FALKENSTEINS WEINPROBE
Zu viel des Guten

Deutsche Winzer verstehen ihr Handwerk: Wer unter die 100 Besten gelangen will, muss seine Trauben makellos keltern.

Welches ist das führende Weinbaugebiet hier zu Lande? Wo findet sich Winzerkunst besonders konzentriert? An der Mosel? Im Rheingau? Das war einmal. Das Paradies für anspruchsvolle Zecher liegt an der Ahr. Noch keine 500 Hektar Weinberge gibt es an diesem Flüsschen. Das ist weniger als ein halbes Prozent der gesamten deutschen Rebfläche. Doch stellt das winzige Anbaugebiet fünf der 100 besten deutschen Winzer. Aus Rheinhessen, 50-mal größer, sind nur vier Güter in der Spitzengruppe.

Seit 1985 veröffentlicht das Wirtschaftsmagazin "DMEuro" - früher "DM" - die Liste der führenden Weinbaubetriebe. Damals war an der Ahr von Weinkultur nicht viel zu spüren. Das malerische Flusstal galt als beliebtes Ziel von Kegelclubs und anderen trinkfesten Vereinen aus dem Ruhrpott. In den Lokalen von Ahrweiler bis Mayschoss wurde meist ein blassroter, süßlicher Trunk ausgeschenkt.

Von 1989 an wurde es deutlich besser. Die Strohhut-Touristen trollten sich. Es kamen anspruchsvollere Gäste aus der Metropole Köln und der damaligen Hauptstadt Bonn. Zu dieser Zeit stieß Meyer-Näkel in Dernau als erster Betrieb von der Ahr zu den besten 100 vor. Inzwischen zählt er unangefochten zu den Spitzengütern.

Selbstbewusst vergleichen diese Spitzenwinzer ihre besten Erzeugnisse mit den Crus der Bourgogne. Es sei ihnen zugestanden. Dafür haben sie aber auch bei den Preisen aufgeholt. Guter Roter von der Ahr kostet um die 20 Euro. Die besten Weine sind noch wesentlich teurer.

In der diesjährigen Liste, die gestern veröffentlicht wurde, kommt von der Ahr nun Jean Stodden aus Rech hinzu. Insgesamt stehen sechs neue Namen in der DMEuro-Liste. Aufsteiger Stodden studierte Volkswirtschaft. Doch als er über seiner Doktorarbeit saß, 1975, erkrankte der Vater schwer und starb bald danach. Also schwenkte der Sohn auf den Beruf des Winzers um, erst widerwillig, dann mit umso größerem Vergnügen. Der heute 53-Jährige experimentierte viel, fand allmählich seinen Stil und fertigt jetzt Spätburgunder von einer Tiefe, wie sie in Deutschland selten anzutreffen ist.

Merkwürdigerweise immer noch als Geheimtipp gilt ein zweiter Aufsteiger: Jens Didinger in Osterspay am Mittelrhein. Dabei lag er bei vielen Wettbewerben wie 2002 dem "best of riesling", bei dem das Handelsblatt die Schirmherrschaft übernommen hatte, an der Spitze. Der 32-Jährige, dessen kurz geschorenes Haar schon erste Grautöne zeigt, mag sich eben nicht vordrängeln.

In Osterspay gibt es keine Reben. Didinger hat seine Weinberge auf der anderen Rheinseite am berühmten Bopparder Hamm. Aus den Rieslingtrauben von dort fertigt er mit einfachsten Mitteln ungemein brillante Weine.

Aufsteiger an der Nahe ist das Weingut Göttelmann in Münster-Sarmsheim von Ruth und Götz Blessing, 45 und 46 Jahre alt. Er stammt aus einer Bäckerfamilie im schwäbischen Göppingen, wo kein Rebstock steht, und wollte Arzt werden, doch reichten die Abiturnoten nicht. So studierte er erst Landwirtschaft und fand Geschmack am Weinbau. An der Wein-Fachhochschule in Geisenheim lernte Blessing die Winzertochter Ruth Göttelmann kennen und heiratete in das schwiegerelterliche Weingut ein.

Gleich zwei Neuzugänge unter den 100 Besten kommen aus Franken: Ludwig Knoll und Rainer Sauer. Knoll, ein knackiges Mannsbild, 36 Jahre alt, hat in einem erstaunlichen Tempo praktisch aus dem Nichts das stattliche Weingut am Stein in Würzburg aufgebaut, zu dem auch ein schicker Gastbetrieb gehört. Der 48-jährige Sauer in Escherndorf ist da viel bedächtiger. Auch er begann mit bescheidensten Mitteln. Der Vater war noch bei der Winzergenossenschaft. Allmählich wuchs das Weingut heran - ohne Schulden und, darauf ist Sauer stolz, ohne staatliche Zuschüsse. Der Würzburger und der Escherndorfer bieten die derzeit schönsten Silvaner-Spätlesen in Franken an.

Auch der Vater von Josef Michel in Achkarren am Kaiserstuhl war Mitglied der örtlichen Genossenschaft. Der Aufbau des Weingutes in den achtziger Jahren war schwierig. Der 40-Jährige konzentriert sich nun ganz auf die Burgundersorten. Sein samtiger, glutvoller Spätburgunder ist ein Hochgenuss.

Die deutschen Weine werden besser, die Maßstäbe strenger. Die Liste hat nur 100 Plätze. Weinkaufmann Joel Payne, der viele Jahre der DM-Jury angehörte, fasste zusammen: "Als wir 1985 anfingen, waren 100 Plätze in der Liste um einiges zu viel. So viele gute Adressen gab es damals noch gar nicht in Deutschland. Heute reicht die Hunderter-Liste für die Spitze nicht."

DMEuro-Aufsteiger 2003

Jean Stodden/Ahr Rotweinstr. 7-9, 53506 Rech Tel. 02643/3001, Fax-3003 E-Mail info@stodden.de www.stodden.de

Didinger/Mittelrhein Rheinuferstr. 13 56340 Osterspai Tel. 02627/512, Fax-971272 E-Mail weingutdidinger@web.de

Göttelmann/Nahe Rheinstr. 77 55424 Münster-Sarmsheim Tel. 06721/43775, Fax-42605

Rainer Sauer/Franken Bocksbeutelstr. 15 97332 Escherndorf Tel. 09381/2527, Fax-71340 E-Mail info@weingut-rainer-sauer.de

Weingut am Stein/Franken Mittlerer Steinbergweg 5 97080 Würzburg Tel. 0931/25808, Fax-25880 E-Mail mail@weingut-am-stein.de www.weingut-am-stein.de

Josef Michel/Baden Winzerweg 24 79235 Vogtsburg-Achkarren Tel. 07662/429, Fax-763 E-Mail: weingutmichel@t-online.de

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