Fan-Proteste in Leverkusen - VfB weiter auf Wolke sieben
Calmund tobt: "Regionalliga"

Auch mit "Fußball-Gott" Jürgen Kohler wachsen für Bayer 04 Leverkusen die Bäume nicht in den Himmel. Schon im zweiten Spiel unter dem neuen Sportdirektor verpuffte der "Kohler- Effekt": Der Vizemeister kassierte beim VfB Stuttgart nach erschreckend schwacher Vorstellung eine 0:3 (0:2)-Schlappe und rutschte wieder auf einen Abstiegsplatz ab.

HB/dpa STUTTGART. "Spielerisch war das höchstens Zweite Liga, vielleicht sogar nur Regionalliga", tobte Bayer-Manager Reiner Calmund. "Einiges ist nicht in Ordnung. Das muss knallhart bereinigt werden." Dies taten rund 50 Leverkusener Anhänger bereits am Sonntag beim Training. Sie beschimpften die Bayer-Profis als "Arbeitsverweigerer" und konnten erst durch gutes Zureden der Spieler und von Trainer Thomas Hörster beruhigt werden.

Dagegen schwebt der VfB weiter auf Wolke sieben. Dank der Tore von Ioannis Amanatidis (9.), der sich bei seinem Treffer eine Kapselverletzung zuzog und etwa drei Wochen lang ausfällt, Alexander Hleb (17.) und Ioan Viorel Ganea (51.) rückten die Schwaben ihrem Traumziel Champions League einen Riesenschritt näher. "Ich habe es mir nicht so leicht vorgestellt", sagte Teammanager Felix Magath bestens gelaunt. "Durch unsere zwei schnellen Tore war Bayers Widerstand gebrochen. Danach waren wir nicht mehr gefordert und es hatte nicht den Anschein, dass noch etwas anbrennen könnte."

Leverkusen präsentierte sich hilf- und harmlos, ohne Drang zum Tor, ohne Biss, ohne Aggressivität. Thomas Hörsters ernüchternde Analyse glich einem sportlichen Offenbarungseid. "Alle Tugenden fehlten. Ich habe keine Erklärung dafür. Uns ist heute der Boden unter den Füßen weggezogen worden", resümierte der Trainer ratlos. "Wenn man so in ein Spiel geht, ist das fast schon Ergebenheit."

Jürgen Kohler, nach dem 4:1 gegen Hertha BSC Berlin vor einer Woche als Retter gefeiert, entzog sich einem Kommentar durch Flucht erst in die Kabine und dann in den Mannschaftsbus. Auch die völlig indisponierten Nationalspieler Carsten Ramelow, Oliver Neuville und Hans-Jörg Butt verschwanden wortlos. Nur Bernd Schneider stellte sich. "Wir haben den ganzen Nachmittag verschlafen", lautete sein vernichtendes Urteil. "Ich habe viel Negatives gesehen."

Nur Positives konnte dagegen Felix Magath von seiner Mannschaft vermelden, von der mangelhaften Chancenverwertung einmal abgesehen. Denn gegen die wie ein Absteiger wirkende Werkself wäre locker ein halbes Dutzend Treffer drin gewesen. Der VfB-Teammanager konnte sich sogar den Luxus leisten, seinen besten Akteur Alexander Hleb nach gut einer Stunde zu schonen. "Wir haben Kräfte gespart. In Bochum treffen wir sicher auf härtere Gegenwehr", richtete er den Blick nach vorn.

Von Champions League will Magath trotz des Vier-Punkte-Vorsprungs auf Borussia Dortmund weiter nichts wissen. "Darüber reden wir, wenn es so weit ist." Krassimir Balakow blieb auf der Linie seines Chefs. "Dieser zweite Platz ist eine Prüfung, ob wir reif genug sind", sagte der Spielmacher. "Wir dürfen uns nicht blenden lassen, der Gegner war zu schwach." Für Magath bleibt Dortmund Favorit auf Rang zwei. Doch dann lehnte sich der Teammanager für seine Verhältnisse verbal weit aus dem Fenster: "Vielleicht erreichen wir den UEFA-Cup-Platz früher als gedacht. Dann könnten wir uns der Kür zuwenden."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%