Fallende Kurse erwartet
US-Börsen wollen Montag wieder öffnen

Die Aktienmärkte in New York sollen am Montag erstmals nach den verheerenden Terrorangriffen wieder ihre Pforten öffnen. Dort ruhte der Handel am Freitag seit vier Tagen, dem längsten Zeitraum seit der Weltwirtschaftskrise und dem Börsenkrach im Jahr 1929.

dpa NEW YORK. Um 9.30 Uhr Ortszeit (15.30 Uhr MEZ) will die New York Stock Exchange (NYSE) den Börsenbetrieb an der Wall Street, die nur wenige Straßenzüge von den eingestürzten Türmen des World Trade Centers entfernt liegt, wieder starten. Voraussetzung dafür sei, dass die Tests des Handelssystems am Wochenende erfolgreich verlaufen, sagte NYSE-Chef Richard Grasso am Freitag. Auch an der US-Computerbörse Nasdaq soll zum Wochenauftakt wieder gehandelt werden. Händler und Analysten rechnen mit sinkenden Aktienkursen an der bedeutendsten Börse der Welt.

Auch zwei Drittel der in einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Harris Interactive befragten 4 800 Personen rechnen für die kommenden Wochen mit fallenden Aktienkursen. Über die Hälfte hält Aktien in Folge der tragischen Ereignisse für keine gute Anlageform. Dennoch will nur ein Prozent seine Papiere verkaufen.

Die Anleger versuchten, ihr Geld "kurzfristig sicher zu parken", sagten Händler. Seit der Wiederaufnahme des Handels am US-Rentenmarkt am Donnerstag sind US-Staatsanleihen enorm gefragt. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen fiel am Freitag im Zuge der anhaltenden Rallye auf den tiefsten Stand in den vergangenen vierzig Jahren.

Gleichzeitig wurde auf eine Zinssenkung der US-Notenbank noch vor der nächsten planmäßigen Sitzung des Offenmarktausschusses FOMC am 2. Oktober spekuliert. Dadurch könnte die Zentralbank sowohl das angeschlagene Verbrauchervertrauen als auch das Geschäftsklima verbessern, hieß es. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten gar eine konzertierte Aktion mehrerer Zentralbanken in den nächsten Tagen.

Schlechte Konjunkturdaten

Der Schock nach den Anschlägen sei mit den schlechten Konjunkturdaten der jüngsten Zeit eine "tödliche Verbindung" eingegangen, schrieb Stephen Roach von Morgan Stanley. Er hält als Folge der Krise einen Rückgang des Weltwirtschaftswachstums auf 1,5 Prozent im laufenden Jahr für möglich. Das entspräche einer weltweiten Rezession, die dem Ölpreisschock von 1972 in nichts nachstünde. Langfristige Auswirkungen auf die US-Wirtschaft seien jedoch nicht zu befürchten. Ähnliches war von der Ratingagentur Standard & Poor's zu hören.

Die historischen Daten deuten darauf hin, dass sich Abwarten für die Anleger auszahlen könnte: Der japanische Angriff auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 drückte den Dow Jones Industrial Average (DJIA), der die 30 wichtigsten industriellen Standardwerte enthält, um 2,9 Prozent ins Minus. Eine Woche später belief sich das Minus auf 4,6 Prozent. Jedoch hatte sich der Index 18 Monate später um 22,8 Prozent verbessert.

Eine ähnliche Entwicklung war in anderen Krisensituationen zu beobachten, etwa nach dem irakischen Angriff auf Kuwait am 2. August 1990. Der DJIA fiel zunächst um 1,9 Prozent, eine Woche später stand er mit 3,7 Prozent im Minus. 18 Monate später aber befanden sich die Standardwerte schon wieder zweistellig im Plus.

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