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Familientreffen zwischen Nord- und Südkoreanern beendet

Reuters SEOUL. Das erste Wiedersehen zwischen Familienangehörigen Nord- und Südkoreas seit 50 Jahren ist am Freitag nach vier Tagen zu Ende gegangen. Zum Abschied gab es Tränen. "Geh nicht, geh nicht", rief die Mutter von Ri Young Su. "Aber wir haben uns doch getroffen, Mutter", sagte der Sohn. Er streckte seine Hand durch ein offenes Fenster aus dem Bus, der ihn zusammen mit seinen Landsleuten zum Flughafen bringen sollte. Die südkoreanischen Angehörigen ergriffen Ris Hand und gemeinsam sangen alle ein in beiden Ländern beliebtes Lied: "Unser Wunsch ist die Vereinigung."

Kim Ok Bae tröstete seine Mutter. "Bitte warte auf mich. Ich werde wiederkommen, ganz bestimmt", sagte der Tanzlehrer aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. "Aber wann?", fragte die 87-jährige Hong Kil Soon schluchzend. "Nachdem ich tot bin?". Seit dem historischen Gipfeltreffen beider Staatschefs im Juni befinden sich Nord- und Südkorea auf dem Weg der Annäherung. 100 von der kommunistischen Regierung ausgewählte Nordkoreaner und 100 ausgeloste Südkoreaner reisten für die Familientreffen nach Seoul und Pjöngjang.

Nordkoeraner machten freudlichen und ausgemergelten Eindruck

Die Südkoreaner, die Nordkorea besuchten, kehrten nach Seoul zurück. Einige von ihnen berichteten, dass viele Nordkoreaner ausgemergelt und sehr freundlich gewesen seien. "Es gibt nicht so viele Menschen oder Autos in Pjöngjang. Aber die Leute, die wir getroffen haben, waren sehr nett zu uns", sagte Kim Ae Jin. Der 69-Jährige sah im Norden drei Schwestern wieder. Seit dem Ende des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953 befinden sich beide Staaten formal noch im Kriegszustand, da damals nur ein Waffenstillstand vereinbart wurde. Die Grenze zwischen dem kommunistischen Norden und dem westlich orientierten Südkorea ist hermetisch abgeriegelt. Brief-, Telefon- oder andere Kommunikationsverbindungen zwischen beiden Ländern gibt es nicht. In südkoreanischen Regierungskreisen hieß es, es werde möglicherweise weitere Familientreffen geben und schließlich vielleicht sogar ein Wiedersehenstreffpunkt in dem Grenzort Panmunjom errichtet.

Der Chef des Pazifik Forums für Strategische und Internationale Studien (CSIS) in Honolulu, Ralph Cossa, bezeichnete die Familientreffen als bedeutsamer als den historischen Gipfel. "Wenn die Menschen der beiden Koreas miteinander reden und im Norden weitererzählt wird, was die Verwandten im Süden gesagt haben ..., dann hilft dies buchstäblich, den Norden zu öffnen."

Bei den Familientreffen in einem Seouler Hotel waren immer nordkoreanische Regierungsvertreter anwesend. Die Nordkoreaner durften weder ihre Verwandten in deren Wohnungen besuchen, noch die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen besuchen. Bei den wenigen Gelegenheiten, als sie ihre Hotels verließen, schienen sie in der Minderheit zu sein gegenüber nordkoreanischen Regierungsvertretern, die sie begleiteten.

Am Abschiedsessen am Donnerstagabend durften nur Nordkoreaner teilnehmen. Die meisten von ihnen wirkten niedergeschlagen und unterhielten sich kaum. Viele Mitglieder der nordkoreanischen Delegation waren hochrangige Vertreter aus Kunst und Wissenschaft. Auf Fragen von Journalisten antworteten sie oft mit Standardantworten. Oft lobten sie Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il für dessen Großzügigkeit, sie ihre Familien treffen zu lassen.

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