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Familienfehde bei Tchibo: Langjähriger Chef Günter Herz auf Gegenkurs

dpa HAMBURG. Die Familienfehde der Herz-Geschwister im Tchibo - Konzern verschärft sich. Der langjährige Vorstandschef Günter Herz, der im Januar im Streit über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens zurückgetreten war, stellt sich deutlich gegen seine Brüder im Aufsichtsrat. Bei der Hauptversammlung der Tchibo Holding AG verweigerte er als Minderheitsaktionär zusammen mit seiner Schwester und dem Hamburger Wirtschaftsprüfer, Prof. Otto Gellert, dem Gremium für das Jahr 2000 die Entlastung. Der Aufsichtsrat habe die ihm obliegenden Pflichten in mehrerlei Hinsicht verletzt, sagte Herz am Freitag vor Journalisten. Sollten nicht bald Konzepte vorgelegt werden, kündigte Herz an, Vorstand und Aufsichtsrat in Haftung nehmen zu wollen.

Günther Herz, «der sich der Firma noch sehr verbunden fühlt», ist mit seiner Schwester Daniela und Gellert über die G.D.H.G. Vermögensgesellschaft mbH & CO.KG mit 39,5 Prozent an der Holding beteiligt. Diese Gesellschaft hat keinen Sitz im Aufsichtsrat. 50,5 Prozent an Tchibo halten Günthers drei Brüder, zehn Prozent sind in Händen der Mutter. Die Familie zählt zu den reichsten in Deutschland. Die Nicht-Entlastung sei zwar nur ein «deklaratorischer Akt», sagte Herz. Aber er wolle sich niemals den Vorwurf machen lassen, er habe geschwiegen. Der Familie streitet seit Jahren über die Unternehmensentwicklung.

Statt Strategien und Organisationskonzepte vorzulegen, habe sich der Aufsichtsrat mit Personalpolitik aufgehalten, kritisierte der 60- Jährige. Das Gremium hatte für ihn Ludger W. Staby zurückgeholt, der bis 1998 die Tchibo-Zigarettentochter Reemtsma leitete. Staby berichtete zur Konzernentwicklung bei der Vorlage der Bilanz, dass derzeit «alle Portfolio-Alternativen» geprüft würden. Die Arbeiten seien aber noch nicht abgeschlossen. «Ich habe bei der Hauptversammlung nicht gehört, wie es weitergehen soll», ereiferte sich Herz, der um die Konkurrenzfähigkeit und den Wert des Unternehmens fürchtet. «Wir sind keine Würstchenbude an der Ecke, sondern ein Konzern mit 21 000 Mitarbeitern.» Der wies für 2000 einen Umsatz von 5,5 Milliarden DM und einen Gewinn von 767 Millionen DM aus.

Die G.D.H.G. favorisiert nach wie vor einen Börsengang. Diesen Vorschlägen seien die Gremien bisher nicht gefolgt, weil die Mehrheitsaktionäre dann befürchteten, ihre knappe Mehrheit zu verlieren, meinte Herz. Der Einstieg von Fremdkapital hat nach den Worten von Gellert auch den Vorteil, die Familie zu disziplinieren. «Das ist für Außenstehende nicht mehr nachvollziehbar», meinte er. «Eine Familie kann durchknallen, aber dann dürfen nicht alle Sicherungen durchgehen», sagte Herz.

Sollte es nicht zu einem Börsengang kommen, plädiert die Vermögensgesellschaft angesichts des international schärfer werdenden Wettbewerbs und Konzentrationsprozesses auf dem Kaffee- und Zigarettenmarkt für den Verkauf eines Geschäftsbereichs. Die fast 28- prozentige Beteiligung am Kosmetikkonzern Beiersdorf ist auch nach Gellerts Worten eine «Tauschwährung», die bei Unternehmenskäufen zur Sicherung der beiden Teilbereiche Kaffee und Zigaretten eingesetzt werden könnte. In Frage zu stellen sei auch, ob die Holding noch die passende Organisationsform ist.

Den Minderheitsaktionären stieß auch der Vorstoß des Aufsichtsrates auf, für sich sowie den Vorstand eine Haftpflichtversicherung über jeweils 200 Millionen DM abschließen zu wollen. «Dagegen haben wir Widerspruch zu Protokoll gegeben», sagte Herz. Er sieht das als zusätzliche Vergütung, für die es eine Satzungsänderung geben müsste. Auch diesbezüglich könnte Herz vor Gericht gehen. «Das ist doch kein Selbstbedienungsladen.»

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