Fast wöchentlich werden neue Klagen gegen Vorstände bekannt
D&O-Policen: Das rettende Netz für Manager

Mit so genannten D&O-Policen können Unternehmen ihre Manager gegen Fehlentscheidungen versichern. In diesem Geschäft gibt es noch traumhafte Wachstumsraten.

DÜSSELDORF. Thomas Schreiter rückt zwar nicht mit konkreten Zahlen raus, weil das Thema "heiss" ist. Aber der Versicherungsmakler schätzt das Wachstum bei D&O-Policen auf mehr als 20 Prozent jährlich. D&O ist die Abkürzung für Directors and Officers Liability. Versicherungen, die eintreten, wenn Unternehmenslenker für Fehler persönlich haftbar gemacht werden.

Heiss ist das Thema für Schreiter, weil im Licht der Skandale am Neuen Markt die Management-Versicherung als Freibrief für schlampiges Arbeiten in den Chef-Etagen der Unternehmen missverstanden werden könnte. Doch dem ist nicht so. Denn wie bei jeder anderen Versicherung auch, gibt es je nach Gesellschaft die unterschiedlichsten Ausschlussgründe. Fälle also, in denen die Versicherung nicht eintritt. Dazu gehört, wie bei anderen Haftpflichtversicherungen auch, dass die Versicherung bei vorsätzlichem Handeln keine Mark bezahlt.

Meist ist allerdings, anders als bei einer privaten Haftpflichtversicherung, selbst grobe Fahrlässigkeit abgedeckt, so dass eine D&O-Police einen Großteil des persönlichen Managerrisikos absichert. Vor allem das Risiko möglicher Schadensersatzansprüche - die können Aktionäre aber auch Aufsichtsräte gegen ihre Vorstände erheben. Beispiele gibt es in der jüngeren deutschen Rechtssprechung genug. So ist seit dem Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahre 1997 klar, dass Aufsichtsräte grundsätzlich die Rechtspflicht haben, Schadensersatzansprüche gegen den Vorstand zu verfolgen, weil sie sich anderenfalls selbst ersatzpflichtig machen können. Der Aufsichtsrat ist auch das Gremium, das für die Organe des Unternehmens eine D&O Versicherung abschließen kann.

Fast wöchentlich werden neue Klagen bekannt

Im Zuge der Bereinigung am Neuen Markt kommen fast wöchentlich neue Schadensersatzklagen auf die Verantwortlichen zu. Nach EM.TV, Metabox, Intershop und Infomatec wird jetzt auch der Vorstand der Softmatic AG, Olaf Malchow, persönlich zur Verantwortung gezogen. Ein typischer Fall für einen Schadensersatzprozess.

Am 3. August dieses Jahres bekam Malchow eine Klage des Münchener Anwalts Klaus Rotter auf den Tisch. Rotter vertritt einen Anleger, der im Vertrauen auf die Richtigkeit von ad hoc-Meldungen des Unternehmens mehrere hunderttausend Deutsche Mark in Aktien der Softmatic AG investiert hatte.

Das Geld ist futsch. Das Depot wurde zwangsliquidiert weil der Investor einen großen Teil des Aktienkaufs mit einem Wertpapierkredit finanziert hatte. Die Aktie legte einen fulminanten Absturz hin, als sich im Spätherbst des vergangenen Jahres herausstellte, dass die ursprünglichen Ziele des Vorstands nicht nur nicht erreicht, sondern deutlich unterschritten wurden. Aus einer schwarzen Null beim Ergebnis wurde ein Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. Malchow selbst zeigte sich von der Geschäftsentwicklung überrascht. In einem Telefongespräch erklärte er im Dezember 2000, das nichts in den Monaten davor auf einen derartigen Einbruch hingedeutet habe. Die ad hoc-Meldungen des Unternehmens sprachen bis Ende November von guten bis sehr guten Geschäften und hohen Umsätzen. Bis zuletzt wurde die schwarze Null propagiert. Tatsächlich aber war die schlechte Umsatzentwicklung der Firma längst Thema des Flurfunks.

Europäische Gerichtshof wird entscheiden

Offen ist nur, ob die Richter der Argumentation des Klägers folgen werden. Denn es ist rechtlich umstritten, ob Anleger auf die Richtigkeit der ad hoc-Meldungen vertrauen können. Letztendlich wird diese Frage vor dem Europäischen Gerichtshof geklärt werden. Sollte der Prozess zugunsten des Klägers ausgehen, dann könnte es für Malchow teuer werden.

Es sei denn, der Aufsichtsrat der Softmatic AG hätte rechtzeitig eine D&O-Police abgeschlossen. Malchow wollte dem Handelsblatt nicht sagen, ob für ihn eine Versicherung einspringt. Das sei, so sagte er, im Vorfeld des Prozesses möglicherweise ein falsches Signal an die Gegenseite. Man wisse ja nicht, auf welche Ideen die Anwälte noch kommen, wenn sie davon ausgehen könnten, dass eine Versicherung abgeschlossen sei. Soviel ließ sich Malchow immerhin entlocken: dem Aufsichtsrat und dem Vorstand seiner Firma sei die Existenz einer D&O-Versicherung bekannt, sagte er.

Doch Malchow ist nicht der letzte, auf den eine Schadensersatzklage zukommt. Die Münchener Anwaltskanzlei Klaus Rotter prüft derzeit sechs weitere Fälle. Namen wollte der auf Anlegerrecht spezialisierte Anwalt aus München nicht nennen. Falls die Vorstände nicht D&O versichert sind, können die Klagen schnell millionenschwer werden. Das Privatvermögen der Manager ist gefährdet.

Vermögensverschieberei ist nicht mehr nötig

Früher sicherten sich die Führungskräfte ab, indem sie ihr Vermögen ihrer Ehefrau überschrieben, oft wurde laut Thomas Schreiter auch die Geliebte des Managers mit dem Vermögen bedacht. Heutzutage ist diese Verschieberei nicht mehr nötig - wenn der Manager D&O versichert ist. Das Auto, das Boot und das Pferd können bleiben wo sie sind: im Vermögen des Managers.

Seit zehn Jahren gibt es D&O-Versicherungen auf dem deutschen Markt. Wegen der Wachstumschancen sind mittlerweile alle großen Versicherungsnamen vertreten.

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