Fall wird neu verhandelt
Microsoft wird nicht zerschlagen

Seit Jahren mahlen die Mühlen der Justiz im Fall Microsoft. Zeitweise sah es so aus, als könnte der Riese stürzen - doch inzwischen steht er so stark da wie nie zuvor. "Das Monstrum ist wieder da", titelte bereits Anfang Juni das US-Wirtschaftsmagazin "Fortune".

bue HB DÜSSELDORF. Der Softwarekonzern Microsoft hat im US-Kartellprozess um die Zerschlagung des Unternehmens einen Sieg errungen. Das zuständige US-Berufungsgericht hob am Donnerstag das im vergangenen Jahr gefällte Urteil in Teilen auf, hielt aber den Vorwurf aufrecht, dass Microsoft sein Windows-Monopol wettbewerbswidrig ausgenutzt habe.

Ein niedrigeres Gericht soll nun darüber entscheiden, wie Microsoft daran gehindert werden kann, seine Dominanz im Markt der Betriebssysteme auszunutzen, hieß es in der Entscheidung der sieben Richter des Distriktgerichts. Das Berufungsgericht entschied zugleich, dass der umstrittene Bezirksrichter Thomas Penfield Jackson von diesem Fall abgezogen wird. Vor einem anderen Richter müsse neu verhandelt werden, hieß es weiter. Die Microsoft-Aktie wurde wegen des Gerichtsentscheids an der Wall Street von 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr Ortszeit vom Handel ausgesetzt. Nach der Wiederaufnahme des Handels legte der Kurs des Papiers in den ersten fünf Minuten des Handels um 1,96 Dollar auf 73,10 Dollar zu.

"Wir glauben, dass einige, aber nicht alle Vorwürfe gegen Microsoft gerechtfertigt sind", hieß es in der Begründung. Einige der Annahmen, die zu dem Zerschlagungsurteil führten, wiesen die Richter zurück. "Deshalb kann das Urteil so nicht stehen bleiben", hieß es.

In einer Schlüsselfrage, der Bündelung von Betriebssystemen und Softwareanwendungen muss der Konzern weiter damit rechnen, dass ihm die nächste Gerichtsinstanz enge Grenzen setzen wird.. Entscheidend wird sein, wie sich die Bush-Regierung in dieser Frage verhält. Beobachter gehen davon aus, dass Bush ähnlich wie im Tabakverfahren eine außergerichtliche Einigung anstrebt.

Analysten glauben, dass nun das Schlimmste vorüber sei. "Das ist ein gutes Urteil für Microsoft. Es muss sein Verhalten kaum ändern", sagt Greg Vogel, Analyst bei Bank of America Securities. Prudential Securities warnt jedoch, dass die Entscheidung aus Europa noch aussteht. Und die EU-Wettbewerbshüter seien strenger geworden, wie der Fall von GE und Honeywell zeige.

Das am Donnerstag gefällte Urteil war von vielen Fachleuten erwartet worden. Das Berufungsgericht hatte die Entscheidung Jacksons mehrfach kritisiert. Bereits im Februar hatte das Gericht das Zerschlagungsurteil auseinander genommen. Die Berufungsrichter ließen kaum ein gutes Haar an Jacksons Entscheidung und äußerten offen ihr Missfallen über seine Fehde mit Microsoft. Zudem hatten zwei der Richter im jetzigen Berufungsverfahren bereits früher zu Gunsten von Microsoft entschieden.

Microsoft war im April 2000 für schuldig befunden worden, seine Marktmacht beim Betriebssystem Windows missbraucht zu haben, um damit den Vertrieb seines Internet-Browsers Explorer zu fördern. Ausgangspunkt war eine Kartell-Klage des US-Justizministeriums und von anfangs 20 US-Bundesstaaten gegen die weltweit größte Softwarefirma. US-Bezirksrichter Jackson hatte die Zerschlagung des Konzerns in zwei Unternehmen angeordnet, wogegen Microsoft Berufung eingelegt hatte.

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