Familienministerin legt Bericht vor
Frauen haben immer noch das Nachsehen

Die Frauen in Deutschland sind gegenüber Männern weiterhin beruflich benachteiligt. Sie verdienen auch immer noch weniger als die Männer. Das geht aus einem vom Bundeskabinett beschlossenen Bericht zu Einkommens- und Berufsituation von Frauen und Männer hervor, den Familienministerin Christine Bergmann (SPD) der Öffentlichkeit vorstellte.

dpa BERLIN. Bergmann sagte, Frauen hätten in letzten Jahren bei Qualifikation und Bildung deutlich aufgeholt und in vielen Bereichen die Männer überrundet. Dazu habe auch die Gleichstellungspolitik der Bundesregierung beigetragen. Dennoch klafften im Erwerbsleben die Qualifikation von Frauen und Männern wie ihre tatsächlichen Positionen sowie Einkommens- und Berufsaussichten noch auseinander.

Nach der Studie, die unter wissenschaftlicher Leitung der Hans-Böckler-Stiftung erarbeitet wurde, sind Frauen immer noch sehr viel seltener als gleich qualifizierte Männer in leitenden Positionen in den Betrieben zu finden. Im Westen Deutschlands waren im Jahr 2000 nahezu doppelt so viele Männer wie Frauen in Führungspositionen tätig: 20,3 Prozent der Männer, aber nur 10,5 Prozent der Frauen. Im Osten lagen die Anteile auf niedrigerem Niveau viel dichter beieinander: 14,4 der Männer, 12 Prozent der Frauen. Bei Männern steigt mit zunehmendem Alter der Anteil an leitenden Positionen, bei Frauen geht er dagegen mit zunehmenden Alter zurück. Nach dem Bericht dürften familiär bedingte Berufsunterbrechungen ein wichtiger Grund sein.

Auch das durchschnittliche Einkommen von vollbeschäftigten Frauen liegt unter dem der Männer. So erreichte 1997 (letztes Erhebungsjahr) eine abhängig beschäftigte Frau mit knapp 44 900 Mark (knapp 23 000 Euro) nur 75,8 Prozent des durchschnittlichen Jahresbrutto-Einkommens der Männer. In Ostdeutschland verdienten die Frauen allerdings fast 94 Prozent der männlichen Einkommen. Je höher das Ausbildungsniveau, umso größer fällt der Einkommensabstand aus. Auch wächst mit zunehmendem Alter der Einkommenabstand zu Gunsten der Männer.

Dasselbe gilt für die Renten: Die Altersrenten von Frauen im Osten liegen heute bei etwa 60 Prozent, im Westen bei knapp 50 Prozent der Männerrenten. Dem Bericht zufolge arbeiten Frauen vor allem in Wirtschaftszweigen mit geringen Verdienstmöglichkeiten. Es gebe relativ gut bezahlte "Männerbranchen" wie Chemie, Bau oder Druck und schlechter bezahlte "Frauenbranchen" wie Hotel, Gaststätten, Bekleidung und Nahrungsmittel.

Bergmann betonte, die Erwerbsbeteiligung von Frauen habe langfristig deutlich zugenommen: Heute stellten sie mit rund 43 Prozent einen beträchtlichen Teil der Erwerbstätigen in Deutschland. In der gleichen Zeit sei das Arbeitsvolumen der Frauen allerdings insgesamt gesunken: Sie seien in steigendem Maße in Teilzeit beschäftigt.

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