiten beim Absatz der 328Jets und die Luftfahrtkrise nach dem 11. September hatten aber die Schwächen bei Fairchild Dornier schonungslos offen gelegt.

Von MARTIN-W. BUCHENAU, Handelsblatt

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