Fall auf 4 000 Dax-Punkte möglich
Dax-Ausblick: Vorsicht bleibt angesagt

Nach fast fünf Wochen mit kräftigen Kursverlusten zaudern die Investoren derzeit weiterhin, auf eine Trendumkehr zu setzen. Die Sorge vor neuen Gewinnwarnungen ist weiterhin zu groß.

DÜSSELDORF. Das Nachrichtenumfeld für die Aktienmärkte bleibt negativ. Neben einer bereits chronischen Vertrauenskrise zwischen Unternehmen und Investoren sowie der wachsenden Zahl von Gewinnwarnungen für das zweite Quartal ist zuletzt auch der Glaube an eine anhaltende Konjunkturbelebung wieder ins Wanken geraten. Zusätzlich sorgt die angeschlagene Markttechnik bei vielen Aktienindizes und Einzeltiteln für weitere Belastungen. In den kommenden Wochen nach Ansicht der Frankfurter DZ Bank-Experten noch keine grundlegende Stimmungsverbesserung zu erwarten. Frühestens mit dem Beginn der Berichtssaison zum zweiten Quartal (ab der zweiten Juliwoche) könnte der Nachrichtenfluss wieder positiver ausfallen.

Aus Sicht der Analysten gibt es derzeit wesentliche Belastungsfaktoren für den deutschen Aktienmarkt. Erstens belastet die Verzögerung des Anstiegs der Firmengewinne. Zwar bestätigten die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten und Frühindikatoren eine wirtschaftliche Erholung, diese spiegelt sich aber noch nicht in den Ergebnissen der Unternehmen wider.

Der zweite Faktor ist die immer noch recht hohe Erwartungshaltung der Analysten in Bezug auf die Quartalsergebnisse der Technologie und Telekom-Unternehmen im zweiten Quartal. Bestätigt wurde diese Annahme durch die Gewinnwarnungen der Branchenführer Intel und AMD im Halbleiterbereich sowie durch Apple im PC-Segment.

Dritter und größter Belastungsfaktor aus Sicht der DZ Bank ist die weiterhin sehr hohe Unsicherheit unter den Marktteilnehmern, als Ursache für den größten Teil der starken Kursverluste der vergangenen Woche. Trotz vieler positiver ökonomischer Rahmendaten (niedrige Notenbankzinssätze, steigende Produktivität) überwiegt bei einem Großteil der Anleger der Pessimismus.

Kurzfristig könnte der Dax bis in den Bereich um 4 000 Punkte nachgeben, heißt es aus Frankfurt. Dennoch zum Kauf empfohlen werden die Dax-Werte Daimler-Chrysler, Eon und Thyssen Krupp.

Viele Anleger schichten enttäuscht ihr Geld um

Auch die Analysten der Commerzbank schlagen kurzfristig pessimistische Töne an und sehen den Dax zunächst vor allem von der Entwicklung in den USA bestimmt. In Deutschland befürchteten viele Anleger trotz des deutlich gesunkenen Kursniveaus weitere Kursrückgänge und hielten sich daher mit Käufen zurück, heißt es. Die Commerz-Banker halten das aktuelle Kursniveau im Dax "für eindeutig zu niedrig". Da ihnen die Gefahr weiterer Kursrückgänge nur gering erscheint, empfehlen sie jetzt vorsichtig zu kaufen, beispielsweise Werte wie Siemens und Deutsche Bank, die zusätzlich von der Umstellung der Index-Gewichtung im Dax auf den Streubesitz profitieren.

Die Analysten vom Bankhaus Ellwanger & Geiger verweisen auf die charttechnisch kritische Situation: Der Dax hat seine 4 500-Punkte-Marke verlassen und wird beweisen müssen, ob er die langfristige Aufwärtslinie aus dem Jahr 1983, die bei 4 200 Punkten verläuft auch wirklich halten kann. Sollte er dies nicht schaffen, sei ein kurzfristiger Rückschlag bis auf 4 000 bzw. 3 800 Punkte möglich.

Unverändert interessant bleibe der Gesamtmarkt nur für einzelne Trading-Aktionen, so die Stuttgarter. Dabei empfehlen sie Privatanlegern, sich aber weiterhin sehr restriktiv verhalten. Innerhalb der verschiedenen Branchen sehen die Experten den Bereich Pharma unverändert bei "übergewichten". Nahrungsmittel und Getränke wurden auf "übergewichten" hoch gestuft. Hier biete sich insbesondere Südzucker als Kauf an, heißt es. Die Nummer eins im europäischen Zuckermarkt befinde sich in einer sehr starken Position. Die letzten Akquisitionen wurden erfolgreich durchgeführt und führen zu einer Erhöhung der Pofitabilität. Zudem sind starke Wachstumsperspektiven im osteuropäischen Zuckergeschäft vorhanden. Das Kursziel liegt bei 23 Euro.

US-Notenbanker nehmen Leitzinsen unter die Lupe

Während von Seiten deutscher Unternehmen in der kommenden Woche wenig an Zahlen zu erwarten ist, könnten konjunkturelle Fundamentaldaten für Aufmerksamkeit sorgen. Wir erwarten den deutschen Ifo-Index für Juni (am Dienstag). Nach Einschätzung von Deutsche Bank Research dürften sich aufgrund der schwachen Aktienmärkte und des Streiks im deutschen Bausektor die Erwartungen mittlerweile eingetrübt haben; der Aufwärtsdrang des Ifo-Gesamtindexes könnte unterbrochen werden.

Am Dienstag und Mittwoch trifft sich die Mannschaft um Notenbankchef Alan Greenspan. Dass der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) an der Zinsschraube dreht, erwartet die Mehrheit der Fachleute allerdings nicht. Nachdem die US-Notenbank Fed im vergangenen Jahr elfmal zuschlug und die Zinsen senkte, erwartet der amerikanische Bankenverband nun frühestens im September eine Zinserhöhung; US-Anleihehändler erst im November.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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