Fast 7 000 Stellenstreichungen
Fiat greift mit voller Härte durch

Beim italienischen Fiat-Konzern spitzt sich die Krisenlage weiter zu: Wahrscheinlich schon am Mittwoch wird das Turiner Unternehmen den Abbau von etwa 3 000 Arbeitsplätzen verkünden.

mab/zel MAILAND/DÜSSELDORF. Das wurde am Montag in unternehmensnahen Kreisen bestätigt. In einer zweiten Welle - voraussichtlich bis zum Jahresende - werden dann noch einmal knapp 4 000 Stellen gestrichen. Der Fiat-Konzern reagiert damit auf die massiven Absatzprobleme seiner Autosparte. Im ersten Halbjahr war ein Minus von 823 Mill. Euro aufgelaufen. Im Frühjahr mussten schon einmal 3 000 Mitarbeiter gehen.

Wie es am Montag in Turin weiter hieß, wird das Unternehmen auch einen so genannten "Krisenstatus" nach italienischem Recht ausrufen. Das erlaubt es dem Konzern, einzelne Fabriken bis zu einem Jahr zu schließen. Fiat wird davon wahrscheinlich bei zwei Produktionsstätten in der Nähe von Mailand und in Sizilien Gebrauch machen. Fiat hatte bisher versucht, seine Absatzprobleme mit Kurzarbeit in den Griff zu bekommen. Weil die Verkaufszahlen noch immer nicht nach oben gehen, muss der Konzern Fabriken länger schließen.

Der Abbau von Arbeitsplätzen wird wahrscheinlich alle Ebenen treffen: Nach unbestätigten Informationen aus der Branche müssen 3 000 Mitarbeiter aus der Produktion gehen. Außerdem sind 3 000 Angehörige der Verwaltung betroffen. Zudem müssen sich voraussichtlich auch 300 Top-Manager darauf einstellen, dass sie ihre Papiere bekommen werden. Die Personalabteilung hat bereits damit begonnen, betroffenen Managern Abfindungsangebote zu machen. Offiziell wollte Fiat am Montag zu diesen Zahlen keine Stellung beziehen; unternehmensnahe Kreise bestätigten die Informationen jedoch.

Am Ende könnte Fiat sogar bis zu 8 000 Arbeitsplätze streichen, wenn einzelne Fabriken komplett aufgegeben werden - fast 15 % der kompletten Fiat-Belegschaft. In Italien arbeiten für Fiat Auto etwa 36 000 Menschen, weltweit sind es 50 000. Für Mittwoch ist ein Treffen zwischen der Konzernspitze und führenden italienischen Gewerkschaftsvertretern angesetzt. Bereits am Montag hatte Fiat den Regionalpräsidenten der Region Piemont (vergleichbar einem deutschen Ministerpräsidenten) und den Turiner Oberbürgermeister über die neuen Restrukturierungspläne des krisengeschüttelten Konzerns informiert.

In Bezug auf mögliche Staatshilfen für den größten Industriekonzern Italiens kommen unterschiedliche Signale aus der Regierung in Rom. Industrieminister Antonio Marzano hatte am Wochenende Subventionen eine klare Absage erteilt. Beihilfen seien nicht mit europäischen Regelungen vereinbar.

Im Gegensatz dazu hat Sozialminister Roberto Maroni am Montag der Fiat-Belegschaft Hoffnungen gemacht: "Wenn Fiat seinen Sanierungsplan im Detail entschieden hat, wird die Regierung sehen, wie dieser Plan unterstützt werden kann." Eine indirekte Subventionierung hat die Regierung seit Juli bereits der gesamten Autobranche in Form von Steuererleichterungen beim Kauf von Neuwagen gewährt. Von dieser Maßnahme haben aber andere Hersteller (Volkswagen, Renault) stärker profitiert als der Fiat-Konzern mit seinen drei Marken (Fiat, Alfa Romeo, Lancia). Dessen Zulassungszahlen auf dem italienischen Markt sind im September um 7,5 % zurückgegangen, während der Markt insgesamt um 3,4 % zulegen konnte.

Quelle: Handelsblatt

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