Falsch bewertete Anleihen bereiten Sorgen
In den Fonds tauchen neue Risiken auf

Deutsche Fonds haben ein Problem: Häufig stimmen Preis und tatsächlicher Wert der Anteilsscheine nicht überein. Schuld daran sind komplizierte Wertpapiere, die zwar die Rendite des Fonds aufpäppeln, deren Handel aber illiquide ist. Das verzerrt oft den Preis. Angesichts der Situation werden bereits rechtliche Konsequenzen gefordert.

FRANKFURT/M. Schrecken für die Anleger: Anleihen werden mit falschen Kursen in den Fonds-Portfolios abgebildet. Es geht insbesondere um die immer beliebteren exotische Bonds, die ihren Renditekick durch eine besondere Ausstattung erhalten, etwa durch Derivate oder spezielle Kreditrisiken (siehe Kasten). Wirtschaftsprüfer und andere Fachleute haben in der Zwischenzeit dieses wachsende Problem erkannt und fordern teilweise rechtliche Maßnahmen. Der Grund: Die Anleger sind von dem Missstand unmittelbar betroffen, denn bei "falschen" Kursen von Papieren im Fonds stimmen auch die Fondsanteilspreise nicht.

"Schätzungsweise jedes fünfte Portfolio ist spürbar betroffen", sagt ein Fachmann, der nicht zitiert werden will. In der Regel hätten diese Fonds 20 bis 30 % ihrer Gelder in diese exotischen Produkte investiert. Der Trend sei schon seit längerem zu beobachten. Den Anfang machten Spezialfonds für institutionelle Anleger. "Jetzt schwappt die Entwicklung zu den Publikumsfonds für die Privaten herüber, die unter starkem Performancedruck stehen", ist aus anderen Quellen zu hören.

Zu den Problemfällen zählen insbesondere Anleihen mit eingebauten und speziellen Kreditrisiken. Der Wirtschaftsprüfer PwC Deutsche Revision sagt dazu: "Wenn beispielsweise Adressausfallrisiken zu tatsächlichen Ausfällen führen, können schnell größere Verluste entstehen." Das bedeutet, eine Unternehmenspleite kann zu großen Problemen bei Fonds führen.

Ein Beobachter: "Die Errechnung des fairen Wertes dieser Anleihen ist ohne großen finanzmathematischen Aufwand und ohne Kenntnisse über die Kreditrisiken unmöglich." Daran hapert es jedoch teilweise bei den Fonds. Darüber hinaus gibt es weitere Schwierigkeiten. Ein anderer Experte steht beim beim Forschen nach Details vor Hürden: "Fordert man beim Emittenten den Prospekt des Papiers an, um die Konditionen zu prüfen und einen fairen Wert ermitteln zu können, gibt der das nur ungern heraus."

Vertreter von PwC Deutsche Revision sehen deshalb die größten Herausforderungen im Einsatz effizienter Risikomanagementsysteme zur Erkennung, Messung und Überwachung der in komplexen Anleihen enthaltenen Risiken. Grundsätzlich wird am Markt zwar vor einer Dramatisierung der Lage gewarnt. Fondsfirmen und Depotbanken als die Verantwortlichen für die Anteilspreisermittlung hätten das Problem erkannt und arbeiteten an einer Lösung, heißt es aus der Branche. Es wird allerdings gleichzeitig eingeschränkt: Wenn der Trend zum verstärkten Kauf von komplexen Produkten für Fonds anhalte, könne "es echte Probleme geben".

Der Gesetzgeber und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) scheinen auf die innovativen Produkte nicht ausreichend vorbereitet zu sein. KPMG-Partner Gerold Hornschu urteilt: "Es scheint, als wären die Regeln für die Bewertung der Produkte auf dem alten Stand geblieben." Mit dem Dritten Finanzmarktförderungsgesetz seien jedoch die Anlagemöglichkeiten von Fonds liberalisiert worden. Deshalb hält Hornschuh Änderungen für nötig: "Letztlich dürften nur handelbare Preise oder faire Werte nach anerkannten Bewertungsmodellen bei der Anteilspreisberechnung zum Ansatz kommen."

Andere Kritiker gehen noch weiter. Sie nehmen "die unkritische Notierungspraxis der Börsen" aufs Korn. Es geht um das häufig genutzte Pro-Forma-Listing. Da Fonds lediglich 10 % ihrer Gelder in nicht notierte Werte anlegen dürfen, "bringen Investmentbanken ihre Produkte manchmal nur deshalb an die Börse, um die Zehn-Prozent-Regel zu umgehen". Damit können Fonds diese Wertpapiere erwerben. Allerdings ist die Finanzaufsicht um den zuständigen BAFin-Mann Volckmar Bartels inzwischen hellhörig geworden.

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