Familienunternehmen "schneidert" für Hanni & Co.
Mit Anzügen aus dem Spessart zu Gold

Gold für die deutsche Skispringer-Mannschaft bei Olympia in Salt Lake City - Millionen fieberten mit, als die Entscheidung fiel. Bei der Siegerehrung fühlten sich auch drei Textilunternehmer aus dem unterfränkischen Bessenbach (Landkreis Aschaffenburg) ein wenig mit auf dem Siegertreppchen. Denn Richard, Thomas und Wolfgang Meininger haben in ihrem Familienunternehmen die Anzüge der Sieger hergestellt.

HB/dpa BESSENBACH. Die Geschichte des Unternehmens begann vor vielen Jahrzehnten, als das Ehepaar Meininger mit den Söhnen Skiurlaub in der Nähe von Innsbruck machte. Thomas, damals fünf Jahre alt, wusste: "Das muss ich probieren!" Er überredete die Eltern so lange, bis sie schließlich nachgaben. "Thomas war zwar gut, aber er hätte es nicht bis in die Topklasse geschafft", erzählt Vater Richard. Aber der Sohn hatte etwas, mit dem er auffiel - einen Anzug, den der Vater mit seinen geschickten Händen als Schneidermeister selbst gefertigt hatte.

Man schrieb das Jahr 1978, als der damalige Bundestrainer auf den besonderen Stoff aufmerksam wurde und den Bessenbacher mit einem Auftrag für die Nachwuchsmannschaft bedachte. Von da an ging es stetig aufwärts. 1984 in Sarajevo gingen die "Meininger Jumping- Suites" erstmals an einen Olympia-Start, ein Jahr später wurde die komplette deutsche Mannschaft mit den Anzügen aus Bessenbach ausgestattet. Inzwischen fliegt die gesamte Skispringer-Elite mit Anzügen aus dem Spessart.

Die "zweite Haut" der Meiningers ist heute so beliebt, dass das Unternehmen 2000 Stück pro Jahr herstellt. Konkurrenz gibt es nach Angaben der Firma in Deutschland nicht. Sohn Thomas hängte die Sportkarriere an den Nagel und unterstützt seither zusammen mit dem jüngeren Bruder Wolfgang, ebenfalls Schneidermeister, den Vater.

Auf die Frage, welche Nation heute nicht mit Anzügen aus Bessenbach an den Start geht, erhält man von Richard Meininger die knappe Antwort: "Die gibt es nicht." Ob USA, Österreich, Finnland oder Japan - alle tragen den Stoff, aus dem Skispringerträume entstehen. Meininger hat sich sein Material, das auf Schaumstoff aufbaut, patentieren lassen. Es gilt zwar, die Auflagen des Internationalen Skiverbandes FIS zu beachten, doch bei Farbe und Design können Träger und Trainer mitreden.

"Einzelheiten darf ich nicht verraten", sagt Meininger. Aber er erzählt, dass die Skispringer zum Abmessen, Anprobieren und Testen direkt an den Ort des Herstellers kommen. Erst kürzlich war der finnische Weltklassespringer Janne Ahonen zu Gast.

Bei solchen Besuchen geht es nicht nur um die Wünsche an die rund zwei Kilo schwere zweite Fliegerhaut, sondern es entsteht auch eine persönliche Bindung zwischen der Familie und den Skispringern. "Der erste bekannte Springer, der unseren Anzug anhatte, war in den achtziger Jahren Thomas Klauser", erinnert sich der Unternehmensgründer.

Mittlerweile kennt er alle, die meisten von klein auf. Dabei hat er es immer geschafft, allen gleich fest die Daumen zu drücken. "Ich freue mich mit jedem, der gewinnt, und leide mit, wenn etwas daneben geht", erzählt er. Für die Meiningers gab es nicht einmal eine Mauer mitten durch Deutschland, denn auch die DDR ließ in Bessenbach für ihre Spitzensportler schneidern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%