Fan-Initiative kritisiert DFB: Ausstellung zeigt bedenkliche Mayer-Vorfelder-Zitate

Fan-Initiative kritisiert DFB
Ausstellung zeigt bedenkliche Mayer-Vorfelder-Zitate

Eine Wanderausstellung über Rassismus im Fußball hat DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder in die Nähe des Rechtsextremismus gerückt und damit sportpolitische Wellen geschlagen. Die Organisatoren der von der EU geförderten Dokumentation "Tatort Stadion. Rassismus und Diskriminierung im Fußball" weigern sich, Schautafeln mit entsprechenden Zitaten des DFB-Präsidenten zu entfernen.

dpa HAMBURG. Daraufhin zog der DFB - Sportförderverein eine in Aussicht gestellte Unterstützung in Höhe von 5000 Euro zurück.

Das verantwortliche Bündnis Aktiver Fußball-Fans (BAFF) reagierte mit Kritik am Verband: "Der Konflikt verdeutlicht, dass der DFB nicht bereit ist, sich den zweifelhaften Aussagen seines Präsidenten und seinen misslichen Verhaltensweisen in der Vergangenheit zu stellen." Indes wandert die Ausstellung in unveränderter Form an diesem Donnerstag von Berlin nach Hamburg weiter.

Stein des Anstoßes sind gesammelte Aussagen von Mayer-Vorfelder. Ältere MV-Zitate wie "Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und stattdessen die Polen, diese Furtoks und Lesniaks, spielen?" werden dem Besucher der bereits im November eröffneten Ausstellung genauso dargebracht wie Aussagen jüngeren Datums - "Wenn beim Spiel Bayern gegen Cottbus nur zwei Germanen in der Anfangsformation stehen, kann irgendetwas nicht stimmen" - oder sein Kommentar zum WM-Sieg der französischen Fußball- Nationalmannschaft 1998: "Hätten wir 1918 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus Deutsch-Südwest."

Die Authentizität der Zitate bestreitet der DFB nicht. Die Aussagen sind nach Ansicht von DFB-Pressechef Gerhard Meier-Röhn aber aus dem Zusammenhang gerissen. Er sprach von einer "Verunglimpfung des Präsidenten".

Ähnlich empfunden hat das auch Gewaltforscher Gunter A. Pilz aus Hannover, der seine Schirmherrschaft für die Ausstellung nach zahlreichen Vermittlungsversuchen inzwischen niedergelegt hat. "Ich war und bin von der Idee und Notwendigkeit dieser Ausstellung felsenfest überzeugt, aber ich lasse mich nicht zum Spielball ideologischer Grabenkämpfe machen", erklärte Pilz. Es gehe den Organisatoren weniger darum, junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren, als vielmehr das Feindbild DFB zu bekämpfen. Mayer- Vorfelders Äußerungen seien höchst problematisch. "Aber daraus ist nicht zu schließen, dass er rechtsradikal ist", sagte Pilz, "natürlich erwarte ich von jemandem in so einer verantwortlichen Position, dass er seine Worte genau abwägt."

Wie Pilz will auch Michael Preetz seine Schirmherrschaft für die Wander-Ausstellung überdenken. Der Kapitän von Hertha BSC reiste am Mittwoch mit dem Fußball-Bundesligisten ins Trainingslager nach Marbella und lässt von der Vereinigung der Vertragsfußballspieler die Fortsetzung seines Engagements für BAFF prüfen.

Die Ausstellung zieht an diesem Donnerstag von Berlin nach Hamburg um. Der Hamburger SV verwehrt dem Projekt ebenfalls seine Unterstützung. Laut Pilz stehen die weiteren Stationen in Bochum und Hannover auf der Kippe. "In Hannover wird die Ausstellung definitiv nur gezeigt, wenn die betreffenden Schautafeln abgenommen werden."

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