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Fast 300 Tote bei Brand in Einkaufszentrum in Paraguay

Asunción (dpa) - Fast 300 Menschen sind bei einem Brand in einem Einkaufszentrum in Paraguays Hauptstadt Asunción ums Leben gekommen. Die laut Medien und Behörden schlimmste Tragödie in der jüngeren Geschichte des südamerikanischen Landes ereignete sich Sonntagmittag.

Asunción (dpa) - Fast 300 Menschen sind bei einem Brand in einem Einkaufszentrum in Paraguays Hauptstadt Asunción ums Leben gekommen. Die laut Medien und Behörden schlimmste Tragödie in der jüngeren Geschichte des südamerikanischen Landes ereignete sich Sonntagmittag.

Zwei Gasexplosionen in einer Restaurantküche verwandelten den modernen Komplex in sekundenschnelle in ein Inferno. Staatspräsident Nicanor Duarte Frutos ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Der Besitzer des Zentrums «Icua Bolanos» wurde unterdessen in Untersuchungshaft genommen. Er wird beschuldigt, bei Ausbruch des Feuers die Schließung aller Ein- und Ausgänge angeordnet zu haben, um Plünderungen zu verhindern. Medien berichteten am späten Abend (Ortszeit) unter Berufung auf die Behörden, mindestens 283 Menschen seien bei der verheerenden Brandkatastrophe gestorben. Es wird jedoch befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer noch weiter ansteigen wird. Mehr als 300 Menschen wurden laut den zuständigen Behörden verletzt.

Die Todesopfer seien qualvoll erstickt oder verbrannt, berichteten Medien. Passanten hätten den Todeskampf der Eingeschlossenen in Panik von der Straße aus verfolgt. Viele hätten noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr und der Sicherheitskräfte versucht, auch von außen Türen einzutreten oder dicke Schaufensterscheiben mit bloßen Fäusten zu zerstören, um einen Fluchtweg zu ermöglichen. Einigen sei das gelungen. Rund 700 Menschen hätten sich bei Ausbruch des Feuers in dem Supermarkt und den dazugehörenden Restaurants aufgehalten.

Die nationalen TV-Sender zeigten am Sonntag immer wieder Bilder von unzähligen schreienden und weinenden Menschen inmitten von Rauchwolken und des Sirenengeheuls von Kranken-, Feuerwehr- und Polizeiwagen. Stundenlang zogen Feuerwehrmänner und freiwillige Helfer leblose Körper und Schwerverletzte aus dem Inneren des niederbrennenden Gebäudes. «68 der geborgenen Körper sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, die haben wir alle vorläufig in einer Disko gegenüber dem Unglücksort verstaut», erklärte ein Gerichtssprecher im Fernsehen.

«Ich habe so etwas noch nie gesehen», meinte sichtlich schockiert Gesundheitsminister Julio César Velázquez. «Es ist unglaublich, wie viele Menschen betroffen sind. Ich sehe Kinder, Rentner, schwangere Frauen», fügte er hinzu.

Kirchen, Sportplätze und Nachtclubs wurden neben Krankenhäusern zur Behandlung der Verletzten und zur Leichenaufbewahrung benutzt. Präsident Duarte Frutos verfolgte die Lösch- und Rettungsarbeiten vor Ort. Er rief private Kliniken zur Aufnahme von Verletzten auf. Die öffentlichen Krankenhäuser hätten nicht genügend Kapazitäten. «Das ist ein Augenblick von großem Schmerz», sagte der Präsident.

Ein Feuerwehrsprecher sagte, das Einkaufszentrum habe nicht über die vorgeschriebenen Sicherheitseinrichtungen verfügt. Es habe weder genügend Notausgänge noch Brandbekämpfungsgeräte gegeben. Der Besitzer Juan Paiva wies allerdings jede Schuld von sich. Er sei davon überzeugt, dass es sich um einen Sabotageakt gehandelt habe, sagte er. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen auch Ermittlungen gegen das Unternehmen eingeleitet werden, das den Komplex gebaut hat, sowie gegen jene Beamten, die den Betrieb des Zentrums genehmigt haben.

Asunción bat den südamerikanischen Nachbarländern um Hilfe. Argentinien entsandte bereits nach eigenen Angaben ein Flugzeug sowie Krankenwagen mit Medikamenten und erfahrenen Ärzten. Duarte Frutos sagte, Hilfe hätten auch Brasilien, Chile, Kolumbien und Uruguay angeboten.

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