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Fanz neuer KSC-Trainer - Sponsor übt Kritik

Reinhold Fanz soll den krisengebeutelten Karlsruher SC aus dem Tabellenkeller der 2. Fußball-Bundesliga führen, ist aber vom Hauptsponsor gleich in Frage gestellt worden.

dpa KARLSRUHE. Reinhold Fanz soll den krisengebeutelten Karlsruher SC aus dem Tabellenkeller der 2. Fußball-Bundesliga führen, ist aber vom Hauptsponsor gleich in Frage gestellt worden.

Gerade noch rechtzeitig zum Trainingsauftakt wurde der 50-Jährige beim Tabellenvorletzten als Nachfolger des am 20. Dezember entlassenen Chefcoachs Lorenz-Günther Köstner vorgestellt. "Er kennt das Umfeld. Wir wollten jemanden haben, der aus der Region kommt", erklärte Präsident Hubert Raase die überraschende Entscheidung des Präsidiums und Managements. Dagegen drohte Sponsor ENBW (Energie Baden-Württemberg) damit, die Zusammenarbeit zu beenden.

Fanz erhält einen Vertrag bis zum Saisonende. Dieser verlängert sich um ein Jahr, wenn er mit dem KSC den Klassenerhalt schafft. Eine Nichtabstiegs-Prämie ist nach Angaben von Sportdirektor Rolf Dohmen kein Thema. Nur wenige Stunden nach der Vorstellung von Fanz meldete Hauptsponsor ENBW (Energie Baden-Württemberg), der den KSC mit jährlich etwa 800 000 Euro unterstützt, mit ungewohnt scharfer Kritik zu Wort. "Bei ihm, der zuvor die Amateure des VfB Stuttgart mit nur mäßigem Erfolg in der dritten Liga trainiert hat und zuletzt freigestellt war, sieht man seitens der entsprechenden ENBW-Verantwortlichen nicht das sportliche und persönliche Format, um die Profis des Karlsruher Zweitligisten nach vorn und gar in die Erste Bundesliga zu führen", heißt es in einer Pressemitteilung.

Der Sponsor fühlte sich "überrumpelt und geradezu brüskiert". Marketing- und Vertriebschef Detlef Schmidt sei "tief enttäuscht". Er kündigte an: "Wir sehen unsere Zusammenarbeit mit dem KSC ernsthaft gefährdet." Die Badener hatten in den vergangenen Jahren regelmäßig um die Lizenz bangen müssen und stehen nun vor einer Zerreißprobe mit ihrem wichtigsten Förderer.

"Sicher ist die Situation hier sehr, sehr schwierig, aber es gibt Talente, an denen man feilen kann", sagte Fanz und bezeichnete Karlsruhe als "meinen Traumverein". Der neue Hoffnungsträger bestritt von 1980 bis 1983 insgesamt 36 Bundesliga-Partien für den KSC und spielte damals zeitweise an der Seite des heutigen Sportdirektors Dohmen. Die Wege der beiden kreuzten sich später auch bei Eintracht Frankfurt. Auf die Frage, ob er mit der Verpflichtung seines alten Bekannten Seilschaften pflegen würde, meinte Dohmen: "Mit diesem Vorwurf kann ich leben."

Fanz trainierte unter anderem Hannover 96, Frankfurt und Eintracht Braunschweig. Zudem war er von 1987 bis 1996 hessischer Verbandscoach. Zuletzt wurde er als Amateur-Trainer des VfB Stuttgart am 18. Juni dieses Jahres entlassen. Mit Köstner hatte er einst den Trainerschein gemacht. Zu seinem Vorgänger will Fanz auch Kontakt aufnehmen, schließlich kennt er die Mannschaft nur von Videoaufnahmen. "Ich will, dass die Mannschaft attraktiv und aggressiv spielt. Zunächst einmal braucht sie Selbstvertrauen", meinte Fanz.

Dohmen bestätigte, dass der KSC in der Winterpause noch Neuzugänge verpflichten will. "Es gibt drei oder vier Spieler auf meiner Liste", sagte der Sportdirektor. Ungewiss ist allerdings, ob die Mannschaft bereits bis zum Beginn des Trainingslagers am 5. Januar in Belek/Türkei verstärkt wird.

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