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Falsch verstandene Toleranz

Die Terror-Anschläge in den USA haben ein seit langem verdrängtes Thema ins Rampenlicht gerückt: islamischer Extremismus in Deutschland. Es ist eben kein Zufall, dass die Attacken auf die USA ganz wesentlich hier zu Lande vorbereitet wurden.

Die deutschen Städte haben den Terroristen genügend Infrastruktur geboten, um unerkannt und ungefährdet ihre Gräueltaten zu planen. Und es ist nicht nur so, dass sich aus dem Ausland einreisende Gewalttäter in einer friedfertigen moslemischen Minderheit verborgen hätten. Die jüngsten Verhaftungen zeigen, dass es auch bei den seit langem in Deutschland ansässigen Moslems ein erhebliches Gewaltpotenzial gibt.

Es ist höchste Zeit, dass Politik und Sicherheitskräfte diese Bedrohung ernst nehmen. So lange in Deutschland nur gewaltsame Konflikte innerhalb der ethnischen Minderheiten, also etwa zwischen Türken und Kurden, stattfanden, erregte diese politische Gewalt im Vergleich zu rechts- und linksextremem Terror nur eine minimale Aufmerksamkeit. Fundamentalistische Eiferer wie der "Kalif von Köln" durften lange Zeit ungestört Hass predigen. Doch nun begreift der Staat radikale Islamisten endlich als Gefahr für die Sicherheit aller Bürger.

Zu Recht haben viele Stimmen davor gewarnt, jetzt alle Moslems pauschal an den Pranger zu stellen. Doch falsch verstandene Toleranz kann auch blind machen. Im Umgang mit der moslemischen Minderheit in Deutschland müssen wir jetzt differenzieren. Das heißt: Zeigen wir den friedfertigen, integrationswilligen Moslems mehr als bisher, dass wir sie ernsthaft integrieren wollen, ohne ihnen ihre kulturelle Eigenständigkeit zu nehmen. Zeigen wir aber zugleich den Fundamentalisten und Hasspredigern, dass wir nur diejenigen als Mitbürger dulden werden, die sich zu unseren Grundwerten bekennen.

Eine bessere Integration vor allem türkischer Mitbürger muss bei der jungen Generation ansetzen. Wir dürfen nicht länger hinnehmen, dass ein immer größerer Teil der Kinder die Schullaufbahn mit dem Handicap beginnt, kaum ein Wort Deutsch zu können. Auch die Teilnahme ausländischer Jugendlicher an der Berufsausbildung muss gefördert werden. Bildung fördert die Integration, Unwissen führt in die Isolation. Jugendliche, die von Anfang an keine faire Chance zur Teilnahme an der Wohlstandsgesellschaft hatten, sind eine leichte Beute für fundamentalistische Verführer und wachsen womöglich zum Nachschub für die selbst ernannten Gotteskrieger heran.

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