Fasulo war offenbar ein agressiver Flieger
Unglücksflieger galt als erfahrener Pilot

Der 67 Jahre alte im Tessin wohnende Italiener Luigi-Gino Fasulo wollte möglicherweise den Mailänder Flughafen Linate anfliegen, weil er mit einer Landung dort einige hundert Franken Steuer auf das Flugbenzin sparen konnte, hieß es in Fliegerkreisen.

Reuters LOCARNO. Der 67 Jahre alte im Tessin wohnende Italiener Luigi-Gino Fasulo, der am Donnerstag in Mailand mit seinem einmotorigen Flugzeug in ein Hochhaus gerast ist, galt als erfahrener Pilot mit langjähriger Erfahrung. Möglicherweise wollte er den Mailänder Flughafen Linate anfliegen, weil er mit einer Landung dort einige hundert Franken Steuer auf das Flugbenzin sparen konnte, hieß es in Fliegerkreisen.

Beim Anflug auf Linate meldete er ein Fahrwerkproblem und die Flugkontrolle empfahl ihm nach Angaben italienischer Behörden, nach Westen abzudrehen. Er ist aber offenbar aus noch ungeklärten Gründen nach Norden Richtung Stadt geflogen und habe über Funk erklärt, er wolle das Fahrwerksproblem lösen. Dann sei der Funkkontakt abgebrochen. Ein Notruf sei nicht eingegangen.

Fasulo war am Donnerstag gegen 17.00 Uhr von Locarno-Magadino aus nach Mailand gestartet. Der Flug nach Linate dauert lediglich eine knappe halbe Stunde und Fasulo unternahm den Flug möglicherweise wie so viele andere Tessiner Flugsportler, um Steuern zu sparen. Dabei werden die Flugzeuge in Locarno aufgetankt. Mit einer Landung in Mailand gilt das Kerosin als ins Ausland ausgeführt und der Pilot kann die Schweizer Steuer auf das Kerosin zurückfordern.

Solche Flüge lohnen sich. Flugbenzin kostet in der Schweiz rund 1,90 Franken pro Liter (rund 1,30 Euro), unversteuert kostet der Liter auf einen Franken. Das mache bei einem rund 300 Liter fassenden Tank, wie ihn das Unglücksflugzeug besaß, einen anständigen Betrag aus, hieß es in Fliegerkreisen.

Gody Züger, der Vizepräsident des Fliegervereins Gruppo Volo Motore in Locarno, wo Fasulo bis vor zwei Jahren Mitglied war, sagte über Fasulo: "Ich weiß, dass er sehr große Flugerfahrung gehabt hat, über 5 000 Stunden. Er ist über 30 Jahre lang geflogen. Er hat auch privat eine Berufspiloten-Lizenz gehabt."

Möglicherweise habe sich Fasulo manchmal zu sehr auf seine Erfahrung verlassen, sagte Züger. Er habe gehört, dass Fasulo es manchmal mit den Checklisten nicht so genau genommen habe und in gewissem Sinn ein aggressiver Flieger gewesen sei

.

Auch Fabio de Angelis, Präsident des Aero Club Locarno sagte über Fasulo: "Er war ein sehr erfahrener Pilot und ist sowohl in Locaro als auch in Agno sehr oft geflogen. Er hat die Flugplätze gekannt."

Dass der 67-Jährige leichtsinnig gewesen sein könnte, glaubt de Angelis nicht: "Er war kein Cowboy. Er hatte einmal Probleme bei einer Landung in Zürich, als er zu früh aufgesetzt hat. Das sagte aber nichts über seine Person aus."

Warum Fasulo über der Stadt so tief geflogen ist, konnte sich auch de Angelis nicht erklären. "In einer solch geringen Höhe über Mailand zu fliegen, hat böse Konsequenzen für einen Piloten. Das würde keiner machen ohne Grund." De Angelis selbst ist kein Pilot; er ist Fallschirmspringer.

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