Familienstreit
Springer-Kontroverse geht in eine neue Runde

Die Streit um die Auskunftsbegehren der beiden Springer-Enkel, Ariane und Sven, geht offenbar in eine neue Runde. "Ich werde die nicht beantworteten Fragen vor dem Kammergericht Berlin erstreiten", erklärte Sven Springer dem Handelsblatt. Eine entsprechende Eingabe kann zwei Wochen nach Zustellung der Gerichtsentscheidung erfolgen.

hps/lip HAMBURG/DÜSSELDORF. Vor dem Landgericht Berlin hatten die Springer-Enkel von der Axel Springer Gesellschaft mbH, deren alleinige Geschäftsführerin Friede Springer ist, auf Auskunft und Einsicht in geschäftliche Angelegenheiten geklagt. Dabei hatte der Rechtsanwalt von Friede Springer bereits vor Beginn und während des Verfahrens mehrere Fragen der Erben beantwortet, erklärte Sven Springer. Er weist deshalb die Darstellung aus dem Umfeld der Verlegerwitwe zurück, die Erben hätten den Prozess verloren. "Ich möchte nur Gerechtigkeit", betonte Sven

Der Axel Springer Gesellschaft mbH ist die Komplementärin der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co. (ASPG). Daran halten Friede Springer 90% der Anteile, die restlichen 10% teilen sich Ariane und Sven Springer. Die ASPG ist mit 50% plus zehn Aktien an Axel Springer Verlag AG beteiligt. Weiterhin offen ist ein zweites Verfahren, dass Friede Springer offenbar gegen Sven Springer anstrengen will. Aus dem Umfeld von Sven Springer heißt es, dass eine entsprechende Klage noch nicht eingereicht sei.

Trotz der am Donnerstag vorgelegten schwarzen Zahlen ist die Lage im Axel Springer-Konzern mit seinen beiden Flaggschiffen "Bild" und "Welt" angespannt. Die schnelle Rückkehr in die Gewinnzone verdankt Springer auch den Einnahmen aus Verkäufen. Dem Überschuss nach Steuern und Abschreibungen von 72 Mill. Euro stehen Erlöse aus Verkäufen von 46 Mill. Euro gegenüber.

Wie Fred Wilsdorf, Direktor des Rechnungs- und Finanzwesen, am Donnerstag betätigte, seien Grundstücke in Berlin-Mitte und in Madrid veräußert worden. Springer hat zudem 37 % seiner Anteile an Bild.de an T-Online verkauft. Außerdem hat T-Online 50 % an Springers Multimediadienstleister Interactive Media übernommen. Die Telekomtochter hat bis Ende des Jahres zudem die Option mit einer "goldenen Aktie" die Mehrheit bei Interactive zu übernommen. Wie hoch die Erlöse im einzelnen waren, wollte Wilsdorf nicht sagen. Der Finanzmanager warnte vor einer Überschätzung der Erlöse. Denn das operative Konzerergebnis belief sich auf 42 Mill. Euro (34 Mill.).

Springer-Verlag hatte erstmals in seiner Unternehmensgeschichte im letzten Jahr rote Zahlen geschrieben. Der Verlust belief sich auf 198 Mill. Euro. Die Rückkehr in die Gewinnzone verdankt der Printkonzern neben den Beteiligungsverkäufen vor allem den Einsparungen, denn der Umsatz in den ersten sechs Monaten fiel um 4,2 % auf 1,368 Mill. Euro. Mit geringen Ausgaben für Material und Werbung sowie der Schließung verlustreicher Projekten und Stellen habe der Springer rund 55 Mill. Euro eingespart.

Springer wird - wie andere Zeitungsverlage auch - von der Rezession im Werbemarkt gebeutelt. So gingen die Anzeigenumsätze in den ersten sechs Monaten um 9 % auf 528 Mill. Euro zurück.

Quelle: Handelsblatt

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