Fassungslosigkeit und Enttäuschung
Frankreich trägt Trauer

Aus und vorbei. Nach dem WM-Aus der "Equipe Tricolore" regiert in Frankreich die Fassungslosigkeit. Noch Minuten nach dem Abpfiff herrschte auf den sonst so lärmenden Straßen in Paris Totenstille. Traurige Fans rollten vor dem Rathaus ihre Flaggen ein.

dpa PARIS. "Unglaublich", "nicht zu fassen", "katastrophal": Die jugendlichen Fans vor dem Rathaus in Paris wollten es nicht glauben, dass ihre Mannschaft sich so sang- und klanglos von der Fußball-Weltmeisterschaft verabschiedet hat. "Wie die Anfänger, selbst meine Clubmannschaft spielt besser", klagte ein 21-jähriger Student am Dienstag nach dem 0:2-Desaster gegen Dänemark.

Die Anfeuerungsrufe aus der Menge der 4000 Anhänger vor der großen Leinwand zu Beginn des Spiels verstummten jäh, als in der 23. Minute des erste Tor für die Dänen fiel. Nach dem zweiten Tor sank die Stimmung auf dem Nullpunkt. In den letzten Minuten schrien noch einige: "Schießt wenigstens ein Tor." Und: "Rettet eure Ehre."

Am Morgen waren die Straßen in Paris wie ausgestorben. Viele machten sich nach der großen Enttäuschung über das verlorene WM-Eröffnungsspiel gegen Senegal und das Unentschieden gegen Uruguay Mut. "Zidane spielt wieder. Jetzt werden wir's schaffen", war der Tenor in den Medien. Die führende Sportzeitung «L'Equipe» gab die Devise vor: "Drauf aufs Tor".

Nach dem Spiel fiel kein böses Wort über Frankreichs Superstar Zinedine Zidane, der angetreten war, obwohl sein Muskelfaserriss im Oberschenkel noch nicht ganz ausgeheilt war. "Er war noch nicht ganz gesund. Einer allein kann das Spiel auch nicht herumreißen", sagte der 30-jährige Phillip Ouazom, der mit vielen Anhänger in einem kleinen Bistro nahe der Oper ausharrte. "Wir brauchen jetzt mehr junge Spieler", meinte ein anderer.

Noch Minuten nach dem Abpfiff herrschte auf den sonst so lärmenden Straßen in Paris Totenstille, bis der Alltag wieder begann. Zum Schluss rollten die traurigen Fans vor dem Rathaus ihre Flaggen ein. "Vorbei, es ist aus, das ist die Katastrophe", meinte der 17-jährige Michel. "Wie bei den Wahlen, die Sache ist gelaufen", sagte der 42-jährige Kiosk-Besitzer an der Oper. Der französische Präsident Jacques Chirac sprach den enttäuschten Fans und den Spielern Mut zu. "Man muss jetzt diese Niederlage überwinden und einen neuen Weg einschlagen. Der französische Fußball muss ein Maßstab für die Welt bleiben", forderte er.

Der französische Fußballverband kann nach dem Ausscheiden wenigstens Geld sparen. Bei einem Sieg im Endspiel hätte jeder der WM-Nationalspieler 305 000 Euro bekommen. Diese insgesamt sieben Millionen Euro fallen jetzt weg. Ganz leer gehen die Spieler aber nicht aus, da sie bereits reichlich Sponsorenverträge abgeschlossen haben. Bis Ende Juni hatten sie schon für die letzten zwölf Monate 4,5 Millionen Euro kassiert. Das Nachsehen hatten wieder einmal die Aktionäre - der Kurs des französischen Privatsenders TF1, der sich für 168 Millionen Euro die exklusiven WM-Übertragungsrechte für 2002 und 2006 gesichert hatte, sackte kurzzeitig um 2,7 Prozent auf 29,16 Euro ab.

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