Familie verdient mit Prestigebauten Millionen
Für die Bin-Laden-Gruppe laufen die Geschäfte gut

Das schwarze Schaf der Familie wurde längst enterbt, und da die "Bin Laden Construction Group" das uneingeschränkte Vertrauen der herrschenden Königsfamilie genießt, wird sie in Saudi-Arabien auch weiterhin mit millionenschweren und prestigeträchtigen Projekten betraut.

afp RIAD. In Mekka, dem bedeutendsten Wallfahrtsort der Moslems, soll die Bin-Laden-Gruppe bis 2005 für 533 Mill. Dollar (knapp 600 Mill. Euro) einen riesigen Wohnkomplex errichten. Elf Appartmenttürme mit 1000 Wohnungen und ein Fünf-Sterne-Hotel mit 1200 Betten entstehen auf einer Baufläche von 23.000 Quadratmetern. Für dieses Bauvorhaben haben sich die saudischen Behörden sogar mit der türkischen Regierung in Ankara angelegt: denn dort, wo die Luxus-Anlage entstehen soll, wurde vor einigen Tagen eine alte Festung aus der Zeit des Osmanischen Reiches abgerissen. Eine moderne Nachbildung der 230 Jahre alten Adschjad-Festung, die jahrzehntelang der Verteidigung Mekkas diente, soll nun an anderer Stelle errichtet werden.

Mohammad bin Laden, Vater des mutmaßlichen Terroristenführers Osama, gründete das erfolgreiche Unternehmen in den 50er Jahren in der Hafenstadt Dschiddah am Roten Meer. Seitdem häufte die Familie enorme Reichtümer an. Das Firmenguthaben wird auf fünf Milliarden Dollar geschätzt. Dank der engen Kontakte zum Königshaus wurde die Gruppe mit dem Ausbau der beiden wichtigsten heiligen Stätten Saudi-Arabiens in Mekka und Medina beauftragt. Nach den mehrjährigen Bauarbeiten, die Milliarden Dollar verschlangen, können sich heute mehr als zwei Millionen Moslems in der Großen Moschee von Mekka versammeln. In der Moschee des Propheten in Medina finden mehr als eine Million Menschen Platz.

Auch die Renovierung der El-Aksa-Moschee in Jerusalem nach einem Brandanschlag 1969 wurde der Bin-Laden-Gruppe anvertraut. Außerdem baute sie in Riad und Dschiddah zahlreiche Paläste für die Mitglieder der königlichen Familie. Als Zeichen des Vertrauens des Königshauses gilt ein weiterer Bauauftrag für 150 Millionen Dollar aus dem Jahr 1998: In Chardsch südlich von Riad baute die Bin-Laden-Gruppe einen Stützpunkt, auf dem rund 4300 US-Soldaten stationiert sind.

Mohammed bin Laden hinterließ bei seinem Tod 1968 insgesamt 54 Töchter und Söhne aus mehreren Ehen. Die Verwaltung des Finanzimperiums übernahm der älteste Sohn Salem. Seit dessen Tod beim Absturz seines Privatjets im US-Bundesstaat Texas im Jahr 1988 leitet der zweitälteste Sohn Baker die Firma. Seit einigen Jahren ist die Baufirma auch außerhalb Saudi-Arabiens aktiv. In mehreren arabischen Ländern beschäftigt sie zehntausende Angestellte. 13 Söhne des Firmengründers sitzen heute im Verwaltungsrat.

Um jede Verwechslung mit dem mutmaßlichen Terroristen Bin Laden auszuschließen, hat sich eine Tochterfirma nach dem 11. September umbenannt. Aus "Bin Laden Telecommunications" wurde die "Baud Telecommunications Company" (BTC). Dabei wurde Osama bin Laden von seiner Familie ohnhin bereits enterbt, nachdem ihm 1994 wegen seiner Kritik an der Königsfamilie und wegen seiner angeblichen terroristischen Aktivitäten die saudiarabische Staatszugehörigkeit aberkannt wurde. Ein Familienmitglied, das anonym bleiben wollte, hat erst kürzlich wieder betont: "Wir haben nichts mehr mit ihm zu tun."

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