Familienstreit erschwert Platzierung des Kirch-Pakets
Erben wollen Alleinherrschaft Friede Springers verhindern

Ariane und Sven Springer, Erben der Axel Springer Verlag AG, haben vor dem Landgericht Berlin eine Auskunftsklage gegen die Großaktionärin Friede Springer erwirkt. Die Verhandlung ist für den 26. August vorgesehen, wie das Gericht mitteilte.

lip HAMBURG. Friede, Sven und Ariane Springer sind über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik mit 50 % plus 10 Aktien an Europas größtem Zeitungskonzern beteiligt (Bild, Welt). Die Gesellschaft gehört zu 90 % der Springer-Witwe und zu jeweils 5 % den Erben.

Die Auskunftsklage ist ein wichtiger Mosaikstein der beiden Springer- Enkel, um die Verlegerwitwe daran zu hindern, die Alleinmacht im Zeitungsimperium zu erlangen. So plant Friede Springer, weitere 5 % am Verlagshaus zu übernehmen. Die Aktien stammen aus Leo Kirchs 40 %-Paket, das der Deutschen Bank Ende des Monats in die Hände fällt.

Der Münchener Filmhändler hat bis dahin noch Zeit, einen Käufer für die Springer-Anteile zu finden. Doch Bankenkreise schätzen die Chancen hierfür äußerst gering ein.

Die Verlegerwitwe liegt seit Jahren mit den Enkeln im Clinch, da diese andere Vorstellungen über das publizistische Erbe des Firmengründers haben. Friede Springer hatte deshalb Ende 2001 den Gesellschaftervertrag einseitig gekündigt.

Die beiden Erben erkennen die Kündigung nicht als wirksam an, heißt aus den Kreisen der beiden Erben. Sie wollen sich hiergegen offenbar rechtlich wehren.

Um dafür entsprechend vorbereitet zu sein, versuchen sie nun, über eine Auskunftsklage weiteren Zündstoff gegen Friede Springer zu erhalten. So soll das Landgericht Berlin unter anderem klären, ob die Verlegerwitwe dem Springer-Vorstandschef, Mathias Döpfner, Handlungsanweisungen erteilt hat, um ihre Interessen zu wahren. Dies würde aber gegen das Aktiengesetz verstoßen und Schadensersatzansprüche nach sich ziehen. Friede Springer hält sich hierzu auf Anfrage bedeckt. Ihre Sprecherin betont, dass es sich hierbei nur "um ein Auskunftsbegehren der Springer-Erben gegen die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik handelt".

Der Familienzwist kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Er könnte die Platzierung von Leo Kirchs Aktienpakt bei institutionellen Anlegern erheblich erschweren. Denn die Deutsche Bank müsste für die bevorstehende Aktienplatzierung den gerichtlichen Streit in den Börsenprospekt aufnehmen.

Er könnte bewirken, dass potenzielle Käufer einen Preisabschlag auf die Springer-Anteile verlangen. Ein Hemmschuh ist bereits, dass die Großaktionärin eine Devinkulierung der Stammaktien verweigert. Sie will damit verhindern, dass ein feindlicher Konzern das Ruder im Verlagshaus übernimmt.

Quelle: Handelsblatt

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