Familie Binladin distanziert sich von den Terroranschlägen
Binladin Group gerät ins Zwielicht

Die Familie des mutmaßlichen Terroristen Osama bin Laden hat eine Firmengruppe aufgebaut. Sie arbeitet mit großen Konzernen zusammen. Einige Partner kündigen ihre Zusammenarbeit auf.

NEW YORK. In der arabischen Welt steht der Name Binladin für absolute Glaubwürdigkeit und Ehrbarkeit. "Wie IBM", sagt John Dickson, Manager der Baud Telecommunications Ltd., einer Telekomfirma, die der Familie Binladin - oder Bin Laden - gehört. Und setzt hinzu: Jede Familie habe ihr schwarzes Schaf. Osama sei allerdings "ein bisschen zu weit gegangen".

Dickson spricht von Osama bin Laden, dem Mann, den die USA der Terroranschläge auf World Trade Center und Pentagon verdächtigt. Seine Familie gehört zur Elite der arabischen Welt. Und bisher gibt es keinen Beweis, dass eines der mehr als 50 Geschwister Osamas in Verbindung zu den Anschlägen vom 11. September steht.

Doch der in Verruf geratene Verwandte, der längst im Exil lebt und von dem sich die saudische Familie nach eigenen Aussagen losgesagt hat, wird zunehmend hinderlich für das Wirtschaftsimperium des Clans: die Saudi Binladin Group (SBG). Das Konglomerat betreibt umfangreiche Geschäfte in Europa und den USA - und einige der Partner prüfen jetzt, ob sie diese Beziehung beibehalten.

Osamas Vater, Mohammed, hatte die Saudi Binladin Group im Jahr 1931 gegründet. Das Unternehmen wuchs unter der Führung des einst aus dem Jemen Eingewanderten rasch zum größten Baukonzern des Landes, der Moscheen, Straßen, Hotels und Flughäfen konstruierte. Möglich wurde dies durch enge Kontakte zur saudischen Königsfamilie, die der SBG zu lukrativen Staatsaufträgen verhalf, und zu ausländischen Konzernen, für die das Unternehmen schnell zum bevorzugten Partner in Saudi-Arabien avancierte. Während des Golfkrieges festigte sich die Beziehung zu den USA: SBG baute eine Landebahn für die US-Truppen.

Zu den Geschäftspartnern der Saudi Binladin Group zählen internationale Konzerne

So zählen zu den Geschäftspartnern der Saudi Binladin Group internationale Konzerne mit klangvollen Namen. Der US-Mischkonzern General Electric Co. hat einen Minderheitsanteil an der Jeddah Electrical Distribution Assemblies Co., einem Kraftwerksausrüster, der mehrheitlich der Binladin-Familie gehört. Auch die Citigroup Inc. bestätigte, dass die Binladin-Familie zu ihren Klienten gehört.

Der britische Getränkekonzern Cadbury Schweppes Plc. will seine Vertriebspartnerschaft aufkündigen. Das liegt nach Aussage der Briten aber an den sinkenden Absätzen, nicht an dem schlechten Image des Namens Binladin im Westen. Eine Sprecherin nannte die Trennung "gütlich".

SBGs Telekom-Tochter Baud macht Geschäfte unter anderem mit dem Netzwerkausrüster Nortel Networks Corp und der Tellabs Inc., die optische Netzwerke herstellt. Auch zum US-Telekomkonzern Motorola Inc. bestehen Geschäftsbeziehungen. All diese Firmen zeigten sich überzeugt, ihr saudischer Partner hat keine Verbindung zum Terrorismus.

Bedenken bleiben. Auch Osama arbeitete einst für den Familienkonzern SBG - während seiner Studentenzeit. Weil seine Ansichten, vor allem die Opposition gegen die Anwesenheit der US-Truppen in Saudi-Arabien, die königliche Familie befremdete und das Familienunternehmen in Gefahr brachte, distanzierte sich der Clan später von ihm.

Multitone Electronics will die Geschäfte mit SBG zunächst aussetzen

Ein Sprecher der Familie sagte, Osama habe zwischen 50 und 60 Mill. $ von seinem 1968 gestorbenen Vater geerbt, aber nie einen Anteil an SBG gehabt. Das Oberhaupt der Familie, Osamas Onkel Abdullah Awad Obood bin Laden, erklärte, die Familie habe "keine Verbindung zu seinen Aktivitäten" und verurteile "dieses traurige Ereignis".

Die britische Multitone Electronics Plc gab trotzdem bekannt, man werde die Geschäfte mit SBG aussetzen, bis man sicher sei, dass die saudischen Partner nichts mit dem Terrorismus zu tun haben. Auch die niederländische Bank ABN Amro will sich im Lichte der tragischen Ereignisse mit der Familie Binladin unterhalten. Die Araber sind Kunden der Saudi Holland Bank, die zu 40 % zu ABN Amro gehört.

Auch wenn sich die Familie von ihm losgesagt hat: Beobachter glauben, dass es persönliche Kontakte zwischen Osama und anderen Familienmitgliedern gibt. "Einige der Brüder halten Kontakt", sagt Yossef Bodansky von der Terrorismus-Spezialtruppe des US-Kongresses. "Immerhin sind sie Geschwister." Aber die Familie unterstütze den Bruder weder finanziell noch bei seinen vermuteten terroristischen Aktivitäten. "Der größte Teil der Familie hasst ihn im Moment zutiefst", sagt Bodansky.

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