Fast die Hälfte der deutschen Top-Manager befürchtet Rezession – Beschäftigungsaussichten verschlechtern sich weiter
Stimmung in den Führungsetagen stürzt ab

Die Standortbedingungen in Deutschland verschlechtern sich, die Wahrscheinlichkeit einer Rezession steigt: Deutschlands Manager zeichnen für die kommenden zwölf Monate ein trübes Bild.

DÜSSELDORF. Unter den Führungskräften der deutschen Wirtschaft wächst der Pessimismus. Alle Indikatoren des Handelsblatt Business- Monitors, die sich auf die Wirtschaftsentwicklung der kommenden zwölf Monate beziehen, haben sich im Juni zum Teil massiv verschlechtert. Das entspricht der deutlichen Abkühlung des Konjunkturklimas in Deutschland, die sich in nach unten korrigierten Wachstumsprognosen und der Verschlechterung des Ifo-Geschäftsklimas niederschlägt.

Fast die Hälfte der Top-Manager sehen die Gefahr einer Rezession, die Voraussetzungen für mehr Investitionen und Beschäftigung haben sich rapide verschlechtert, mehr als zwei Drittel der Führungskräfte erwarten, dass die Inflationsrate von 3,5 % (im Mai) in absehbarer Zeit nicht zurückgeht, und gerade noch 8 % rechnen mit einer Verbesserung der Standortbedingungen.

Dieses rundum schlechte Stimmungsbild muss aus mehreren Gründen beunruhigen: Zum einen lagen all jene Indikatorwerte, die bei jeder Umfrage im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors erhoben werden, auf dem niedrigsten Stand seit Einführung der Umfragen im März 1999. Zum anderen war das Tempo der Stimmungsverschlechterung im ersten Halbjahr des Jahres ungewöhnlich hoch. Schließlich spricht nach den jüngsten Zahlen nichts mehr dafür, dass die Arbeitslosigkeit mittelfristig spürbar zurückgeht.

49 % der Top-Manager halten es für möglich, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession gerät, 50 % halten diese Befürchtung für unbegründet. Im angelsächsischen Sprachgebrauch besteht eine Rezession dann, wenn die Wirtschaft über mindestens zwei Quartale hinweg schrumpft. Schätzungen von Konjunkturforschern zufolge ist im zweiten Quartal 2000 ein Nullwachstum wahrscheinlich. Bei einer Rezession müsste sich der Abschwung im zweiten Halbjahr also fortsetzen.

Vor diesem Hintergrund sind die Wachstumserwartungen der befragten Führungskräfte noch vergleichsweise optimistisch. Immerhin 51 % rechnen mit einem Wachstum von "bis zu 2 %" in diesem Jahr. Die Bundesregierung hält bislang ebenfalls 2 % noch für möglich; sie wurde in den vergangenen Tagen vielfach als zu optimistisch kritisiert. Die Wirtschaftsforschungsinstitute sind deutlich skeptischer. So erwartet das Ifo-Institut nach seiner in dieser Woche veröffentlichten Prognose nur noch 1,2 %. In diesem Rahmen bewegen sich auch die Erwartungen von knapp einem Drittel der Manager: Sie rechnen mit einem Wachstum von "bis zu 1,5 %".

Zugleich trauen die Führungskräfte den Prognosen der Konjunkturforscher nicht, dass die Inflation im zweiten Halbjahr aufgrund fallender Ölpreise und stabilisierter Nahrungsmittelpreise wieder sinken wird. 32 % glauben, dass die Teuerungsrate von 3,5 % im Mai - die etwas günstigeren Juni-Daten waren zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht verfügbar - im Lauf des Jahres weiter steigen wird, 38 % rechnen mit einem gleich bleibend hohen Niveau, nur 32 % erwarten einen Rückgang.

Die negativen Beurteilungen der Wirtschaftsentwicklung schlagen sich auch im Standortklima des Handelsblatt Business-Monitors nieder. Dieser Indikator bildet die Einschätzungen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in den kommenden zwölf Monaten ab. Nur noch 8 % der Führungskräfte rechnen mit einer Verbesserung der Standortbedingungen.

Damit war der Anteil der Optimisten so gering wie letztmals im März 1999, als die Top-Manager noch unter dem Eindruck der Wirtschafts- und Finanzpolitik des damaligen Finanzministers Oskar Lafontaine (SPD) gestanden hatten. 21 % erwarten noch "gleich gute" Bedingungen, 19 % "gleich schlechte". In der Mehrheit sind mit 52 % aber jene, die mit einer Verschlechterung rechnen. Im Juni 2000 waren es nur 14 % gewesen. Regelrecht eingebrochen ist das Beschäftigungsklima. Nur noch 18 % der Führungskräfte, so wenige wie nie seit Einführung des Handelsblatt Business-Monitors, wollen in den kommenden zwölf Monaten die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöhen., 35 % wollen sie senken. Im Juni 2000 war das Verhältnis genau umgekehrt gewesen. 47 % wollen die Beschäftigtenzahl in ihrem Unternehmen nicht ändern.

Im Gegensatz zum Standortklima sind beim Beschäftigungsklima starke starke Unterschiede zwischen einzelnen Branchen erkennbar. Besonders schlecht sieht es im Baugewerbe aus, wo 55 % der Betriebe Beschäftigung abbauen und nur 10 % zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen. Nicht sehr viel besser sind die Aussichten im Handel: In 42 % der Unternehmen droht eine Verringerung der Beschäftigtenzahl, nur 15 % erwarten eine Steigerung.

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