Fans machen Nacht zum Tag
Türkischer Jubelsturm nach Sieg im Elfer-Krimi

Bei Türken in der Heimat wie in Deutschland hat der Sieg im EM-Viertelfinale von Wien gegen Kroatien durch Elfmeterschießen (3:1, 1:1 nach Verlängerung) am Freitag einen wahren Jubelsturm ausgelöst. Hunderttausende gingen nach Mitternacht in Istanbul und anderen Städten wie auch in deutschen Großstädten wie Berlin auf die Straßen, um gemeinsam und mit Fahnen, Sprechchören und hupenden Autokorsos den Einzug in die Vorschlussrunde zu feiern.

HB ISTANBUL/BERLIN. In Istanbul wurden Feuerwerkskörper und Freudenschüsse abgefeuert. Schiffe auf dem Bosporus betätigten ihre Signalhörner.

Auch in Berlin zischten nur Sekunden nach dem Triumph der Türken in der Nacht zum Samstag in Friedrichshain-Kreuzberg, in Neukölln und im Wedding, aber auch in anderen Stadtteilen der Hauptstadt Hunderte Raketen in die Luft, krachten unzählige Böllerschüsse und lagen sich auf den Straßen die feiernden Menschen in den Armen. Der Jubel war grenzenlos nach dem Fußball-Drama mit zwei Toren zum 1:1 in den letzten Minuten der Verlängerung und der anschließendem Entscheidung vom Elfmeterpunkt.

Ein Polizeisprecher sagte nahe der Gedächtniskirche in der West- City Berlins nur etwa 20 Minuten nach dem Ende der Partie, als sich schon Dutzende von Autos zum traditionellen Nacht-Corso dieser EM eingefunden hatten: "Wir lassen natürlich gern feiern und werden gegen den Happening-Charakter nichts unternehmen, solange alles friedlich bleibt." Am Kurfürstendamm, am Tauentzien und vor allem in Kreuzberg, wo viele türkische Bürger leben, habe die Polizei in dieser Nacht etwa 550 Beamte im Einsatz. Nach dem Erfolg der Türken in der Vorrunde über Tschechien hatten rund 25 000 Türken fast die ganze Nacht am Kurfürstendamm durchgefeiert.

Für den Türkischen Bund in Berlin äußerte sich Sprecher Saftar Cinar überglücklich. "Wir freuen uns so sehr, das kann man kaum beschreiben, und besonders freuen sich meine Landsleute nun über das Halbfinale gegen Deutschland." Am nächsten Mittwoch kommt es damit auf der Berliner Fanmeile, die für etwa 500 000 Fans erstmals bei dieser EM geöffnet sein wird, zum beispiellosen Jubel-Duell zwischen Deutschen und Türken, wenn sich die beiden Teams in Basel um den Platz im Endspiel streiten. In der Hauptstadt leben rund 140 000 türkische Staatsbürger und 20 000 Deutsche mit türkischem Ursprung. Im Siegesgefühl zeigte Saftar Cinar aber auch Mitleid mit den kroatischen Spielern. "Das war schon ein bitteres Drama für die Verlierer dieses unglaublichen Abends."

Die Polizei nannte die Lage auf den Berliner Straßen in der Innenstadt sowie den Bezirken Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Wedding, in denen viele Türken wohnen, "ganz ruhig und friedlich". "Der Kudamm wird nicht gestürmt, aber in bestimmten Situationen erlauben wir schon einmal eine Feier", sagte eine Sprecherin schon zur Halbzeit.

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